Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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hall der Bilder und einem Rhythmus der Gedanken beſteht.(Fr. Schlegel, Geſch. d. Lit. Wien 1846. J, S. 122).

§ 17. Als nach der Trennung des Reiches unter Roboam(975) die Könige, Fürſten, ja ſelbſt Prieſter dem Götzendienſte ſich ergaben, traten die Propheten zum Schutze der geoffenbarten Religion auf, die älteren, wie Gad, Nathan, Ahia, Semeja, Iddo, Hanani, Elias und Eliſäus durch Wort und That, die ſpäteren(ſeit dem 9. Jahrh.) durch Rede und auch durch Schrift. Und zwar verkündeten dieſe nicht mehr in kurzen Ausſprüchen, ſondern in ausführlichen, wohldurchdachten und rhetoriſch durchgebildeten Reden den Willen des Herrn. So entſtand ein neuer Zweig der hebräiſchen Literatur, die prophetiſche Literatur, deren höchſte Blüthe in die Regierungszeit des Königs Ezechias fällt. Erhalten ſind uns die Schriften von 16 Propheten, welche nach dem ſehr ungleichen Umfange in 4 größere(Jſaias, Jeremias, Ezechiel, Daniel) und 12 kleinere Propheten(Oſee, Joel, Amos, Abdias, Jonas, Michäas, Nahum, Habakuk, Sophonias, Aggäus, Zacharias, Malachias) unterſchieden werden Hieran reiht ſich noch das Buch Baruch als Anhang zu Jeremias. Von dieſen lebten Jeremias, Ezechiel und Daniel zur Zeit des Exils, Aggäus, Zacharias und Malachias nach dem Exil. Die Sprache der Propheten beſitzt im Allgemeinen alle Merkmale der mündlichen Rede, ſie iſt lebendig und raſch, abſpringend und ein⸗ lenkend, überraſchend und ergreifend, und verſchmäht keines der Mittel, durch welche der Dichter das Gemüth erregt, verläuft aber auch wieder bei Darſtellung geſchichtlicher Thatſachen in ruhiger erzählender Form. Sen⸗ tenzen, Sprüche, Vergleichungen, Metaphern, Allegorien, Parabeln folgen in raſcher Abwechslung und verleihen den Reden reichen Schmuck. Unvergleichlich aber an erhabener Pracht ſind die Geſichte der Propheten, in welchen die Zukunft bald in großartigen allegoriſchen Bildern dem Auge vorgeführt, bald nur in kurzen Um⸗ riſſen angedeutet wird(vgl. Iſ. 6. Ezech. 1. Dan. 2. 7. Amos 7. 8. 9. Zach. 2 ff.). So iſt die Sprache der Propheten eine Verſchmelzung von Proſa und Poeſie; je nach dem Gegenſtande neigt ſie ſich bald mehr zur Proſa hin, bald erhebt ſie ſich zur Poeſie. Auch in dem Rhythmus tritt ihre poetiſche Fär⸗ bung hervor, indem ſie ſich den Parallelismus der Glieder und den Strophenbau aneignete, mit dem Unter⸗ ſchiede jedoch, daß in der prophetiſchen Rede die rhythmiſchen Glieder ungleich länger als in der Poeſie ſind, ſowie daß je nach dem rhetoriſchen Zwecke mannigfacher Wechſel des Rhythmus herrſcht, während in der Poeſie der einmal gewählte Rhythmus meiſtens durch die ganze Dichtung ſich hindurchzieht(Fürſt, Geſch. d. bibl. Lit. II, S. 290). Doch müſſen wir hinſichtlich der Darſtellung auf das Zeitalter der Propheten achten. Bei den älteren, Oſee, Jonas und Amos(um 800 v. Chr.) iſt die Sprache noch nicht frei von alterthüm⸗ licher Schwerfälligkeit und mancherlei Härten des Ausdruckes. Bei den Propheten der folgenden Zeit(um 775 bis 625) aber ſteht die Form im ſchönſten Einklange mit dem Inhalte. Die Gedanken gelangen in natür⸗ licher und einfacher Weiſe zum Ausdruck, es zeigt ſich kein Haſchen nach äußerem Schmuck, nach Wort⸗ und Gedankenſpielen, und wo ſolche angewendet ſind, überraſchen ſie eben ſo ſehr durch ihre Angemeſſenheit wie ihre Bündigkeit. Dabei erſchwingt ſich die Sprache, nach den Vorbildern der früheren Zeit fortentwickelt, zur Muſtergültigkeit und iſt namentlich frei von Aramaismen, welche ſonſt in der dichteriſchen Rede häufig vor⸗ kommen. Am vollendetſten ſind in dieſer Hinſicht Joel, Michäas und Habakuk, alle aber überragt an Fülle und Erhabenheit der Ideen und Schönheit der Sprache Iſaias,der König der Propheten(um 725). In der folgenden Zeit verliert zwar die Prophetie an rhetoriſcher Vollendung, doch die Kraft und Klarheit der Gedanken bleibt z. B. bei Jeremias, Ezechiel, Daniel dieſelbe.

§ 18. Außer der Prophetie pflegten die Propheten auch die Geſchichtſchreibung. Ausgeſtattet mit der übernatürlichen Prophetengabe und durch ihren Beruf in das Staats⸗ und Volksleben hineingezogen, waren ſie vorzüglich geeignet, die Geſchichte Israels zu ſchreiben und zwar nicht in der Form chronikenartiger Zuſammenſtellung der Tagesereigniſſe, ſondern nach dem innern Zuſammenhange. Die heil. Schrift enthält zahlreiche Angaben über Geſchichtswerke, welche von Propheten abgefaßt worden waren. Nach I Chron. 29, 29 machten Samuel, Nathan und Gad Außzeichnungen über das Leben Dayids. Die Geſchichte Salo⸗ mons ſchrieben nach II Chron. 9, 29 Nathan, Ahia und Id do. Letterer zeichnete auch die Thaten

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