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im alten Sachſen⸗ und Frieſenlande, den vielen Hatz⸗, Katz⸗, Hatten-Bächen in allen Gegenden, dem Namen der Jagſt, die alt Jagesa geſchrieben wird, dem Bach⸗ namen Beiße(von beitzen, jagen, fließt in die Fulda bei Beiſſeförth). Auch der Name Hundbach, Hundsbach, letzterer ſowohl bei Fritzlar in Altheſſen wie in der Rhein⸗ pfalz, kommt vor, ſchwerlich mit der von Hund abzuleitenden Bedeutung. So findet ſich auch ein Hintbach(vgl. Wagner, Wüſtungen in Starkenburg. Anhang S. 463), ein Bach, der bei Florſtadt in die Nidda mündet und in einer Urkunde(Heſſ. Archiv. VIII, 227— 28 Nr. 1. Die Ueberſetzung iſt ohne Tagesangabe) wie folgt angeführt wird: 1057 eignet K. Heinrich IV ſeinem Diener Cuno (Gr. v. Arnsburg) cſ. Wenck I, 282—283 die Güter, welche derſelbe, da ſein Vater K. Heinrich III, † 1056, noch lebte, in dem Dorfe Kebele, in dem, das da heißet Hintbach, und in dem, das da heißet Bercheim, gelegen in der Wedrebe, in Grafſchaft Malſtad des Grafen Berthold, inne hatte. Bei Heuchelheim, Dornaſſenheim u. ſ. w. fließt auch ein Hinsbach; Dommerich a. a. O. S. 82, Amn. 1. fragt, ob vielleicht jenes Hintbach und dieſes Hinsbach, an dem ein ſpäter ausgegangenes Dorf gleichen Namens ge⸗ legen habe, identiſch ſeien. Jedenſalls iſt es erlaubt, die Namen Hint⸗ und Hinsbach zu der oben verſuchten Ableitung zu ſtellen.
Mit der angenommenen alten Form kent, kint(in griech. Keuz) iſt es denn wohl auch möglich den Namen des hieſigen Ortes König, im Odenwalde an der Mümling, in dieſelbe Entwickelungsreihe zu bringen. Nach Wagner,
Wüſtungen in Starkenburg, S. 250 beſtätigt 1113 Heinrich
V Abt Benno von Lorſch alle zur Kellerei Michelſtadt gehörigen Güter zu Quinteca; Dr. tr. c. 5 n. 59 6. Jahr
814) heißt es: Ratfrid de Salgewe trad. Sco Bonif.
bona sua in villa Chunticha et Omestat(auch mit der Lesart Cunticha et Ohemestat); Dr. c. 42 n. 279 villa Kinticha; es kommt auch Kuntichun vor. Das hier ſich findende kint, kunt verhielte ſich dann etwa zu Kinz wie niederdeutſch holt zu hochdeutſch Holz, und kint zu hint, wie zertet“ zu engl. henthan, wie z2νυν, 2us canis zu Hund, wie innerhalb der deutſchen Sprache Chlotar zu Lothar, Kehlung(Auskahlung) zu Höhlung, kauern zu hauern, Vich(pecus) zu Vieh; mittellatein. Chunni, Hunni u. ſ. w. Es muß ſich nun zeigen, ob die vorſtehenden Ableitungen weitern Beifall finden werden und eine größere
Menge von Analogien einer unter ihnen unbedingte Geltung ſchaffen wird.
3) Mit der Erledigung der Ortsnamen auf„— heim“ kommen wir zu einer Anzahl kleinerer Bildungsgruppen, deren in einer kurzen Zuſammenſtellung folgende aufzuzählen ſind: rein appellativiſch gebildete: Bergen, Köbel, Buchen und Eichen; Zuſammenſetzung mit— dorf 3: Roßdorf und die ausgegangenen Kinzdorf und Frondorf; mit hauſen 3: Ravolzhauſen und die ausgegangenen Wicrams⸗ und Weldrichshauſen, wozu 1 mit ſeß, 1 mit der Genetivsendung 's, Wiedermus, gehören; 5 mit ſtatt: Erbſtatt, Hochſtadt, Keſſelſtadt, Kilianſtetten, Butterſtädter Hof; 4 mit bach; Seckbach, Rodenbach, Diebach, Hirzbach; 2 mit feld: Dor⸗ felden und Dottenfelder Hof; 2 mit burg: Krotzenburg und Naumburg; 2 mit rode: Beiersrode und das ausgegangene Mühlenrode; 1 noch auf au: Gronau; 1 auf ingen: Rückingen; 1 auf eck: Windecken; 1 auf bold: Selbold. Um mit den appellativiſchen Namenbildungen zu ſchließen, beginnen wir dieſe Abtheilung zunächſt mit den ſeltner vor⸗ kommenden zuſammengeſetzten Formen.
Selbold. Urſprünglich ein Prämonſtratenſer Kloſter, geſtiftet um das J. 1108 von Ditmar und Egbert Grafen von Gelnhauſen und Herrn von Hardeck(bei Büdingen)
mit einem Gericht und Oberhof über eine Anzahl umliegen⸗
der zu einem Landgerichte vereinigten Gerichte, kommt zuerſt
vor, geſchrieben Selboldt, in einer Urkunde von 1108, worin
Papſt Paſchalis II das in loco qui dicitur Selboldt ge⸗ ſtiftete Kloſter in ſeinen Schutz nimmt. Auch 1139 beſtätigt Innocenz II dem Kloſter Selboldt ſeine Privilegien, es werden dabei unter den Gütern des Kloſters die vineas in alta villa a Walthero et Hartmanno concessas er- wähnt. 1143 ſchenkt Kaiſ. Conrad III dem Papſt Luitold (praepositus Ecclesiae beati Joannis Babtiste apud Selbold). 1151 nimmt Erzbiſchof Heinrich von Mainz auf Andringen des Gerhardus Selboldensium Abbas locum ipsum., in quo prefatum monasterium situm est, cum pertinentiis suis, Ecclesiam parochialem sancti Petri in Selbold, sancte Maria sancti Petri in Geilnhusen, cum omnihus pertinentiis in Mittlaw, in Gonsrode, in Hittengesesse cappellas cum possessionibus etc. in ſeinen Schutz. 1217 kommen auch 2 Ritter miles Heinrich u. Sifrid de Selboldt in einer Urkunde vor, in welcher Kaiſer Friedrich II dem Kloſter Selbold das ihm entriſſene Patro⸗ natrecht über die Kirche zu Grinda wiederherſtellt; die


