Aufsatz 
Geschichte der hebräischen Sprache als lebende Sprache
Entstehung
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lib. 1. sect. 2), zwei einander gegenüberſtehenden Anſichten. Die erſte führt dieſen Namen zurück auf Heber, von welchem in ſechſter Generation Abraham abſtammte. Dieſe Etymologie beſitzt den großen Vorzug, daß ſie ſich auf die hl. Schrift ſtützt. In I Moſ. 10, 21 wird nämlich in bedeutungsvoller Weiſe Semder Vater aller Söhne Heber's d. i. aller Hebräer genannt; erſt in I Moſ. 10, 24; 11, 14 ff. werden dann die weiteren Nachkommen Sem's bis auf Abraham aufgezählt. Nun ſchloß aber mit Heber die Reihe der Patriarchen vor der Völker⸗ und Sprachentrennung, welche unter ſeinem Sohne Phaleg erfolgte; es begann eine neue Zeit, verſchiedenartige Völker, deren verwandtſchaftliche Beziehungen ſich kaum entwirren laſſen, brei⸗ teten ſich über die Erde aus, auch die Nachkommen Heber's zerſtreuten ſich, nur die Familie Thare's, des Vaters Abraham's, erhielt ſich in Chaldäa und erlangte ſpäter hohe Wichtigkeit. Wenn nun I Moſ. 10,21 in nachdrücklicher Weiſe Sem als der Vater aller Söhne Heber's genannt wird, ſo ſoll damit offenbar darauf hingewieſen werden, daß das ſpäter ſo bedeutende Geſchlecht Abrahams in gerader Linie durch Heber von Sem abſtamme, und dürfte es nicht allzu gewagt ſein, hieraus zu folgern, Moſes ſelbſt habe den Namen Hebräer von Heber abgeleitet. Dieſe Vermuthung erhält erhöhtes Gewicht durch die Stelle IV Moſ. 24,24, wo Bileam weiſſagt:Schiffe werden von den Chittim kommen und beſiegen werden ſie Aſſur und beſiegen Heber. Wie aber hier unterAſſur die Aſſyrer, ſo müſſen auch unterHeber die Hebräer verſtanden werden. In der That überſtzten auch die Septuaginta, das Targum des Jonathan und der h. Hieronymus Heber mit Esoalovc, Hebraeos. Dieſe Ableitung iſt von den namhafteſten Auctoritäten vertreten, von Flav. Joſephus(Ant. I, 6), unter den Kirchenvätern von Euſebius,(de praep. evang. 7, 6), Auguſtinus(de civit. Dei 16, 3. 11; 18, 39), Theodoret(in Ezech. in fine.); unter den Rabbinen von Jehuda Ha⸗-Levi, Aben Esra, Gedalja, Kimchi, Abarbanel, Abadias Sphorno; unter den älteren Gelehrten von Buxtorf, Hot⸗ tinger, R. Simon, Leusden, Löſcher, Carpzov, Hauptmann, Hetzel; unter den neueren von Ewald, Häver⸗ nick, Welte, Lengerke, E. Meier. Daß von Heber nur ſehr weniges in der hl. Schrift berichtet wird, kann nicht gegen die Zurückführung des NamensHebräiſch auf ihn geltend gemacht werden.(Walton, prolegg. p. 68. Schultz, Geſch. d. A. B. 1, S. 74); es iſt dies bei der knappen Darſtellung der Geſchichte vor Abraham vollſtändig erllärlich. Noch viel weniger aber darf dieſe Ableitung deshalb verworfen werden, weil man Heber als eine mythiſche Perſon betrachtet(Geſenius, Geſch. S. 11. Knobel, Völkertafel, S. 176. Fürſt, hebr.⸗chald. Lex. u. Jay; Geſch. d. bibl. Lit. I, S. 15). Denn dieſe Anſicht iſt lediglich rationaliſtiſchem Standpunkte ent⸗ ſprungen und widerſtreitet dem Charakter der Völkertafel, welcher uns nöthigt, die angeführten Namen als wirkliche Perſonennamen aufzufaſſen.

Nach der zweiten ſehr alten, weit verbreiteten und wohl begründeten Etymologie iſt die Benennung hebräiſch von Jay, jenſeits(nämlich ed, des Fluſſes) herzuleiten, und ſoll Abraham deshalb y Hebräer genannt worden ſein, weil er aus der Gegend jenſeits des Euphrat eingewandert ſei. Allerdings findet ſich nun nirgends ay geradezu für 0 Jay gebraucht. Gleichwohl aber hat auch dieſe Ab⸗ leitung gewichtige Gründe für ſich. Schon die Septuaginta überſetzte nämlich ay mit*αeτε, Aquila mit reaæir, der hl. Hieronymus mit transitor, der von Jenſeits Eingewanderte. Auch ſcheint Meſopotamien kurzweg mit 22y bezeichnet worden zu ſein. Denn Strabo(12 p. 537) berichtet, daß in der kappadociſchen Stadt Caſtabala eine Aorenus Ieoaoia verehrt werde, und dieſe ihren Beinamen deshalb empfangen habe, weil ſieεααεν gelommen ſei, und nach Stephanus(Steph. Byz. s. v. Norεε) lag Niſibis sy Isoæε, zi o τ qjyο*i orau. Da nun nach dem oben erwähnten Gebrauche des NamensHe⸗ bräer offenbar nicht das iſraelitiſche Volk ſich ſelbſt dieſen Namen beilegte, ſondern die canaanitiſchen Stämme, unter welchen ſie ſich anſiedelten, ihnen denſelben gaben, ſo hat dieſe Anſicht, daß die Einwanderung Abrahams aus dem transeuphratenſiſchen Gebiete Veranlaſſung zu dem NamenHebräer gegeben habe, Vieles für ſich. Schon einige Kirchenväter vertraten dieſelbe, wie Origenes, Chryſoſtomus und Hieronymus; von den Rabbinen entſchieden ſich für ſie Bechai, Moſes Bar Nachmann und Salomon, von älteren chriſtlichen Gelehrten Paul von Burgos, Arias Montanus, Thomas Erpenius, Walton, Joh. Clericus, Sebaſtian Münſter, unter den