Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
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übrigens in der Wetterau Dr. cp. 42 n. 103 auch ein Westenestete aufgeführt, welches vielleicht auf den Gegen⸗

ſatz zu Oſtheim führt. Ein Weſtwich findet ſich z. B. zu

Lich aufgeführt, Wagner Wüſtungen in Oberheſſen, Nachträge S. 497.

Von Bockenheim iſt es ſchon zweifelhafler, ob ſein Name einem Ortsverhältnis oder einem Perſonen⸗Namen entſtammt. Im A. N. II S. 321 führt Förſtemann den Namen auf das Heim eines Bucco oder Buggo zurück; in D. O. S. 110 Namen der Art überhaupt entweder auf Buchen(fagus) oder die Spur eines darin enthaltenen buc= collis. Dieſer letztere Umſtand paßt nicht auf das ganz im Ebenen liegende Bockenheim, das übrigens als Villa ſchon zw. 778 u. 817 genannt wird(Fichard, die Entſtehung der Reichsſtadt Frankfurt 1819 Villae Bochin- heim, Berchgisisheim, Eccinheim) und damals einer geiſtlichen Anſtalt gehörte. Ob das Heim urſprünglich in den Buchen gelegen, kann man jetzt auch nicht mehr ſehen, am meiſten ſprechen hier freilich die Umſtände für die zuerſt genannte Annahme Förſtemanns. Außer der Schreibung Bochinheim Laur., sec. 8, n. 3391, wohl für unſer Bockenheim, findet ſich noch die Schreibung Buggenheim für das Bockenheim im Wormsgau u. Bucchingheimer marca Laur. n. 2119 saec.§.

Zweifelhaft iſt ferner noch der Name Ginnheim.

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Wachenheim in Speiergau(Ginnheimer mafca Ann. Lauresh. n. 2166) Jahrh. 8. Wir müſſen auf dieſen Namen ſpäter noch einmal zurückkommen.

Entſchieden mit einer Bildung aus Perſonen⸗Namen

haben wir es zu thun bei dem Namen Dörnigheim.

Alte Schreibungen aus der Zeit zwiſchen 778 u. 817(vgl.

Fichard a. a. O.) lauten Gennenheim, zw. 825 u. 942 in trad. Fuld. Ginnenheim, Dronke trad. cp. 42 n. 105 Gennenheim, 1159 in einer Urkunde bei Wenck a. a. O. I Urk. S. 8 wieder Ginnenheim. Es repräſentirt, wenn einen Perſonen⸗Namen, jedenfalls einen ſehr alten, weder Förſtemann noch Dronke führen einen einzigen Namen

Genno oder Ginno als einfache Form auf, und Förſtemann

verweiſt auf Iarr« bei Dio Cass. 67, 5 u. Ganna(Par- dessus diplomata chartae epistolae etc. ad res Gallo- Francicas spectantes, Paris 1843) n. 475 z. J. 907; in

der Compoſition noch auf Gannascus Namen eines Canine⸗

faten Tac. Ann. X, 18, 19, S. 510 Gening, S. 574

Gennobaud; und man ſieht nicht recht, wie Förſtem. A. N.

II S. 578 dazu kommt, Ginnheim der Bildung mit Per⸗ ſonen⸗Namen zuzuweiſen. Ein anderes Ginnheim liegt bei Name des Ortes Pflaumheim iſt übrigens ein weiterer Beweis,

daß heim's auch von den Bächen genannt ſein können, an denen ſie erbaut ſind, wie S. 3 Queichheim.

Es heißt ſchon 793 807(vgl. Fichard a. a. O.) Türincheim;*) Wenck a. a. O. II Urk. S. 120 ſteht in einer Urkunde von 1190 Durencheim; nach dieſer Urkunde gehörten Güter in Dörnigheim dem Kloſter Eberbach, das dieſelben gegen die Inſel Varwerd bei Gimmerheim aus⸗ tauſchte. Bei Dronke tr. F. cp. 42 n. 64 ſteht Turinge- heim. Dieſe Schreibungen führen auf die Perſonen⸗Namen Türing, Durinc, heute Döring, wie Dronke a. a. O. S. 17 n. 36 zu leſen iſt: Kencegowe villa, quae dicitur Duringestat. Wenck II Urk. S. 63 n. 26 villa que dicitur Thuringebike, Dronke cp. 41 n. 99 Turinc mit Duringesrod u. ſ. w.

Ebenſo iſt Preungesheim wiederholt alt geſchrieben Bruningesheim Dronke trad. F. S. 3 n. 177 179 trad. Laur. n. 3323; in einer Urkunde von 1143 tritt Fridericus de Bruningesheim für die Schenkung eines bisher reichs⸗ lehnbaren Zehnten Seitens Conrad's III an Propſt Luithold von Selbold als Zeuge auf. Vilmar a. a. O. S. 271 bezeichnet dieſe Compoſition neben der von Dörnigheim als uneigentliche: Wohnſitz eines Bruning, Döring.

Auch Praunheim erſcheint als Sitz eines Brun, Braun; Dronke a. a. O. S. 39 n. 110 Brünenheim; bei Schannat. trad. Puld. n. 197 P. 92 u. 1132, Gudenus Cod. Dipl. I p. 105 ſteht Prumheim, was wohl ein Schreibfehler iſt.

Berkersheim iſt geſchrieben zw. 778 u. 817(Fichard a. a. O.) Bergisisheim(ſ. oben), bei Dronke S. 13 n. 178 Berhgeresheim in einer Variante Berathgisisheim. Der Perſonen⸗Name Berhger kommt vor bei Dronke tr. F. cp. 42, 187 Berhger trad. bona sua sco. Bon. in Wizenesheim(Wiſſelsheim); Berahtgis(leuchten der, glänzender Speer?) würde gebildet ſein nach Analogie der

*) Ein Döringheim gibt es auch im Fürſtenth. Waldeck. Vgl. zu

unſerem Dörnigheim noch folgende Stelle aus Trad. Lauresh. N. 3452: Wolfbodo gab 793 dem Kloſter Lorſch in pago Moynachgowe in Turincheim in loco Wicrameshusen quidquid inter Bruibach(Braubach) et Suardafalacha super fluvio Moyn et basilicam quae constructa est in honore S. Mariae etc.