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Neueren: Geſenius, Eichhorn, Hengſtenberg, Winer, J. Olshauſen, Knobel, Fürſt, Schultz¹⁵). Nicht unmöglich⸗ iſt es übrigens, daß beide Urſachen, die Abſtammung Abraham's von Heber und ſeine Einwanderung aus dem transeuphratenſiſchen Gebiete zu der Benennung„Hebräer“ zuſammenwirkten und die Canaaniter dem Fremd⸗ linge dieſen Namen beilegten, um ſowohl die Verſchiedenheit der Abſtammung, als auch des Vaterlandes aus⸗ zudrücken(Kaulen(Vosen), rudim. ling. hebr. p. 3).
§ 5. Obwohl die hebräiſche Sprache die älteſte Literatur beſitzt, ſo fehlen uns doch zur Erforſchung. ihres Alters alle Hülfsmittel. Die Sprache ſelbſt bietet uns keine ſichere Anhaltspunkte dar, weil ſie ſchon in den Büchern Moſis, ſelbſt den poetiſchen Theilen derſelben in hoher Vollendung auftritt. Auch die Ge⸗ ſchichte verläßt uns in dieſer Frage gänzlich. Allerdings betrachteten die früheren Gelehrten die hebräiſche Sprache als die Urſprache der Menſchen. Indem ſie nämlich an die von der hl. Schrift erzählte, durch die Traditionen der älteſten Völker¹⁶) bezeugte Thatſache, daß urſprünglich Einheit der Sprache unter den Menſchen geherrſcht, Gott aber dieſelbe aufgehoben und Sprachverwirrung herbeigeführt habe, anknüpften, warfen ſie die Frage auf, welches wohl die Urſprache der Menſchen geweſen ſein möge. Und da ſie von der Vorausſetzung ausgingen, daß die urſprüngliche Redeweiſe der Menſchheit auch noch nach der Kataſtrophe von Babel ſich⸗ forterhalten haben müſſe, ſo erklärten ſie die hebräiſche Sprache als die in der Familie Heber's gerettete Ur⸗ ſprache, als die Sprache des Paradieſes. So der babyloniſche und jeruſalemiſche Talmud zu I Moſ. 11, die Rabbinen, die Kirchenväter, unter den älteren Gelehrten beſonders Buxtorf, Walton, St. Morinus, Bode, Pfeiffer, Löſcher, Budäus, Carpzov, Hetzel, Michaeler, Anton; ja noch M. Mendelsſohn, Pareau, Hävernick, Baumgarten vertheidigen dieſe Anſicht.(vgl. Löscher, de caus. ling. Hebr. p. 13. Kaulen, Sprachver⸗ wirrung, S. 71). Zur Begründung derſelben wird angeführt, daß Noe, Sem und ihre Geſinnungsgenoſſen an dem übermüthigen Unternehmen des Thurmbaues keinen Antheil hatten, darum auch von der deshalb ver⸗ hängten Strafe verſchont blieben, daß insbeſondere die bibliſchen Namen aus der vorſündfluthlichen Zeit ſämmt⸗ lich hebräiſchen Urſprungs ſeien und nur im Hebräiſchen die Bedeutung hätten, welche die hl. Schrift ihnen beilege, z. B. Adam„Mann aus Erde“, Eva„Lebengeberin“, Eden„Wonnegarten“, u. ſ. w.(Scholz, Einl. I. S. 29). Sind auch dieſe Gründe nicht zwingend, ſo verdient doch dieſe Anſicht Beachtung, eben weil ihr eine ſo allgemeine Tradition zu Grunde liegt und eine ſolche ſich niemals als ganz unwahr erweist. Wollen wir verſuchen, den eigentlichen Kern dieſer Traditionen feſtzuſtellen ſo müſſen wir eine Charaktereigenthüm⸗ lichkeit der ſemitiſchen Sprachen in Erwägung ziehen, nämlich die ſymboliſche Anwendung der Laute zur Be⸗ zeichnung der verſchiedenen Beziehungen, unter welchen ein Begriff erſcheinen kann. Die Conſonanten enthalten die Grundbedeutung, bilden alſo den Leib, die Vokale aber die Seele des Begriffes. Dieſes phonetiſche Geſetz hat in der alterthümlichſten Geſtaltung das Hebräiſche bewahrt; aus derſelben Wurzel können durch einfache Vokal⸗ veränderung die mannichfachſten Beziehungen des Grundbegriffes ausgedrückt werden, z. B. oſe er hat ge⸗
¹⁵) Die Gründe für und gegen beide Anſichten mit zahlreichen Belegen finden ſich bei Buxtorf fil. diss. III, 4. Wal- ton, prolegg. in bibl. polygl. p. 68 sedd. Löscher, de caus. ling. hebr. p. 53 seqd.
¹6) Ueber die babyloniſche Sage vgl. Abydenus(wahrſcheinlich auf Beroſus ſich ſtützend) bei Euseb. chron. Armen. I. p. 51. ed. Aucher. und pracp. ev. 9, 14. Alex. Polyh. bei Euseb. chron. Armen. I. p. 33; über die griechiſche Sage vgl. Philo, de confus. ling. Sagen anderer Völker ſind angeführt bei Lüken, Tradit. d. Menſchengeſchl§ 5) ff. Auch die Reſultate, welche die vergleichende Sprachforſchung bis jetzt ſchon erzielt hat, beſtätigen mehr und mehr dieſe Angabe der⸗ hl. Schrift. Zeugniſſe hiefür bei Kaulen, die Sprachverwirrung zu Babel. Mainz 1861, S. 22. Hettinger, Apol. d Chriſtenth. II, 1. S. 264 ff. Insbeſondere iſt nachgewieſen, daß auch der weitverzweigte indogermaniſche(richtiger indo⸗europäiſche) Sprach⸗ ſtamm aus einer größtentheils aus einſilbigen Stämmen beſtehenden Urſprahe ſich entwickelte(Bopp, vergl. Gramm. d. Sanskrit u. ſ w. I,§ 105 ff.), welche in vielen Stamm⸗ und Wurzelwörtern mit gleichbedeutenden des ſemitiſchen Stammes übereinſtimmt (vgl. Fürſt, hebr. u. chald. Lex. Ewald, Abhandl. d. Gött. Geſ. d. Wiſſenſch. X. 1862). Hiergegen trat zwar Pott in ſeiner leidenſchaftlichen Schrift„Antikaulen“(gegen Kaulen und Ewald) 1863 auf, allein M. Müller(Wiſſenſch. d. Sprache 2. Aufl. Leipz. 1866. I. S. 296.) und Hitzig(Philologenverſ. zu Heidelb. Eröffnungsrede in der Sekt. d. Orientaliſten) ſind ſogar der⸗ Anſicht, daß auch bezüglich der formalen Elemente des turaniſchen, ſemitiſchen und ariſchen Sprachzweiges Verwandtſchaft beſtehe.


