Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
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die Rodung eines Beier oder Baier, von Mühlenrode führt Dommerich a. a. O. S. 8 aus dem Jahr 1235 eine Urkunde auf, wonach die Abtei Limburg dem Antoniter⸗ Orden arbusta quaedam cum agro sita in Kenzheim, quod vocatur Mulenrode ſchenkte. So wird es 1477 als Molnrade prope Hanauwe aufgeführt. Es handelt ſich alſo um eine Mühlenrodung.

Von den Namen auf ſtatt, ſtadt, wobei ur⸗ ſprünglich ſtadt= Ort, Flecken, hat Hochſtadt ſeinen Namen von der erhöhten Lage des Ortes und iſt der Name ſchon erklärend genannt alta villa in einer Selbold betreffenden Urkunde. 1139 beſtätigt Papſt Inno⸗ cenz II dem Kloſter Selbold ſeine Privilegien, wobei unter den Gütern eben jene S. 12 ſchon bezeichneten Weinberge erwähnt wurden. Noch jetzt wird ein in der Umgegend mit Achtung genannter Wein hier gezogen. Bei Eberh. M. III 118 heißt der Ort Hohenstatt, Hohenstadt und Hohenstetter marca. Auf die Butterſtädter Höfe*) bezieht es ſich offenbar, wenn Dr. S. 219 n. 184 geſchrie⸗ ben wird Vdalrich trad. scto. Bonif. bona sua in Te- zelnheim, Ostheim et in Butenestat etc. et cp. 8 n. 34 Butestete. Es ſteckt der Name Buto, Bodo darin,

der ſich auch in dem Namen des benachbarten Büdingen

(alt Budingen), Büdesheim**) vertreten findet. Kilian⸗ ſtetten iſt offenbar die Niederlaſſung eines Kilian, Erbſtadt kommt in der trad. Laur. n. 3754 Euristatt, Eviristat alſo als Ort eines Euro vor. O. S. 122 ſetzt zu Erbstätten bei Minſingen ein altes Erfesstetin voraus, was auch hier paßt. Zu Keſſelſtadt bei Hanau geht Steiner auf Stätte eines alten römiſchen castrum zurück. Dieſe Erklärung iſt möglich, weil viele römiſche Alterthümer dort gefunden worden, aber auch, daß der Name aus dem Perſonen⸗Namen Kessino entſtanden iſt, vgl. Kessinesdorf Dr. S. 132 cp. 46 für Keſſelsdorf; oder aus dem Perſonen⸗Namen Katilo. Kessilo, heute Kissel. Förſtemann D. O. S. 112 erinnert unter dem Kapitel Beſtimmungswörter an die Formen Kettelbeck, Ketelduin. Keſſelbrunn. Der moderne Begriff Keſſel paßt aber nicht auf die Ortslage unſeres Keſſelſtadt, das am Rande einer Bachniederung(des Krebsbach und Kinzig,

Sie heißen jetzt auchWälſche Höfe, weil ſich vertriebene Wallonen dort niedergelaſſen haben.

*)

**) Butenesheim Dr. cp. 42 n. 177.

Dorfelden.

Förſtemann D.

Deltas) angelegt iſt; ihm gegenüber auf der Landzunge zwiſchen Main und Kinzig liegt eben Hanau. Nach Förſtem. A. N. I S. 519 wäre noch an Gisilo, ein Name, der wohl auch Kisel geſchrieben vorkommt, oder S. 305 an Cathelo. Chazili, Chaezlin, Kacilin,(nhd. Kesslin) zu denken. Der Volksmund nennt den Ort Keſtatt und dieſer Name könnte auf die Ableitung Statt auf dem Kies(unter⸗ halb der Mündung der Kinzig in den Main; und bekannt⸗ lich werfen die Waſſer leicht ihr Gerölle nach der Seite hin aus, wohin ſie den meiſten Fall haben) führen. Doch iſt der Name ſchon 1314 Keſſelſtadt geſchrieben und jeden⸗ falls letztere Form keine neuere Modelung der vorgedachten Weiſe.

Von den auf Dorf ausgehenden Ortsnamen ſind zwei Träger im Kreiſe ausgegangen. 1) das oben bereits erwähnte Kinzdorf. Es iſt bis zu ſeinem Aufgehen in der Altſtadt Hanau gelegen geweſen am linken Kinzigufer vor der Mündung der Kinzig in den Main; noch heute nennt man die Feldlage ſo und führt ein Feld⸗Weg von der Flur des Dorfes nach Groß⸗Auheim unter dem Namen Kinzweg. 2) das Frondorf, nhd. wohl Herrendorf, Förſte⸗ mann D. O. S. 164, hat zur alten Burg in Niederdor⸗ felden gehört*) und iſt vielleicht das jetzige Ober⸗ Roßdorf, nahe dem ſchon genannten Kilian⸗ ſtätten gelegen, findet ſich ſchon früh verzeichnet, Eberh. Men. III, 1169, in Rostorfere marca, wie die Schreibung auch anderwärts iſt. Ob man bei dieſem Namen an Roß,

Pferd*e) zu denken hat? Förſtemann D. O. S. 143.

nennt zu dem ſüdweſtlich Göttingen gelegenen Roßdorf die Ableitung Dorf an dem Bache Raſa, und auch unſer Roß⸗ dorf liegt an einem Seitenbache des Krebsbaches, der dem Dorfe den Namen gegeben haben könnte, doch liegen keine poſitiven Anhaltspunkte dafür vor.

Von den felds iſt der Name Dottenfelder Hof mit alten Schreibungen nicht näher belegt; es ſcheint das Feld eines Dodo***) vorauszuſetzen; außerdem liegt der

*) Vgl. Dommerich a. a. O. S. 9 Amm.

**) Vgl. Pferdsbach bei Aulendiebach, Wolferborn, Rinderbügen, nördl. Büdingen.

*n) Vgl. Dudenrode bei Büdingen am Wolfbach und Dudenhofen an der Rodau, ſüdweſtl. Seligenſtadt. Der Name Dudo iſt alſo in der Nähe genugſam vertreten.