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die Verſchiedenheit ihrer Lebensweiſe, Religion und Staatseinrichtungen, die Berührung mit anderen Völkern) und manche andere Urſachen haben die Bildung mehrerer Dialekte oder Hauptzweige des ſemitiſchen Sprach⸗ ſtammes herbeigeführt. Es ſind dies das Aramäiſche in Syrien, Meſopotamien, Aſſyrien und Babylonien, das Hebräiſche in Paläſtina und das Arabiſche in Arabien. Das Aramäiſche verzweigte ſich in das Syriſche, welches in der reichen chriſtlichen Literatur vom 2—13. Jahrhundert auftritt, und in das Jü⸗ diſch⸗Aramäiſche, auch Babyloniſch oder Chaldäiſch) genannt, in welchem die Targumim und auch einige Abſchnitte des A. T. geſchrieben ſind. Abarten desſelben ſind das mit Hebräiſch vermiſchte Samaritaniſche, in welchem der Pentateuch übertragen iſt, das Mandäiſche oder Zabiſche(Sprache der Johannesjünger am Libanon) in gnoſtiſchen Schriften, das Palmyreniſche und das Nabatäiſche(im Oſten Paläſtina's und am Sinai) in Inſchriften, letzteres in den Namen zum Arabiſchen hinneigend. Mit dem Hebräiſchen iſt das Canaanitiſche oder Phöniciſche(Puniſche) und mit beiden das Aſſyriſches) der Keilinſchriften nahe verwandt. Aus dem Hebräiſchen bildete ſich unter dem Einfluſſe des Aramäiſchen das Talmudiſche und Rabbiniſche oder Neuhebräiſche. Das Arabiſche ſpaltete ſich in das Him⸗ jaritiſche im ſüdlichen Arabien, welches uns nur aus Denkmälern bekannt iſt, und in das Coreiſchiti⸗ ſche oder Modarenſiſche im nördlichen Arabien. Dem Himjaritiſchen ſteht das Aethiopiſche(Geez genannt) nahe, welches ſich in den abeſſiniſchen Dialekten Amhariſch(ſeit dem 13. Jahrh.) und Tigre erhalten hat. Das Coreiſchitiſche erlangte durch ſeine Anwendung im Koran bei den Arabern ſolches Anſehen, daß es in der Folge die allgemeine Schriftſprache wurde und ausſchließlich den Namen Arabiſch erhielt. Abarten des⸗ ſelben ſind das Vulgär⸗Arabiſche, das Mauriſche und das Maltheſiſche. In der Geſchichte der Literatur tritt zuerſt das Hebräiſche auf, ihm folgte im 5. Jahrh. v. Chr. das Aramäiſche, indeß das Arabiſche in him⸗ jaritiſchen Inſchriften nur bis zu den erſten chriſtlichen Jahrhunderten zurückreicht. Die äthiopiſche Ueberſetzung der heil. Schrift ſtammt erſt aus dem 4. Jahrh., und die nordarabiſche Literatur nahm erſt im 6. Jahrh. n. Chr. ihren Anfang.
Merkmale des einheitlichen Urſprungs ziehen ſich durch alle dieſe Sprachen hindurch und treten in der älteren Zeit noch viel offener zu Tage, wie dies daraus hervorgeht, daß Eleazar und Jakob ſich in das ara⸗ mäiſche Sprachgebiet begeben und daſelbſt ohne Schwierigkeit verkehren( Moſ. 24 u. 29.), daß Moſes ſich zu den Midianiten(am älanitiſchen Meerbuſen) wendet und von ihnen verſtanden wird(II Moſ. 2.), und daß noch zur Zeit der Richter Israeliten und Midianiten ohne Dolmetſcher ſich verſtehen.(Richt. 7, 9 ff.) Gleichwohl beſitzt jede dieſer Sprachen ihrer geographiſchen Ausdehnung entſprechend beſondere Eigenthümlich⸗
³) Ueber derartige Urſachen von Veränderungen der Sprache vergl. A. v. Hu mboldt, Kosmos I, S. 384.
⁴) Fürſt, Lehrgebäude d. aram. Idiome§ 5 hebt hervor, daß dieſe beiden Bezeichnungen des Aramäiſchen nicht ganz zutreffend ſeien, der Name Chaldäiſch auf einer Verwechſelung mit dem Babyloniſchen beruhe, dieſes aber eine vom Ara⸗ mäiſchen verſchiedene, an das Mediſch⸗Perſiſche ſich anſchließende Sprache ſei. Die Benennung„Chaldäiſch“ ſtammt aus Dan. 1, 4 u. 2, 26, und wurde durch die Septuaginta und den hl. Hieronymus gebräuchlich.
⁴) Auch das Aſſyriſche, über deſſen Verwandtſchaft mit dem Semitiſchen lange Zeit Ungewißheit herrſchte(vergl. Ge⸗ ſenius a. a. O. S. 62 f.), hat durch ſorgfältige Unterſuchungen insbeſondere der aſſyriſ hen Keilſchrift⸗Denkmäler ſich als eine ſemitiſche Sprache erwieſen.(Oppert, expédition scientifique en Mesopotamie. Oppert, éléments de la gramm. assy- rienne. Olshauſen, über die in den aſſyr. Keilinſchriften enthalt. ſemit. Sprachen). Uebrigens zählt die Völkertafel die Aſſyrer zu den Nachkommen Sem's. Das Aſſyriſche als einen vierten Hauptzweig des Semitiſchen zu bezeichnen(Geſenius⸗Rödiger, hebr. Gramm. 21. Aufl. S. 2.), dürfte jedoch nicht ſtatthaft ſein, vielmehr erſcheint es den Wohnſitzen der Aſyyrer entſprechend als ein Dialekt des Oſtſemitiſchen, dem Hebräiſchen und Phöniciſchen nahe verwandt. Letzteres hat in überraſchender Weiſe Schrader in ſeinem neueſten Werke: die aſſyriſch⸗babyl. Keilinſchriften. Lpz. 1872, nachgewieſen und zwar ſowohl hinſichtlich des lexicaliſchen Beſtandes(S. 179 ff. und im beigefügten Gloſſar S. 370 ff. vergl. das Gloſſar in desſelben Verfaſſers gleichzeitigem Werke: die Keilinſchrift und d. A. T., Gießen 1872), als auch hinſichtlich des grammatiſchen Baues(S. 195 ff.) und der Syntax(S. 296 ff.). Fürſt(Geſch. d. bibl. Lit. I. S. 34 f.) theilt darum ganz richtig die ſemitiſchen Sprachen ein in das Aramäiſche, Arabiſche und Oſtſemitiſche(Sprache der Elamiter, Aſſyrer und Altbabylonier oder Chaldäer), wovon das Phöniciſch⸗Hebräiſche eine Tochterſprache iſt. Da wir jedoch von dem Oſt emitiſchen keine Schriftdenkmale beſitzen, die Sprache alſo nur aus den entzifferten Keilinſchriften beurtheilt werden kann, ſo iſt die obige herkömmliche Eintheilung beibehalten.


