Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
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ckeck(wach, geweckt), hat ſich auch das lateiniſche vic in vixi, victum franzöſ. vécus gebildet, und wie ſich aus gothiſch qviman(kommen), das übrigens noch in deutſchen Urkunden des 14. Jahrhunderts genugſam zu leſen iſt, unſer kommen, aus quatuor theils das franzöſiſche quatre, theils unſer vier(vgl. ſogar das keltiſch⸗britiſche petorritum, vierrädriger Wagen), aus quinque theils unſer fünf, theils das griechi⸗ ſche eyre, reure entwickelt hat, ſo kann auch aus gwaen, kwen ſich theils kenn, theils gaen. kaen entwickelt haben. Wo z. B. auf der einen Seite der Waſſerſcheide im Oden⸗ walde die Kinzig zur Mümling fließt, fließt auf der andern Seite der Kainsbach in die Gerſprenz. Im Naſſauiſchen fließt ein Quembach, deſſen Namen ich mir nicht beſſer als aus Quenbach entſtanden zu erklären weiß. Dabei wird dann freilich der Begriff Sumpf allein nicht ausreichen, ſondern Waſſerrinne*) hinzu kommen müſſen, wie denn

auch wohl vena**) die Ader ſo zu erklären iſt, und wie

man von Waſſeradern ſpricht, auch der Fluß Eder Adrana geſchrieben wird. känn(man vergleiche noch den Provinzialismus Kändel für Waſſerrinne) kin könnte nun das aſſe(aſch) für Waſſer hinzugetreten, wie auch in Herſe, Ahſe, Werſe, Niers, Effze, Ilſe, Jageſe(Jagſt), und daraus das volksthümliche Kinz geworden ſein, welches den gewöhnlichen Namen unſeres Waſſers abgibt. Hierzu wäre denn auch z. B. der Name des Baches Göns zu ſetzen, der auf der niederſten aber drum nicht minder feſten Stelle der Waſſerſcheide zwiſchen Lahn und Main entſpringt und den verſchiedenen Ortſchaften Langgöns, Kirchgöns, Pohlgöns, Evergöns den Namen gegeben hat. Alte Schreibungen lauten Gunissa,***) Gunse. Unſer modernes Kinzig wäre dann ein Pleonas⸗ mus, ein Zuſatz des ach noch zu dem ſchon vorhandenen

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*) Wälſch iſt gwyan, gwyen auch Sumpfwaſſer, Bächelchen. **) So ſagt Abt Marquardus de Fnlda Dronke trad. Fuld. S. 155: Videns etiam quia fons aqueductus antiqui- tate et vetustate defecisset et fratribus nostris ad ablutionem manuum difficilem aut rarum; immo nullum interdum preberet meatum. habiles canales adaptavi et per plumbeas harundines,.... Ex quo etiam aqueductu fontis venam in curiam meam derivavi.

Zu dviman ſtelle man noch bequem, was bekommt; zu der ganzen Wortbildung überhaupt noch quer kehren; quaken kaken; Quelle das engliſche well und das ſchwediſche kaella.

*) findet ſich als Gonesse nördlich Paris.

Zu dieſem aus quen enſtandenen

Compoſitum. Zn Kinz paßt der Name Kinsdorf und Kensheim. Vielleicht wäre auch das oben unentſchieden gelaſſene Ginnheim, als das Heim an einer Ginne, einem Sumpfbach, was zur Oertlichkeit paßt, hierherzuziehen. Verſchiedene Ortsnamen Gönne, Ovel Gönne, Günne, Gunna*) finden auch vielleicht auf dieſem Wege Erläuterung.

2) Eine andere Ableitung iſt noch möglich von dem Wort⸗ ſtamm kent im Griechiſchen zevret ſtechen, ſtacheln, jagen, Kéyroo(Centaurus) nach Grashoff, Paſſow Griech. Hand⸗ wörterbuch I, 2. 1703, wozu denn gehört goth. huntan. engliſch to hunt jagen, ags. hentan, hunta der Jäger, hound. Hund, der Jäger**) griechiſch daher ℳονν0g latein. canis. Dahin gehört ferner der Begriff Hinte Hinde für Hirſchkuh, die davonjagende,***) der Name Hinz für Kater (Hinz, des Murners Schwiegervater, ſchlug den Takt er⸗ bärmlich ſchön. Lichtwer).

Hiermit kommen wir auf eine ſehr urſprüngliche Form für den Begriff jagendes, dahineilendes Waſſer in Kinzig. Daß ein ſolcher Begriff für ſtark ſtrömende Waſſer, wie auch die Kinzig eines notoriſch iſt, ſich mehrfach wiederholt, ergibt ſich aus den Namen Hunte und Haſe für Waſſer

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*) Ovel Gönne in Oldenburg, im Waldeck'ſchen, Neuen Gönne

in Weimar bei Dernburg a. Saale.

**) Wie auch ſchon Piderit, die Ortsnamen der Provinz Nieder

heſſen, a. a. O. S. 299 ableitet, wo er gegen die Ableitung des Namens Hundsrück von Hunnen ſagt: es iſt vielmehr aus der gothiſchen Wurzel huntan jagen, woraus auch der Name des Hundes(= Jäger) entſtanden iſt, abzuleiten. Daß es erlaubt iſt, ſolche Ableitungsreihen zu bilden, iſt zu der Ermöglichung der Sprachgeſchichte nothwendig. Es gehört auch in dieſes Kapitel, daß unſer Name Haſe in der Ent wickelungsreihe hatzen, jagen(nur intranſitiv hier) liegt. Haſe iſt der ſich abhatzende(Provinzialismus hatze dich nicht ſo= eile dich nicht ſo; man vergleiche franz. häter u. tranſitiv Verhetzen), davon eilende, haſtende, haſtige, alſo furchtſam erſcheinende. So nennt ihn der Lakonier T..νιανακ von der Schnelle, der Lateiner von labor lapsus sum labi, lepus (lepors) der Läufer, Dahingleiter. Niederdeutſch iſt leper auch der Läufer; und daß das Niederdeutſche überhaupt dem Griechiſchen und Lateiniſchen vielfach näher ſteht als das Hoch deutſche, bemerkt gleichfalls Schatzmayr, Nord und Süd u. ſ. w. (Braunſchweig 1869 H. Bruhn) S. 115. Er führt die Bei ſpiele caput Kopf, pondo Pund, piper Peper, porta Porte, planta Plante u. A. an. Aus meinem Vorrathe füge ich noch hinzu: petere petten, auf etwas lostreten; queri quarren, querren; pedes feet; catus Katte, Katze; trahere tractum trecken.

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