— 6—
wäre, da wir uns ihre Einwanderung offenbar nicht als eine plötzliche Ueberfluthung des Landes, ſondern als⸗ eine allmälige friedliche Anſiedlung zu denken haben(Knobel, Völkertafel S. 315).
Abraham fand ſonach bei ſeiner Einwanderung in Paläſtina eine Sprache vor, welche der ſeinigen um ſo näher ſtehen mußte, je weniger damals ſchon die dialektiſchen Eigenthümlichkeiten des Oſtſemitiſchen ſich aus⸗ gebildet haben mochten. Vielleicht unterſchied ſie ſich nur durch weichere und härtere Laute. Es wird darum auch in der heil. Schrift ſelbſt bei dargebotenen Gelegenheiten keiner Verſchiedenheit der phöniciſchen(canaani⸗ tiſchen) und der hebräiſchen Sprache erwähnt, wie dies doch bezüglich and erer Völker, z. B. der Egypter (I Moſ. 42, 25. Pſ. 81, 6), ja der ſprachverwandten Aramäer(Iſ. 36, 11) und Oſtaramäer(Jer. 5, 15) geſchieht. Auch haben die im A. T genannten canaanitiſchen Perſonen⸗ und Ortsnamen immer eine durch⸗ aus hebräiſche Form und Etymologie, z. B. Abimelech, Melchiſedech, Kirjath⸗Sepher u. ſ. w. Wohl begründet iſt darum das Urtheil des hl. Hieronymus: Poeni... quorum lingua hebraeae linguae magna ex parte confinis.(ad Js. 24, 21) ²). Im Verkehre mit den Canaanitern und während des Aufenthaltes der Israeliten in Egypten bildete ſich dann die Sprache Abrahams in der Weiſe aus, wie ſie in den Schriften Moſis vor uns liegt.
§ 4. Ihren Namen führt die hebräiſche¹³) Sprache von dem Volke, welches dieſelbe redete, und das in der hl. Schrift( Moſ. 40, 15; 43, 32; II Moſ. 2, 13 u. v. a.) und von profanen Schriftſtellern, Jo⸗ ſephus(regelmäßig), Pauſanias(I, 6. VI, 24. X, 12.), Tacitus(hist. V. 2), Plutarch(sympos. 4, 5), Appian(de bell. civ. 2, 71.) das Hebräiſchet¹) genannt wird. Die Bezeichnung„hebräiſche Sprache“ findet ſich im A. T. nicht, vielleicht deshalb, weil daſelbſt überhaupt wenig von der Sprache der Israeliten die Rede iſt.„Lippe(Sprache) Canaan's“ nennt ſie poetiſch Iſaias(19, 18) mit Rückſicht auf das Land, in welchem ſie geſprochen wurde und im Gegenſatze zur Sprache Egyptens. Nach der Theilung des Reiches unter Roboam heißt ſie„jüdiſch“ bei Iſ. 36,„1. 13, um die im Reiche Juda herrſchende Sprache, und bei Neh. 13, 24, um die Sprache des ganzen Volkes zu bezeichnen. Erſt von Jeſus Sirach(prolog.) wird ſi coοαigri, von Joſephus(Ant. I, 1, 2) NArraæ ν Edæiwy genannt. Im N. T. finden ſich die Aus⸗ drücke αͦort(Joh. 5, 2 u. a.);& ϑαxos(Apoſtg. 21, 40 u. a.), worunter jedoch das Aramäiſche, die damalige Landesſprache zu verſtehen iſt(Hävernick, Einl. I, 1. S. 144. Schegg, Art. bibl. Philologie im Kirchenlex.). Die Talmudiſten gebrauchen in mißverſtändlicher Weiſe auch den Namen„aſſyriſche Sprache“, um die mit aſſyriſcher(Quadrat⸗) Schrift geſchriebene hebräiſche Sprache zu bezeichnen(Luzzatto, storia della lingua ebr. p. 77).
Forſchen wir nun nach dem Urſprunge des Namens„hebräiſche Sprache“, ſo begegnen wir, von einigen offenbar verfehlten Erklärungsverſuchen abgeſehen(vgl. Buxtorf fil. dissert. III, 4. Hottinger, thes. phil.
¹²) Noch andere Ausſprüche theilen Gesenius, monum. p. II. p. 331 und Movers, Phönicien(in d. Encyelop. v. Erſch und Gruber Sekt. III. 24 B. S. 4128, vgl. J. G. Mäller, die Semiten) mit. Denſelben Schluß zogen aus verſchiedenen Merkmalen ſchon vor der Auffindung phönieiſcher Inſchriften ältere Gelehrte, wie Scaliger, Schultens, Bochart, Walton u. A. Das Gegentheil zu behaupten, wie dies Wichmannshauſen(lingua ebr. de cananaea triumphans diss. Viteb. 1704) that, und worauf auch Herder(Geiſt der ebr. Poeſie I, 10. S. 296) hinzielt, wird bei dem heutigen Standpunkt der Sprach⸗ wiſſenſchaft nicht mehr gewagt werden
¹³) Die Schreibweiſe„Hebräiſch“ richtet ſich nach dem griechiſchen S5ʒꝛο, lat, hebraeus, welches von dem hebr. er gebildet iſt, unrichtig iſt es alſo,„ebräiſch“ zu ſchreiben. Wäre„hebräiſch“ unmittelbar aus J2yy entſtanden, ſo hätte
man das Volk„Hibriten“ oder„Ghibriten“ nennen müſſen.(Geſen. Geſch. S. 12).
¹4) Schon Abraham wird 1 Moſ. 14, 13. Hebräer genannt, und ſcheint dies der erſte und in der älteſten Zeit allein übliche Name geweſen zu ſein(Ewald, ausführl. Lehrb. d. hebr. Spr. 5. Aufl. S. 18. Welte, Art. Hebräer im Kirchenlex. v. Wetzer u. Welte), welcher in der Folgezeit gebraucht wurde, wenn Fremde redend eingeführt wurden, oder wenn Israeliten von ſich zu Fremden ſprachen, oder wenn ſie andern Völkern gegenüber geſtellt wurden(Geſentus, Geſch. S. 9. Winer, R. W. B. u. Hebräer). Der Name„Israeliten“,„Söhne Israels“, dem zweiten Stammvater des Volkes, Jakob, entlehnt, iſt der theo⸗ kratiſche, mit der Religion innig verflochtene Name. Die Benennung„Juden“(IV Kön. 25, 25. Jer. 32, 12 u. a.) wurde erſt nach der Trennung des Reiches mit Rückſicht auf die Angehörigen des Reiches Juda üblich.


