Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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Eigenthümlichkeiten, doch veranlaßten die Veränderungen im religiöſen, ſocialen und politiſchen Leben die Bil⸗ dung neuer Wörter und Begriffe, deren ſich viele in den Büchern Samuel's finden; andere Wörter und Aus⸗ drücke, welche der poetiſchen oder der prophetiſchen Sprache angehören, kommen jetzt in der Proſa vor, und verleihen dieſer einen poetiſchen Anſtrich. Von älteren Formen haben ſich nur wenige erhalten. Die Ara⸗ maismen, die im Liede der Debora vorkommen, ſind nicht Spuren des ſpäteren Verfalles der Sprache, ſondern Eigenthümlichkeiten der Poeſie.

§ 12. Mit dem Regierungsantritte David's begann wie die Glanzperiode in der Geſchichte des Volkes Israel ſo auch die Blüthezeit der hebräiſchen Sprache und Literatur. Angeregt durch die glänzende politiſche Lage, die glorreichen Siege David's, den Aufſchwung des religiöſen Lebens, die glanzvolle Ordnung des Cultus wandte ſich der Geiſt des Volkes, welcher, wie überhaupt der Geiſt der Semiten, in hohem Grade dichteriſch begabt war, vor Allem der Poeſie zu, die nun in unvergleichlicher Kraft und Schönheit ſich ent⸗ faltete und zugleich die vollkommene Ausbildung der Sprache herbeiführte. Beſondere Verdienſte um dier lyriſche Dichtkunſt erwarben ſich die wahrſcheinlich von Samuel gegründeten Prophetenſchulen, welche die Pflege ächt theokratiſchen Sinnes und die Unterweiſung in mancherlei Kenntniſſen, namentlich in der Muſik und im Geſang, zum Zwecke hatten(Herder, Geiſt der ebr. Poeſie II, S. 291. Kurtz heil. Geſch.§ 70). Da nun beim hebräiſchen Volke wie bei allen Völkern die religiöſe Begeiſterung der Urquell der Dichtung war und es auch faſt für alle Zeit blieb, ſo haben wir bei ihm faſt nur religöſe Poeſie, die, wenn ſie auch theilweiſe den orientaliſchen Geiſt mit der Poeſie der übrigen Völker des Orientes gemein hat, doch ihrem Objecte nach von derſelben ganz verſchieden iſt. Denn durch ſeine auf die göttliche Offenbarung ſich ſtützenden Religions⸗ kenntniſſe ſtand der Israelit nicht allein auf einer höheren Erkenntnißſtufe als die übrigen Völker, ſondern er befand ſich mit ihnen in offenem Widerſpruch Es mußte daher auch ſeine Poeſie, die Tochter der Religion, von ganz verſchiedenem Charakter ſein. Und da ſein Glaube unmittelbar göttlichen Urſprungs war, ferner durch ſeine Verheißungen auf die Zukunft hinwies und ein ſtreng abgeſchloſſenes Ganzes bildete, ſo mußte auch die hebräiſche Poeſie transcendentaler Natur ſein, zugleich elegiſch, aber durch unerſchütterliches Vertrauen verklärt, und endlich kraftvoll, frei von allem Ueberſchwenglichen und Unklaren. Sie entſtrömte einer ebenſo lebhaften und fruchtbaren, wie ſtreng überwachten Phantaſie, und darum kann wohlReichthum der Ideen, elegiſche Zartheit des Gemüthes, ſtrenge Ueberwachung des Ausdruckes wie Schegg(K. Lex. Art. Hebr. Poeſie, vgl. desſ. Verf. die Pſalmen. Einl. und Ewald, d. poet. Bücher d. A. T. I Th.) ſagt, als das Weſen derſelben bezeichnet werden.

¹18) Es muß darum das Schriftchen Fried. Böttcher's,die älteſten Bühnendichtungen Leipz. 1850, in welchem der Debora⸗Geſang und das Hohelied in förmliche Bühnenſtücke umgewandelt ſind und dabei letzteres in falſcher und abgeſchmackter Weiſe von ſinnlichen Liebesverhältniſſen gedeutet iſt, mindeſtens als ein verfehlter Verſuch bezeichnet werden.