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berichtet, er habe 3000 Sprüche, die alle Gebiete des menſchlichen Wiſſens, die Naturwiſſenſchaften wie die religiöſen Wahrheiten behandelten, geredet, und ſeiner Gedichte ſeien 1005 geweſen. Wie man aus dieſer Angabe wohl ſchließen darf, waren dieſelben aufgezeichnet, doch gelangte nur der kleinſte Theil zur Aufnahme unter die heiligen Schriften, nämlich nur die, welche als vom heil. Geiſte inſpirirt von der dazu berechtigten Auctorität erkannt wurden. Die übrigen, die, nach dem religiöſen Charakter der damaligen Zeit zu urtheilen, ſſicher nicht ausſchließlich weltliche Geſänge waren, aber doch nicht als inſpirirt erkannt und darum auch nicht bei dem Gottesdienſte geleſen wurden, ſind im Strome der Zeit untergegangen. Ihre höchſte Vollendung er⸗ reichte die Lehrdichtung in dem Buche Job, welches durch die Erzählung der Geſchichte Job's, durch die Dialoge der Freunde und die durch das Ganze ſich hindurchziehenden Lehren Epik, Lyrik und Didaltik in kunſtvoller Weiſe vereinigt und als ein Meiſterwerk der Poeſie erſcheint. Der Verfaſſer desſelben iſt wohl nicht zu ermitteln, die Abfaſſungszeit aber wird in Anbetracht der kunſtvollen Anlage, der einheitlichen Durch⸗ führung eines erhabenen Grundgedankens ſowie der poetiſchen Schönheiten und der Vollendung der Sprache von den meiſten Neueren in die Blüthezeit der hebräiſchen Poeſie, alſo in das davidiſch⸗ſalomoniſche Zeitalter verlegt.(Welte, das Buch Job, Einl.§ 4; über den poet. Werth desſelben: Fürſt, Geſch. d. bibl. Lit. II, S. 400 ff.).
§ 15. Da die hl. Schriften häufig von Geſang und Muſik bei den verſchiedenartigſten Vorkommniſſen des täglichen Lebens erzählen und auch mehrfach Ueberreſte von weltlichen Dichtungen aufbewahrt haben(Fürſt, a. a. O. S. 120 ff. 179 ff.), ja Salomon über zuvieles Bücherſchreiben klagt(Pred. 12, 12), ſo ſind wir wohl zu dem Schluſſe berechtigt, daß die dichteriſche Thätigkeit David's und Salomon's auf die wiſſenſchaft⸗ lichen und poetiſchen Beſtrebungen jener Zeit mächtig einwirkte(Ewald, Geſch. d. V. Isr. III, S. 354). Bringen wir mit dieſen Angaben der hl. Schrift die von ihr oft erwähnten, einſtens vorhandenen Geſchichts⸗ werke(ſ.§ 18) in Verbindung, ſo geht hieraus die oft überſehene Thatſache hervor, daß die Israeliten neben der heiligen Literatur auch eine profane beſaßen, welche nach dieſen Anhaltspunkten in der hl. Schrift und in Anbetracht der hohen Begabung des israelitiſchen Volkes und des durch David und Salomon ange⸗ regten ſchriftſtelleriſchen Strebens nicht unbedeutend geweſen ſein kann.— Leider zog der Fall Salomon's wie den Verfall des theokratiſchen Lebens, ſo auch den der Poeſie nach ſich. Ewald,(a. a. O. III, S. 479 u. 653) glaubt zwar, daß der Strom der Dichtung auch noch nach David und Salomon in gleicher Stärke fortgedauert habe. Allein ſchon weil dieſelbe weſentlich heilige Poeſie und ſonach an die Theokratie geknüpft war, mußte ſie auch mit derſelben fallen. Zudem laſſen ſich für dieſe lediglich auf ſubjektive Gründe ſich ſtützende Anſicht keinerlei geſchichtliche Zeugniſſe anführen(vgl. die Geſch. d. Hebr. Poeſie bei Hävernick, Einl. III S. 5 ff). Nur noch in den Zeiten der religiöſen Wiedererweckung des Volkes, beſonders unter Joſaphat(914— 890) und Ezechias(725— 696), ſingen einige Dichter zum Lobe Gottes, und bei der Zerſtörung Jeruſalems(588) findet der Schmerz der Frommen einen ergreifenden Wiederhall in den Klage⸗ liedern des Propheten Jeremias.
§ 16. Die Fülle und Kraft der Wahrheiten, welche den Gegenſtand der heiligen hebräiſchen Poeſie bilden, ließ ſich nicht in die beengende Form eines Metrums einſchließen. Die heilige Poeſie verſchmäht Metrum und Reim und allen äußeren Schmuck, ſie vermeidet überhaupt alles, was den Geiſt vom Inhalte abziehen und ihn veranlaſſen könnte, ſich allzu ſehr und einſeitig mit der Form zu beſchäftigen. Sprache und Ausdruck ſind getragen von den Schwingen des Gedankens, und ſo gewählt, daß derſelbe richtig und voll⸗ ſtändig erfaßt werden kann. Die hebräiſche Sprache war keineswegs, wie Ewald(d. poet. Bücher d. A. T. S. 63) meint,„für ein Sylbenmetrum zu ungeſchickt,“ vielmehr beſaß ſie bei ihrer Weichheit und Bildſam⸗ keit in hohem Grade die Fähigkeit ſowohl zum Reime, als auch zur Einhaltung von beſtimmten Versmaßen. Die ſpätere überraſchend reiche Dichterliteratur der Juden hat hiefür nicht allein durch Nachahmung der künſt⸗ lichen arabiſchen Versmaße, ſondern auch durch eigene ſelbſtſtändige Dichtungen den Beweis geliefert(vgl. Delitzſch, z. Geſch. d. jüd. Poeſie. Lpzg. 1836. Fürſt, Perlenſchnüre. Lpzg, 1836). Auch in der heil. Schrift


