Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

huſen erwähnt wird, und in der es heißt: daß die Nutz⸗ nießer des Fiſchwaſſers wegen der reichlichen Menge der Fiſche einen recht großen Vortheil haben von der maceria, welche dort mitten durch den Fluß gelegt ſei, welche maceria gemeinhin Vah genannt werde. In einer auf Frankfurt a. M. bezüglichen Urkunde vom 12. März 1333 bei Wenck II Urk. S. 328 verkauft Gottfried von Eppen⸗ ſtein außer dem Sal(Saalhof) in der Stadt auchdas Fache obwendig der Brucken an Conrad Knoblauch. Ferner wird am Rhein der Ort der Salmenfänge z. B. bei St. Goar(Wenck a. a. O. I S. 163) Waag genannt. So ſagt auch Dr. Steiner i. ſ. Geſch. u. Topogr. des Maingebiets ꝛc. S. 252 von dem bereits 826 genannten, an der Mündung der Mude in den Main gelegenen Fach⸗ hauſen:Schon bei den Römern ſcheint hier vorzüglich Fiſcherei getrieben worden zu ſein, weil der ſehr alte Name Vachhusen auf frühzeitig hier angelegte Fachwerke hin⸗ deutet. Beiläufig mag hierzu erwähnt werden, daß nach Plinius, hist. nat. IX, 17 der Stör, der überall umher⸗ ſchwärme, jegliches Gethier anfallend und oft ſchwimmende Pferde in den Fluß hinabziehend, beſonders im Maine, einem Fluße Germaniens, vorkam. Damals iſt alſo der Main noch ein gutes Theil fiſchreicher geweſen als jetzt, wo man den Stor nicht mehr fängt, wenigſtens nicht in Fachwerken, mauerartigen Abdämmungen im Fluſſe, maceriae), be⸗ ſtanden zu haben ſcheinen. Der Ausdruck Fach mit fahen, fangen zuſammenhängend kommt auch bei den Fachbäumen vor, welche bei Mühlen zum amtlichen Meſſen des Mühl waſſereinfanges eingerammt werden. Ein ſolcher Mühl⸗ waſſereinfang iſt auch in Frankfurt a. M. noch heut zu Tage,obwendig der Brucken, und dieſe Ableitung bringt ebenfalls Förſtemann A. N. II S. 479 vor, wo er die Ableitung von Vacha an der Werra, Fach bei Nürnberg

u. ſ. w. von dem althochdeutſchen fah= moenia entwickelt

und aus Roth K. Kleine Beiträge zur Sprach⸗, Geſchichts⸗ u. Ortsforſchung 3. Bb. München 1850 54 I1 76 ein altes Zeugnis für dieſe Ableitung anführt. Man ſieht auch an einem Fiſch⸗ und Aalfang bei Spikershauſen bei Kaſſel den Fluß nach beſtimmten Stellen hin, in welchen die Fang⸗Körbe hängen, abgedämmt, und bei Fechenheim bemerkt man ebenſo noch jetzt eine derartige Abdämmung. Zwar

*) Die e häufigen Namen Maizières, Mezières in Frankreich führen ſich auch wohl auf maceriae Befeſtigung zurück.

die aber wohl früher häufiger waren und aus

beſtehen nach Arnd, Geſch. der Prov. Hanau S. 211 der⸗ malen nur noch 2 Fiſcher in Fechenheim, allein ſie haben die Berechtigung den Main von Aſchaffenburg bis zur Frankf. Brücke zu beſiſchen, und hatte(a. a. O. S. 383) die Gemeinde Fechenheim eine alte Berechtigung zur Unter⸗ haltung einer Fähre bei Offenbach, welche erſt 1819 mit der Anlegung der Offenbacher Schiffbrücke erloſch. Dies alles, Fachwege, Fähren, Mainabdämmung deutet auf die Bedeutung Fechenheims als einer Fiſcher⸗ und Schiffer⸗ (Färcher) Station. Auch gehören zur Gemeinde die beiden Wirthshäuſer u. das Zollhaus an der Mainkur, woſelbſt ſich auch ein bequemer Mainhafen für den Holzhandel (Mainanker) befindet. So bleibt für dieſen Namen unbe⸗ dingt wenigſtens die naheliegende Möglichkeit der Ableitung des Heim am Fach. 1178 vermacht in einer Urkunde Bruder Dragebod quosdam agros in Vechenheim dem Kloſter Gebabrunn oder Gehborn. Es iſt hier wohl nicht anders wie mit dem nicht weit von Fechenheim auf der linken Mainſeite liegenden Mühlenheim, oberhalb deſſen an der Bieber die Kas⸗, Rückerts⸗, Seiperts⸗Straßen und Fellers⸗Mühle liegen. Weſtlich von Mühlheim iſt Mühler eine Bodenerhöhung, an der ein Weiher, der Bieberer See, liegt, der ſein Waſſer weſtwärts zur Kuh⸗Mühle zwiſchen Bürgel u. Offenbach entſendet. Hier haben doch offenbar die vielen und wegen Mangels an dergleichen Einrichtungen

in der Umgegend geſuchten Mühlen dem daſigen Heim den

Namen gegeben; ſo mochte ein anderes Heim am Fach auch das Fechenheim werden.

Damit kommen wir zum letzten der hier durchzuneh⸗ menden Heims zu Kinzigheimer Hof. Dieſer Hof rührt de Schlereth Abhandlung in der Zeitſchr. f. heſſ. Geſch. u. Landeskunde III S. 385 über den Kinzigheim. Hof aus 3 einer Famitie von Kensheim gehörigen Höfen her, welche um 1239 vormals fuldaiſche nachher büdingiſch lehnbare Grundſtücke beſaß und aus welcher 1364 eine Frau Agnes v. Kensheim einige Gefälle zu Bruchköbel und Anderes der Kirche zu Kinzdorf bei Hanau vermachte. Die 3 Höfe lagen neben einer Burg und ſind jetzt zu der einen Staatsdomäne Kinzigheimer⸗Hof zuſſenmengeſczmolzen; die Burg iſt verfallen.

Die Frage, welche zugleich eine entſchieden ſprachge⸗ ſchichtliche Bedeutung hat, iſt hier, was bedeutet der Zuſatz Kinz oder Kens zu heim in Kensheim, womit Kinzdorf zuſammenzuhängen ſcheint u. woraus Kinzigheim geworden