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von fremden Völkern unterjocht, zugleich aber durch ſeine Verfaſſung in politiſcher und religiöſer Beziehung geeinigt, im Verkehr mit Völkern fremder Zunge dagegen gehemmt war. Gleichwohl haben ſowohl die äußeren Schickſale, als auch die theokratiſche Stellung des Volkes Israel auf die Entwicklung und Geſtaltung ſeiner Sprache und Literatur eingewirkt, und laſſen ſich demnach drei mit ſeiner Geſchichte parallel laufende Zeitalter unterſcheiden, das moſaiſche, das davidiſch⸗ſalomoniſche und das exiliſche.
1. Das moſaiſche Zeitalter.
§ 8. Ohne Zweifel haben ſchon in der vormoſaiſchen Zeit ſchriftliche Urkunden beſtanden, aus welchen Moſes bei Abfaſſung der Geneſis geſchöpft oder Einzelnes in dieſelbe aufgenommen haben mag. Doch läßt ſich das, was älteren Dokumenten entlehnt worden, unmöglich ausſcheiden, da es in einem Geiſte mit dem durch die Tradition Ueberlieferten verarbeitet iſt(Hävernick, Einl. I, 2, S. 226 ff.). So muß doch Moſes durch ſeine fünf Bücher, den Pentateuch, als der eigentliche Schöpfer der hebräiſchen Literatur angeſehen werden. Der Inhalt des Pentateuch iſt ſehr mannigfaltig. Nicht allein ſind in ihm, wie man etwa aus dem bei den Juden gebräuchlichen Namen„das Geſetz“ folgern möchte, die von Gott durch Moſes gegebenen Geſetzesvorſchriften aufgezeichnet, ſondern auch die hiſtoriſchen Ereigniſſe der vergangenen und der damaligen Zeit, prophetiſche Ausſprüche, Poeſien; es ſind alſo alle Zweige der Literatur in den Büchern Moſis ver⸗ treten, und zwar nicht in noch unentwickelten Anfängen, ſondern in einer Vollendung, welche dem ſchöpferiſchen Geiſte Moſis, des größten Propheten in Israel(V Moſ. 34, 10), entſpricht, zugleich aber auch auf die ſpätere Literatur mächtigen Einfluß ausübte.„Alle Geſchichtſchreibung, Prophetie, Chokma und Poeſie Israels gründet und weſet im Geſetze Moſis..... die Thora wird von der geſammten nachmoſaiſchen Geſchichte und Lite⸗ ratur ſo nothwendig vorausgeſetzt, wie vom Baume die tragende und treibende Wurzel.“(delitzſch, Geneſis, S. 14). Dieſer Mannichfaltigkeit des Inhaltes entſpricht auch der verſchiedenartige Charakter der Sprache. Die Darſtellung in den hiſtoriſchen Stücken kann als Muſter dienen; bald iſt ſie einfach und ſchlicht, bald lebendig und plaſtiſch, indem Perſonen und Handlungen uns nach Art der epiſchen Dichtungen in anſchau⸗ licher Weiſe vorgeführt werden. Nicht ſelten iſt die Schilderung von dichteriſchem Hauche angeweht und von dichteriſchen Redeformen durchflochten, bei einzelnen Erzählungen erhebt ſich die Sprache der Proſa faſt zur Poeſie. Ganz verſchieden iſt dagegen die Form, in welcher die Geſetze aufgezeichnet ſind, indem hier vor Allem der Klarheit und Genauigkeit insbeſondere bei den einzelnen näheren Beſtimmungen ſorgſamſt Rechnung getragen iſt. Die Ausdrucksweiſe iſt darum präcis und bündig und wohl geeignet, den Wortlaut des Ge⸗ ſetzes dem Gedächtniſſe einzuprägen. Gerade dieſer Umſtand wirkte aber auch auf die Entwicklung der Sprache ſelbſt ein und begünſtigte die Reinheit und Correktheit derſelben. Am eigenthümlichſten iſt natürlich die Sprache der poetiſchen Abſchnitte im Pentateuch, zu welchen z. B. das Schwertlied Lamech's, der Segen Jakob's, der Lobgeſang Moſis nach dem Durchzuge durch das rothe Meer, das Abſchiedslied und der Segen Moſis, die Weiſſagungen Bileam's ſowie mancherlei Bruchſtücke aus dem„Buch der Kriege des Herrn“ zu rechnen ſind. Auf die Künſtlichkeit der Form, auf den Parallelismus und den Strophenbau iſt in den älteſten Dichtungen noch wenig Rückſicht genommen, die Erhabenheit, Kraft und Kühnheit des Ausdruckes bildet allein das Weſen der Poeſie. Der herrliche Lobgeſang Moſis(II Moſ. 15.) jedoch bildet bereits ein künſtlich vollendetes Ganzes ſowohl hinſichtlich der Strophenbildung wie des Einklanges der Versglieder. Einen verwandten Charakter tragen die prophetiſchen Stücke des Pentateuch, beſonders die im Deuteronomium enthaltenen Reden Moſis, welche je nach der Erinnerung an die großen Wohlthaten Gottes und dem Hinblicke auf die Seg⸗ nungen oder Strafgerichte der künftigen Zeiten, je nach den ausgeſprochenen Ermahnungen und Drohungen, je nach den ſie beherrſchenden Gefühlen der Freude oder der Trauer eine vielgeſtaltige Form beſitzen. Die ſie durchwehende prophetiſche Begeiſterung und die feierliche Sprache erheben ſie über die Proſa und verleihen ihnen eine durchaus dichteriſche Färbung.
§ 9. Obwohl durch die ſpäter eingeführte Punktation alle Wörter nach einem einzigen ſpäteren Sprach⸗ geſetze behandelt und darum in ihrer urſprünglichen alterthümlichen Form für uns vielfach nicht mehr


