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läßt ſich an manchen Stellen eine Abſichtlichkeit in der Aufeinanderfolge langer und kurzer Silben nicht ver⸗ kennen; die didaktiſche Poeſie bewegt ſich in langſamerem, die rein lyriſche in lebhafterem Schritte; Job 3, 2 neigt ſich zum trochäiſchen, Pſ. 11, 1. zum jambiſchen, Pſ. 29. zum daktyliſchen Versmaße. Hie und da finden ſich Aſſonanzen und Reime, beſonders im Job und in den Propheten(Haneberg, Geſch. d. Offenb. S. 307). Wir begegnen ſogar ſchon frühzeitig der Anſicht, es herrſchten in der hebräiſchen Poeſie beſtimmte Metra, Herameter und Pentameter, ſelbſt das alcäiſche und ſapphiſche Versmaß. So ſchon Joſephus, Philo, Euſebius, Hieronymus. Doch ſcheint es, daß ſie nur an eine Aehnlichkeit mit dieſen Metren gedacht haben. In ſpäterer Zeit jedoch unternahm man es wiederholt, die klaſſiſchen Metra in der hebräiſchen Poeſie nachzuweiſen. Der engliſche Biſchof Franz Hare gab ſogar 1736 das Pſalterium metriſch ſchematiſirt heraus, und noch 1758 verſuchte Wezel zu Erlangen, das Canticum Mosis zu ſkandiren(Lowth, de sacra poesi Hebraeorum. Oxf. 1753. p. 39. Haneberg, a. a. O. S. 306. Scholz, Einl. III, S. 17 ff.) Aber alle dieſe zum Theil mit Fleiß und Zähigkeit angeſtrengten Verſuche ſind gänzlich mißlungen, und auch die Anſicht, die hebräiſche Poeſie bewege ſich wohl in beſtimmten Versmaßen, dieſe ſeien aber für uns verloren, muß als eine unhaltbare Ausflucht zurückgewieſen werden(Ewald, a. a. O. I, S. 88. Winer, B. R. W. Art. Poeſie).
Gleichwohl entbehrt die heilige Poeſie nicht des Rhythmus, d. h. jenes ordnenden Geſetzes, durch welches die innere Fülle der Gedanken geregelt und verhindert wird in einem ungezügelten Strome von Worten und Bildern ſich ins Maßloſe und Ueberſchwengliche zu ergießen und ſo ſelbſt der Schönheit ſich zu berauben. Während nun der Rhythmus in der Regel in der Hebung und Senkung der Silben beſteht, offenbart er ſich bei den Hebräern in ſeiner urſprünglichſten und einfachſten Form, der Gliederung der Gedanken. Der heilige Dichter ſprach ſeinen Gedanken nicht in einem einfachen Satze aus, ſondern in zwei oder mehreren Satzgliedern, in welchen entweder derſelbe Gedanke nur in verſchiedenen Ausdrücken wiedertönt, oder weiter⸗ geführt, ergänzt, erläutert, oder ihm der Gegenſatz gegenüber geſtellt wird. Dem Geiſte iſt es dadurch möglich gemacht, ſich in die betreffenden Wahrheiten und Gefühle ganz zu verſenken, dabei zu verweilen und ſie nach verſchiedenen Seiten hin anzuſchauen und zu erwägen. Man nennt dieſe Form der Poeſie Parallelismus der Glieder und unterſcheidet je nach dem Inhalte den ſynonymen, den ſynthetiſchen und den antithetiſchen Parallelismus. Da dieſe Grundformen mancherlei Erweiterungen, Zuſammenſetzungen und Abſchwächungen zulaſſen, und vielfach mit einander abwechſeln, ſo entſteht dadurch eine große Mannichfaltigkeit in der äußeren Darſtellung. In manchen Liedern, in welchen mehrere Gedanken ausgeſprochen oder der eine Gedanke in all⸗ ſeitiger Weiſe entwickelt iſt, bildet das Ablaufen der einzelnen Gedanken Strophen, die gleichfalls ſynonymer, ſynthetiſcher und antithetiſcher Art ſein können, und nicht ſelten durch gleichen Anfang oder Schluß oder durch Refrains hervorgehoben ſind, jedoch nicht immer die gleiche Zahl von Verſen enthalten. Andere Lieder ent⸗ behren der Strophe, indem die Verſe loſe an einander gereiht ſind, oder es zieht ſich durch ſie nur ein Hauptgedanke, das Ganze bildet alſo nur eine Strophe.(Ewald, a. a. O. I, 57 ff. Schegg, die Pſalmen, Einl.§ 2). Eine kunſtreichere Behandlung gewahren wir an den alphabetiſchen Liedern, in welchen die einzelnen Verſe oder Versglieder oder auch Abſchnitte des Gedichtes mit den Buchſtaben des Alphabetes begonnen und nach denſelben geordnet ſind, nicht lediglich zu äußerer Zierde, ſondern vor allem um den Grundgedanken nach allen Seiten durchzuführen und ſo dem Liede den Charakter vollſtändiger Behandlung aufzuprägen. In einfacherer Form finden wir ſolche Lieder ſchon bei David, ſpäter erhielten ſie eine künſtlichere Ausbildung. Indem nun aber bei all dieſen mannichfachen Geſtaltungen der hebräiſchen Poeſie ſtets der Gedanke als das einzig Maßgebende galt, war dem Dichter möglichſte Freiheit der Bewegung geſtattet und zugleich der Grund zu reicher Mannichfaltigkeit in der äußeren Form gelegt; die einfache Urſprünglichkeit des Rhythmus minderte nicht den Werth der hebräiſchen Poeſie, ſondern machte gerade die Entfaltung ihrer Fülle, Kraft und Schönheit möglich.„Ein ſtrenges Metrum nach der Silbenzahl, dem rhythmiſchen Gewicht oder der gleichlautenden Endung im Reime könnte der Würde und dem erhabenen Fluge der Schrift nicht ſo an⸗ gemeſſen ſein, als jene einfache und frei geflügelte Urform der poetiſchen Bewegung, die nur in einem Wieder⸗


