Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
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Ritter ſtehen da als Zeugen zuſammen mit Ludovicus dux Bavariae, Adolffus de Scauenburg, Burcardus comes de Luterberg., Gerlacus de Budingen, Philippus de Bonlant etc. Zu dieſen Schreibungen Selboldt. Selbold iſt vor allen Dingen zu conſtatiren, daß in der älteſten Urkunde von dem in loco, qui dicitur Selboldt geſtifteten V Kloſter die Rede iſt, woraus man ſchließen muß, daß es ſich hier nicht um einen Perſonen⸗Namen handelt, der dem Orte den Namen gegeben, ſondern um einen Ortsnamen, mit dem ſich hernach auch der miles de Selboldt nennt. So häufig auch die Perſonen⸗Namen auf bold ſind, wie z. B. Wambolt, Kurzpold, Hillebold u. ſ. w. und obwohl auch der Perſonen⸗Name Salbold(Förſtem. A. N. I S. 1068) Salabold Lacomblet Niederh. Urkundenbuch Düſſeld. 1840 a. 841 n. 56, ibid. n. 63 ann. 847; Salubold ibid. n. 49 z. J. 836, wozu noch auf Salagast, Salafrid. Saligunt, Salaram, Salaman. Salamir zu ver⸗ weiſen, vorkommt, ſo hätte hier, um einen Perſonen⸗Namen anzunehmen, doch nicht das genetiviſche's Salabolds, wie z. B. bei Heroldis(Herolz), Leipoldis(Leipolz), Raimundis(Ramholz), Libolfes(Lieblos) fehlen dürfen. Förſtemann bemerkt A. N. II S. 274 zu der Bildung auf bolt, er finde dieſe Ortsnamenbildung nur in den beiden Cleibolton(11) und Scadebolt(9). Clei- bolton liegt bei Weſtkirchen S. O. von Freckenhorſt in Weſtfalen; Scadebolt iſt ſchon aufgeführt Pertz M. III, 541, Kar. I cap.; aber wir finden hier nun wohl ein bold mehr. Förſtemann zweifelt an dieſer Stelle und iſt

auch in ſ. Buch D. O. 1863 noch nicht ganz ſicher, ob er zu angelſächſ. und altfrieſ. bold domus, atrium greifen ſoll oder wie bei andern Namen ähnlichen Klanges bei einem Perſonen⸗Namen bleiben müſſe; allein näher liegt uns die Erklärung, die ſich aus Dederich, Feldzüge des Druſus u. Tiberius am Niederrhein(Köln u. Neuß. 1869 Schwan) S. 126 Aam. ergibt, wo Hekerenböld bei Emmerich am Rhein auf das holländiſche böld= boll, büll, bühel. bul, bül Hügel zurückgeführt wird. Dieſe Erklärung iſt für den bei Dederich a. a. O. angeführten ſ

Fall faſt zur Gewißheit geworden, weil Hekerenböld ein Hügel im Gebiet des alten Rittergeſchlechtes der Hekeren (vgl. noch Dederich, Annalen der Stadt Emmerich) war. Ein Hügel und zwar ein in der Gegend hervorragender, iſt es auch, auf dem das ehemalige Kloſter Selbold ge⸗ ſtanden, weshalb auch dieſer Theil des ſpäter zu einem

Dorfe zuſammengewachſenen Complexes Langenſelbold noch der Kloſterberg heißt; dieſer iſt der äußerſte noch einmal höher aufſteigende Vorſprung der Waſſerſcheide zwiſchen Kinzig und Gründau, welcher da, wo er mit dem dahinter liegenden Berge, dem Knus, zuſammenhängt, eine nur ſo geringe Bodenerhöhung gegenüber dem Kinzigthale aufweiſt, daß man wie in einem Thale zwiſchen dem Kloſterberg und dem Knus vom Kinzigthale in das Gründauthal gelangt. Was die Stammform bold betrifft, ſo iſt, wie auch Förſte⸗ mann D. O. S. 45, an das frieſiſche und niederländiſche bult, bulten= Haufe, Hügel erinnernd, oldenburgiſche und hannoverſche Ortsnamen wie Bult, Bülte, Emelbult, Oldenbülte, Steinbild bei Osnabrück, Gräſebille, Bilten (bei Düſſeldorf) beizieht, zur Erklärung noch beizuholen, was Kutzen, Deutſches Land II, 381, 384 von den abge⸗ rundeten Haideraſen, genannt Bulden, ſagt, auf denen man im niederdeutſchen Marſchlande und Moorſumpfe von einer zur andern mit der Springſtange ſpringend, den Moorſumpf durchwandert; es handelt ſich da offenbar auch um Erhöhungen im Sumpfe. Das Simplex Bult findet ſich ferner Wippermann Buckigau S. 76 als Name eines Ortes unter den Beſtandtheilen, Zubehörungen und nächſten Umgebungen der Stadt Hannover aufgeführt; ein Compo⸗ ſitum Gräſebilde, Hoy. Urk. I S. IX n. 6 unterhalb Buchholz weſtl. von Schlüſſelburg genannt, als einen alten Waſſerlauf andeutend, wozu erklärend ſteht, 1380, Gräſe⸗ bille unter dem Gutt by der Weſern genannt Thoworp, was 1525 ein Zuwurf der Weſer, alſo eine dammartige Erhöhung heißt. Bei Wippermann a. a. N. S. 318 liegt unter den Orten, welche die Weſtgrenze des Amtes Roden⸗ berg von 1574 auf der Höhe des Bückeberges fort bis vor Beckedorf bilden, neben Heidebrink ein Reineboldt und ſüdlich Hannover bei Bredenbeck auch ein Polt Holtensen. Ferner heißt Bult noch ein Ort in der Provinz Gröningen bei Winſchoten von dem nicht weit entfernt Wymar in Oſtfriesland an der Aa liegt, und der Landrath des Kreiſes Röſſel war 1870 Pr.⸗Lieutn. a. D. H. A. Freiherr

Schrötter auf Kobulten bei Biſchofsburg. Ob hier⸗ her auch die Namen der Orte Bild in der Provinz Utrecht, Builth(cf. to build bauen) in Wales(Brecon), Buldern Dorf u. Bauerſchaft im Kr. Coesfeld, Boltenhagen(Reg. Bez. Stralſund) zuzuziehen ſind, mag einſtweilen noch dahingeſtellt bleiben, ſo viel iſt ſicher, die Namensbildung auf bolt. bulten iſt ziemlich weit verſtreut.