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keiten. Das Aramäiſche iſt dem rauhen nördlichen Klima gemäß platt und rauh in ſeinen Conſonanten, arm und ſchwerfällig in ſeinen Vokalen, überhaupt unter den ſemitiſchen Sprachen am wenigſten ausgebildet. Das Arabiſche iſt voller, wohltönender und feiner, reicher an Conſonanten und Vokalen, an Wörtern und Bil⸗ dungen als das Aramäiſche und das Hebräiſche, es iſt die ausgebildeteſte ſemitiſche Sprache. Das Hebräiſche ſteht wie ſeiner geographiſchen Ausbreitung nach, ſo auch hinſichtlich ſeines Wortſchatzes und ſeiner Bildungs⸗ formen in der Mitte zwiſchen den beiden anderen Sprachen, übertrifft aber dieſe durch die Einfachheit und Reinheit ſeiner Formen, und hat die meiſten Spuren der urſprünglichen Geſtalt dieſes Sprachſtammes, obwohl auch in den anderen Zweigen des ſemitiſchen Sprachſtammes ſich Einzelnes reiner erhalten oder vollkommener ausgebildet hat.(Hävernick, Einl. in d. A. T. I, 1.§ 19. Ewald, Lehrb. d. hebr. Sprache§ 1. Fürſt, Lehrgeb. d. aram. Idiome§ 2. vergl. Scholz, Einl. I§ 10— 14). Jetzt ſind dieſe Sprachen ausgeſtorben mit Ausnahme des Arabiſchen, des Neuſyriſchen in Kurdiſtan und am Libanon, des Neuhebräiſchen bei einem Theil der heutigen Juden und der mit dem Altäthiopiſchen verwandten Dialekte Amhariſch und Tigre.
§ 3. Als die urſprüngliche Heimath der hebräiſchen Sprache haben wir nicht Canaan(ſo Geſenius, Geſch. d. hebr. Spr. S. 16. Eichhorn, Einl. I, S. 59. Luzzatto, l. c. p. 87 und in der neueſten Zeit J. G. Müller, die Semiten, Gotha 1872, S. 134 ff.), ſondern nach den Ergebniſſen der neueren Sprach⸗ forſchung das oſtſemitiſche Gebiet zu betrachten(Bochart, Canaan, II, 1. Ewald, Geſch. d. Volkes Israel, I, S. 495), von wo ſie durch Abraham, den Stammvater des israelitiſchen Volkes nach Paläſtina verpflanzt wurde. Abraham nämlich ſtammte in ſechster Generation von Heber und in neunter von Arphaxad, dem dritten Sohne Sem's ab(1 Moſ. 10), deſſen Nachkommen die Arphaxadäer oder Chaldäer ſich zum Theil in ihren urſprünglichen Niederlaſſungen im oſtſemitiſchen Gebiete behaupteten, nämlich in Arrapachitis und Karduchien auf der Oſtſeite des Tigris, nördlich von Aſſyrien bis zur Südgrenze Armeniens(Knobel, Geneſis S. 113. Fürſt, Geſch. d. bibl. Lit. I, S. 11), zum Theil auch am unteren Euphrat in Babylonien ſich anſie⸗ delten und am bekannteſten wurden(Knobel, Völkertafel S. 163). Ihre Sprache war ihren Wohnſitzen entſprechend wie auch die der Aſſyrer und Elamiter ein oſtaſiatiſcher Dialekt. Fürſt,(a. a. O. I. S. 14) bezeichnet ſie als den„Kernpunkt in der Stufenleiter der ſemitiſchen Hauptdialekte, in welchem die anderen und ſpäteren noch embryoniſch verborgen lagen.“ In dem Gebiete der Arphaxadäer hatte nun Thare(Terach), der Vater Abraham's, nach I Moſ. 11, 28 ſeinen Wohnſitz, nämlich zu Ur der Chaldäer(driyH). Zufolge der jüdiſchen Tradition wurde Abraham unter Nimrod, welcher ja nach I Moſ. 10, 11. 12.) ſeine Herrſchaft auch über Aſſyrien ausdehnte, wegen ſeines Glaubens an Einen Gott verfolgt und dadurch ſein Entſchluß auszuwandern veranlaßt.(Hieronym. quaest. hebr. in Genes. 11. Haneberg, Geſch. d. bibl. Offenb. 1. Aufl. S. 44). Bertheau(z. Geſch. d. Israel. S. 206) und Schultz(Geſch. d. A. B. S. 73)
⁴) Nach der Ueberſetzung der Septuaginta(XQ τνrõjBνdic) bezeichnet dieſer Name nicht eine Stadt, ſondern die Gegend der Chaldäer(Kasdim nach einer im Aſſyriſchen häufigen Verwechslung von s und l⸗Kaldim, Chaldäer. Schrader, die Keilinſchr. u d. A. T. S. 43). Eupolemus(bei Euseb. de praep. evang. 9, 17) überliefert uns Kaαααονν, nach Anderen auch O ſ)) genannt, als Abrahams Geburtsort. Ob aber dieſer Ort, ſowie das von Amm. Marc. 25, 8 erwähnte perſiſche Caſtell Ur zwiſchen Hatra und Niſibis mit dem bibliſchen Ur identiſch iſt, läßt ſich nicht beſtimmen. Gewöhnlich werden die beiden letzteren Orte identificirt, wofür namentlich die Lage dieſes Ur nahe bei Arrapachitis ſpricht. In der ſyriſchen Kirche gilt einer alten Tradition gemäß Edeſſa(jetzt Urfa) als Heimath des Patriarchen(Delitzſch, Geneſis, Anm. 64. Keil, d. Bücher Moſe's 1, S. 122). Schrader(die Keilinſchr. u. d. A. T. S. 382) erklärt nun, geſtützt auf ein Keilſchrift⸗Syllabar, Ur(Urn) als den altbabyloniſchen Namen des heutigen Mugheir am unteren Euphrat, und indem er zugleich annimmt, daß außer in Babylonien nirgends Chaldäer anſäſſig waren, glaubt er kaum noch daran zweifeln zu dürfen, daß das Uru der aſſyriſchen Inſchriften das Ur Kasdim der Geneſis ſei. Doch ſteht dieſer Annahme die Thatſache entgegen, daß die eigentliche Heimath der Chal⸗ däer der nördlichſte Theil Aſſyriens war, von wo ſpäter ein Zweig nach Babylonien auswanderte. Allerdings wäre bei dieſer von Schrader angenommenen Lage von Ur die enge Verwandtſchaft des Phöniciſchen, Hebräiſchen und Aſſyriſch⸗Babyloniſchen ſehr ſelbſtverſtändlich.
¹) Daß I Moſ. 10, 11 in der That überſetzt werden muß:„von dieſem Lande zog er(Nimrod) nach Aſſur“, nicht: „von dieſem Lande zog Aſſur aus“, beweiſen auch die aſſyriſchen Inſchriften(Schrader, die Keilinſchr. u. d. A. T. S. 16. ff. beſ. S. 20).


