Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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Buch der Kriege des Herrn nur Lieder zur Verherrlichung israelitiſcher Gerechten und Helden enthielt. Verſchiedenartige ältere Auffaſſungen gibt Wolf, biblioth. Hebr. II p. 219 sqq. Nach Joſ. 10, 13 wurde es ſchon unter Joſue angelegt und nach II Sam. 1, 18 bis auf David fortgeführt. Sicherlich dürfen wir aus dieſen einſt vorhandenen Liederſammlungen folgern, daß die Poeſie in jener frühen Zeit keine fremde oder vereinzelte Erſcheinung war.

2. Das davidiſch⸗ſalomoniſche Zeitalter.

§ 11. Das davidiſch⸗ſalomoniſche Zeitalter der hebräiſchen Sprache umfaßt die Zeit vom Propheten Samuel bis zum Könige Ezechias(Hiskia), von 1100 700 v. Chr., und erreichte unter den Königen David(055 1015) und Salomon(1015 975) ſeinen Höhepunkt, weshalb es auch nach ihnen benannt wird. Es iſt uns zwar auch aus dieſem Zeitalter wie überhaupt nur heilige Literatur überliefert, wir dürfen jedoch überzeugt ſein, daß ſie die vortrefflichſten und vollendetſten literariſchen Erzeugniſſe enthält, welche jene Zeit hervorbrachte, da bei der vorherrſchend religöſen Richtung der davidiſchen und erſten ſalomoniſchen Zeit auch die Literatur, wenn ſie auch nicht ausſchließlich heilige Literatur war, ſo doch vom Geiſte der Religioſität durchdrungen war, und gerade diejenigen Männer, welche am meiſten für die Religion und den Dienſt Gottes eiferten, wie David und auch Salomon am Anfange ſeiner Regierung, zugleich die größten Dichter des jüdiſchen Volkes waren.

In dem vielbewegten Zeitalter der Richter(14321100), in welchem Unterdrückungen und Errettungen des Volkes mit einander abwechſelten und mehrfach Verfall des theokratiſchen Lebens eintrat, konnte ſchriftſtelleriſche Thätigkeit ſich nicht wohl entfalten. Doch war dieſe Zeit in literariſcher Beziehung nicht ganz unfruchtbar. In zwei dem Ende dieſer Periode entſtammenden Büchern, im Buche der Richter und in den Büchern Samuels, deren Verfaſſer uns nicht ſicher bekannt ſind, wird uns bald in gedrängter, bald in ausführlicher Weiſe über die Richter und die Ereigniſſe ihrer Zeit berichtet. Eine Familiengeſchichte aus der Richterperiode erzählt das überaus liebliche Büchlein Ruth, die Abfaſſung deſſelben fällt jedoch in die davidiſche Zeit(Welte, Art. Ruth im Kirchenlex.). Selbſt die Poeſie iſt vertreten durch das ſchwungvolle Siegeslied der De⸗ bora(Richt. 5.) und den Lobgeſang der frommen Anna, der Mutter Samuel's(I Sam. 2). Erſteres, gedichtet von der mit der Prophetie begabten Richterin Debora auf dem Gebirge Ephraim zur Verherrlichung des Sieges, welchen mit ihrer Hülfe Barak über die Canaaniter unter Siſara errungen hatte, iſt eines der kunſtvollſten Lieder der hebräiſchen Sprache. Wie ſein Inhalt uns ein lebensvolles und anſchauliches Bild des damaligen traurigen Zuſtandes und dann des ſiegreichen Kampfes des israelitiſchen Volkes bietet und zugleich an kriegeriſcher Begeiſterung ſeines Gleichen ſucht, ſo iſt auch ſeine Form, die Gliederung in Strophen und Vers⸗ glieder eine durchaus vollendete und muſtergiltige. Es iſt darum wohl erklärlich, daß dieſes Lied allein eine bedeu⸗ tende Literatur hervorgerufen hat.(vgl. Winer, B. R. W. Art. Debora. Fürſt, Geſch. d. bibl. Lit. II, S. 98. Herder, Geiſt. d. ebr. Poeſie II, 242). Das Alter desſelben iſt ſelbſt von den kühnſten Critikern an⸗ erkannt. Der Lobgeſang Anna's, ein rührendes Dankgebet für die Geburt ihres Sohnes, bildet ein ſchönes Gegenſtück zu dem großartigen Kriegsliede der Debora, und liefert den Beweis, daß auch die rein religiöſe Poeſie in jener trüben Zeit nicht gänzlich verſtummt war. Wenn einige Gelehrte, wie Thenius, Ewald, Vatke, Winer, daſſelbe als ein aus anderer Veranlaſſung und ſpäterer Zeit verfaßtes Gedicht, Fürſt(a. a. O. S. 117) gar als das Lied des Richters Aod(Ehud) nach ſeinem Siege über die Moabiter(Richt. 5, 15) bezeichnen, ſo liegen dafür durchaus keine ſichere Anhaltspunkte vor, und bemerkt Hengſtenberg(Authent. d. Pent. II, S. 114) ganz mit Recht:wer ſo war, wie Anna geſchildert wird, kann auch ſo beten. Von der Volkspoeſie laſſen ſich nur noch ſpärliche Reſte auffinden, ſo die Fabel Joatham's(Richt. 9, 7 ff.), die Räthſel und Lieder Simſon's(Richt. 14, 14; 15, 16) und Volkspäane(Richt. 16, 23 f. I Sam. 18, 6. 1). Sicherlich befanden ſich auch in dem obenerwähntenBuch des Gerechten manche dieſer Zeit entſtammende Geſänge.

Die Diktion in den Büchern der Richter iſt höchſt originell und lebendig, ganz dem kräftigen Wirken der Richter entſprechend, in den Büchern Samuels einfach und klar. Die Sprache iſt im Ganzen frei von