Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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erkenntlich ſind, ſo bieten doch die Bücher Moſis auch in rein ſprachlicher Beziehung mancherlei Eigenthümlich⸗ keiten, welche deutlich den Charakter der Urſprünglichkeit und der erſten Entwicklung der Sprache an ſich tragen und darum zu einem ſicheren Schluß auf das hohe Alterthum dieſer Schriften berechtigen. Zwar be⸗ ſtehen zwiſchen der Geneſis und den vier letzten Büchern nur geringe grammatiſche Verſchiedenheiten, deſto größere aber zwiſchen den Büchern Moſis und den Schriften der davidiſch⸗ſalomoniſchen Zeit. So ſtehen noch härtere Laute an Stelle der ſpäteren weicheren, die Vokale, beſonders in den Pluralendungen der Nomina finden ſich häufig in der defektiven ſtatt der vollen Schreibweiſe, das PerſonalpronomenNnn er wird noch für beide Geſchlechter gebraucht, ebenſo ſtehtya Knabe mit einer einzigen Ausnahme(V Moſ. 22, 19) auch für das Femininum, das Demonſtrativum iſt in einer volleren Form gebräuchlich als ſpäter, von einigen Caſus haben ſich Reſte alter Endungen erhalten, bei dem Verbum ſind noch vollſtändigere Endungen und beim Infinitiv noch maskuline oder regelmäßige Formen gebräuchlich. An die grammatiſchen Archaismen reihen ſich andere, lexicaliſche. Nicht allein enthält die Geneſis mancherlei Wörter und Ausdrücke, welche ſchon zur Zeit Moſis außer Gebrauch gekommen waren und darum von ihm näher erklärt werden, ſondern im ganzen Pentateuch finden ſich Wörter und Ausdrucksweiſen, welche ſpäter nur noch ſelten vorkommen oder ganz verſchwinden, oder nur noch in der Poeſie gebräuchlich ſind. Gegen 400 Wörter und Redensarten hat man in den Büchern Moſis nachgezählt, welche entweder ihnen allein eigen ſind, oder in den übrigen Schriften des A. T. nur ſehr ſelten vorkommen(Jahn, in Bengel's Archiv f. Theol. Th. 3, S. 202)¹*). Aus⸗ führliche Belege für dieſe grammatiſchen, lexicaliſchen und auch einige ſyntaktiſche Eigenthümlichkeiten des Pen⸗ tateuch geben Hävernick, Einl. I, 1.§ 31. Keil, Einl.§ 15. und Reinke, Beitr. z. Erkl. d. A. T. V, S. 198 ff. Bei allen dieſen Verſchiedenheiten in der Sprache des Pentateuch gegenüber der Sprache der ſpäteren Zeit herrſcht aber doch in ihm ſelbſt Gleichheit der Sprache. Jene ſtyliſtiſchen und rein ſprachlichen Merkmale, welche einzelne Gelehrte zum Erweiſe der Abfaſſung dieſer wichtigen Urkunde durch mehrere Bear⸗ beiter geltend gemacht haben, ſind nicht bedeutend und durchgreifend und laſſen ſich aus der Verſchiedenheit des Inhaltes erklären. Zudem ſtehen ihnen ſprachliche Eigenthümlichkeiten entgegen, welche ſich durch alle fünf Bücher Moſis, namentlich auch das Deuteronomium hindurchziehen.

§ 10. An den Pentateuch ſchließt ſich wie dem Inhalte ſo auch der Sprache nach das Buch Joſue an. Die ſprachliche Verwandtſchaft dieſer Bücher leuchtet ſowohl aus einzelnen Wörtern und Redensarten als auch aus dem Periodenbau hervor. Bereits iſt jedoch ein Fortſchreiten in der Entwicklung der Sprache zu erkennen; mancherlei Archaismen ſind geſchwunden, neue Formen in Gebrauch gekommen, neue Ausdrücke haben ſich gebildet, andere erſcheinen umgeändert, einzelne Begriffe ſind erweitert oder enger begrenzt, wie es eben die durch die Beſitznahme Canaan's veränderten Lebensverhältniſſe der Israeliten mit ſich brachten. Andere ſchriftliche Denkmäler dieſer Zeit wurden uns nicht überliefert. Erwähnt werden noch zwei Schriftſtücke, dasBuch der Kriege des Herrn und dasBuch des Gerechten. Daß erſteres, wie Ewald(Geſch. d. V. Isr. I, S. 88) behauptet, ein Geſchichtswerk geweſen ſei, in welchem alle Er⸗ innerungen des israelitiſchen Volkes über die ſiegreichen Züge Moſis und nicht allein Siegeslieder verzeichnet waren, läßt ſich nicht beweiſen. Mehr Wahrſcheinlichkeit beſitzt die Anſicht Hengſtenberg's (Authent. d. Pent. II, S. 223 ff.), welcher es für eine aus dem Volke hervorgegangene Sammlung von Liedern auf die unter dem Beiſtande Gottes über die Heiden errungenen Siege hält, in welche auch geſchicht⸗ liche Notizen über dieſe Siege eingeſtreut geweſen ſeien. Einige Bruchſtücke werden IV Moſ. 21, 14. 17. 27 angeführt, ſind jedoch zu unbedeutend, als daß ſie uns einen Schluß auf den poetiſchen Werth des Ganzen geſtatteten. Das ſpurlos verloren gegangeneBuch des Gerechten(er d) war wohl, indem Jeß als

Collektivum für die Israeliten(gl. den Plural dooen IV Moſ. 23, 10, beſonders aber das Deminu⸗ tivum ſoer, V Moſ. 32, 15; 33, 26) genommen wird, ein Nationalliederbuch, welches im Gegenſatze zum

11) Renan indeß will in der Sprache des Pentateuch, abgeſehen von höchſtens zwei oder drei Eigenthümlichkeiten durch⸗ aus keinen alterthümlichen Charakter finden! hist. gén. t, I. p. 118.