Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
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Schlereths Unterſuchung unter Ulrich I vonHanauw, alſo nach 1280; vgl. noch Wenck Urkundb. I, S. 55, 58, 102, 117) einer andern Forſchung überlaſſen, ſtellen wir jetzt hier nur feſt, daß die gleichnamigen Wohnſtätten, wie aus der zahlreich auch hier vorkommenden Ortsnamenbildung auf heim ſich ergiebt, von demſelben Stamm der Alemannen oder Sueben gegründet zu ſein ſcheinen.

2) Die Heim's. Stellt man die Geſammtzahl der Orte des Kreiſes Hanau, mit Hinzuziehung der bedeutenderen Höfe auf etwa 58 feſt, ſo nehmen die Heim's deren 18 in Anſpruch, was ein Verhältnis von 31° ergibt: es ſind die Ortſchaften Groß⸗Auheim(das gegenüberliegende Klein⸗ Auheim iſt darmſtädtiſch), Bockenheim, Berkersheim, Bi⸗ ſchofsheim, Dörnigheim, Eckenheim, Enkheim, Eſchersheim, Fechenheim, Ginnheim, Ober⸗ und Nieder Iſſigheim, Kinzig⸗ heimer Hof, Oſtheim, Praunheim, Preungesheim, Rüdigheim und das in Windecken aufgegangene Tezelnheim; es bleiben dabei unbeachtet die 1866 abgetretenen Orte Rumpenheim, Nauheim und Dorheim und die am linken Ufer des Mains neben Rumpenheim liegenden nicht hanauiſchen Heims: Groß⸗ und Klein⸗Steinheim, Kl.⸗Auheim, Dietesheim, Mühlheim, ferner Bornheim u. ſ. w., welche den Procent⸗ ſatz der Heims unter den Ortſchaftsnamen unſerer, wenn auch nicht politiſch, ſo doch geographiſch zuſammengehörenden Gegend noch um ein bedeutendes erhöhen würden. den vielen Heims um Hagenau und Straßburg braucht man nur außer den ſchon genannten Auenheim, Biſchofs⸗ heim an die weiteren Germersheim, Gernheim, Gamsheim, Mundolsheim, Dingsheim, Schiltigheim, Druſenheim, Seſſenheim, Scherrheim u. ſ. w. u. ſ. w. zu erinnern, um die hier in Betracht kommende Stammverwandtſchaft einer beſtimmten Schicht der Einwanderung zu bewahrheiten. Dieſe Heims erſtrecken ſich aber weit und breit den Wan⸗ derungen der Sueben entſprechend von dem obern Lauf des Rheins und ſeiner Seitenthäler bis zu deſſen Mündung, zur Donau und in das Land Böhmen hinein, das nach Haupt, Zeitſchrift IX. 242 zu Tacit. Germania c. 28: manet Boihaemi nomen ſeinen Namen von Boierheim hat. Auf das maſſenhafte Vorkommen dieſer Namenform in den verſchiedenen Lautwandlungen über ganz Nord⸗ Europa hin macht auch Förſtemann, Deutſche Orts⸗ namen,(1863) S. 97 aufmerkſam, der die Lautwandlung durch das ganze Vokalregiſter hindurch aufweiſt: ham, am, hem, em, heim, eim, him, im, hom, kom, um

Von

(vgl. die Formen Astehim, Arnim) und ſelbſt die griechi⸗ ſchen Namen /, α wõus dem 2. Jahrh. und Boo 4iαιαν aus dem 1 Jahrh. beizieht. Daß z. B. Pelkum alt Peligheim, ſehe man bei Eſſellen, Geſchichte der Si⸗ gambrer S. 69, Beckum alt Beckenhem, Selm= Selehem bei Kindlinger, Münſteriſche Beiträge, Bd. II, S. 233. Von den bis nach Flandern, wo die maſſenhafte Anhäufung von Ortsnamen auf hem und em ſich findet,(Issighem z. B. u. Bockenem, Bernem ganz wie bei uns) hin ge⸗ gangenen Wanderungszügen der Sueben, namentlich wahr⸗ ſcheinlich auch zur Zeit der Alemannenſchlacht bei Zülpich, 496, ſpricht auch ſchon Matthaeus Bucherius Belg. Rom. L. I. c. 20, der daranf verweiſt, daß die Völker an Schelde und Lys im 9. Jahrhundert Sueven hießen, und den in Oſtflandern vorkommenden Ortsnamen Sueveseele nament⸗ lich hervorhebt. Die Ortsnamen auf heim erſtrecken ſich übrigens in der jeder Gegend und jedem Sprachgebiete eigenthümlichen Form bis nach Oſt⸗Preußen. Es handelt ſich um einen indogermaniſchen Wortſtamm(vgl. Fick, Wörterbuch der indogermaniſchen Grundſprache in ihrem

Beſtand nach der Völkerwanderung, Göttingen 1868, Vandenhök u. Ruprecht. S. 29 u. 40). Nach dieſer Angabe, wozu man auch Förſtemann Deutſche Orts⸗ namen S. 258 vergleiche, gehört unſere Form heim zu der Sanskritform çam ruhen, wovon griechiſch 2010 Dorf, Flecken, littauiſch kémas Dorf, Hof, gothiſch haims Dorf, altnordiſch heimr, angelſächſich ham. Es iſt gewiß auch hier in Betracht zu ziehen, daß bei den Lappen, Finnar, oder wie ſie ſich ſelbſt nennen Sami oder Sahme⸗ lads die WohnungGamen heißt. Hierzu finden ſich als Analogie littauiſche und preußiſche Namen wie Kau kehmen, Darkehmen in der Zuſammenſetzung; Kaymen bei Laufkeim nordöſtlich Königsberg in Pr.; altſächſiſche Formen wie Kamen bei Hamm in Weſtfalen, Gemen an der Aa in der Standesherrſchaft der Grafen von Lands⸗ berg⸗Gemen(Kreis Teklenburg⸗Lingen), die vielen Iamm's bis in Nord⸗Frankreich hinein, die Cham's(ſtärker aspi⸗ rirte Form) im bayriſchen Walde mit den Zuſammenſetzungen Eschekam u. ſ. w, Helfkam im Ger. Bez. Degendorf, wozu man vergleiche das bayriſche Poikham bei Kehlheim und das engliſche Durham.

V Iſt ſo der Grundbegriff der einfachen Form Heim feſtgeſtellt, ſo bleibt für die Hanauiſchen Zuſammenſetzungen noch die Erklärung übrig, wo dann beiläufig bemerkt ſein 1*