Aufsatz 
Die Ortsnamen des Kreises Hanau / von W. Kellner
Entstehung
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durch Heſſen S. 70 ff., nur aber namentlich in dem Nach⸗ weis, wie der Volksmund die aus nahe liegenden natürlichen Verhältniſſen entſpringenden Ortsnamen ohne Erinnerung jener Verhältniſſe zu entſtellen pflegt, und ohne hanauiſche Ortsnamen zu berühren. Eine ausgführlichere Vorarbeit über dieſe knüpfte ich an jeneSpaziergänge erſt in dem Feuilleton der Hanauer Zeitung Jahrgg. 1869 vom 4.14. März, Nr. 5463 der Blätter für Vergangenheit u. Gegenwart mit Nachtrag vom 6. Mai 1869, Nr. 107, die auch in einem beſondern Abzug verſchiedentlich Verbreitung auf buchhändleriſchem Wege, obwohl nicht dazu beſtimmt, gefunden hat. Dieſe Vorarbeit in ſichererm Ergebnis und genauerer Sichtung und Benutzung des vorhandenen Stoffes abzurunden, iſt vorliegende Veröffentlichung beſtimmt.

1) Gehen wir zunächſt von dem Namen Hanau aus, ſo liegen einige Spezialunterſuchungen zu ſeiner älteſten Geſchichte und Form vor im III. Bde. der ſchon erwähnten Ztſchr. f. heſſ. Geſch. ꝛc. 1843.Ueber den Uranfang und Urſitz der Dynaſten von Hanau, Buchen u. Dorfelden. W. F. B. Schlereth S. 371 u.Kensheim, nun Kinzigheimer Hof. Von demſelben S. 385. Zufolge dieſen Arbeiten, welche frühere Unterſuchungen u. ihre Ergebniſſe kritiſch ſichten, erſcheint in den Jahren 1140, 1143 u. 1144 ein Dammo de Hagenowa, 1144, 1145, 1146, 1147, 1148 1151 u. 1152 auch ein Arnoldus de Hagenowa, 1162 ein Henricus de Hanogya, 1192 1238 ein Henricus I de Hagenowa. urſprüngliche für unſere heutigeHanau, und es unterliegt keinem Zweifel, daß, wie auch ſchon Piderit a. a. O. S. 293 zuHagen als Umzäunung bemerkt: Verwandt mit

dieſem Worte iſt Hac. gen. Hages, ein Walddiſtrikt, daher

Hagenau, jetzt Hanau waldige Au, Hanau urſprünglich heißt eine Anlage auf einer Au im Walde. Wer die Altſtadt, den Anfang unſerer Stadt, in's Auge faßt und ihre alte Umwallung kennt, ſieht, daß es ſich um eine Burg⸗Anlage auf einer von mehreren Kinzarmen umfloſſenen Inſel am Ende jener natürlichen Wieſenau handelt, welchedas Bruch genannt ſich längs der Fallbach nach der Kinzig hin er⸗ ſtreckt. Für nicht mit der Geſchichte Hanaus enger Ver⸗ traute mag hier die Bemerkung geſtattet ſein, daß außer dem Arm der Kinzig, welcher heutedie Krumme Kinzig genannt ſich hinter den verſchiedenen Mühlen herzieht, ein

anderer Arm ſich von Heuſers Wieſe am Mühlenthor an

durch die Judengaſſe längs des Paradeplatzes hinzog, der

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Die hier aufgeführte Namensform iſt alſo die

noch heute am Bangert hin offen fließend beim Frankfurter Thor ſich wieder mit dem Mühlenarm verbindet. Eine ähnliche Burg-Anlage findet ſich auf einer Kinzig-Inſel in Rückingen und auf jener Kinzig⸗Inſel bei Gelnhauſen, auf der heute noch die Ruinen von Barbaroſſa's Burg zu ſehen ſind.

Was Hanau betrifft, ſo iſt von beſonderer Eigenthüm⸗ lichkeit das Vorkommen nicht nur deſſelben Namens hier an der in den Main mündenden Kinzig und im Elſaß (Stadt Hagenau, deren Umgegend auch zeitweilig unter einem Dynaſten von Hanau⸗Lichtenberg zugleich mit unſerem Hanau ſtand), ſondern auch einer ganzen Reihe von gleichen Ortsnamen an der Main⸗Kinzig wie an der Rhein⸗ oder Schwarzwald⸗Kinzig. Hier wie dort zum Theil an beiden Seiten des Rheins wie des Mains finden ſich zwei Au⸗ bzw. Auenheims, ein Biſchofsheim, ein Kehl oder Kahl, ein Kinzdorf(bei Offenburg und hier, ausgegangen), ein Rotbach bei Lichtenberg, bei uns Rodenbach. Dazu kommt, daß am Ausfluß der Kinzig in den Rhein ebenſo ein Honau, davon das Hanauer Ländchen mit noch eigenthümlich auf⸗ tretendem Bauernſchlag, wie am Ausfluß der Kinzig in den Main unſer Hanau liegt. Es haben darum auch ſchon Herzog, elſäß. Chronik III, 60, Bernhard, Wetterau. Alterthümer, Weitere Fortſetzung 63, Histoire geneal. de la maison de Hesse und Acta hannoviens. II, 25 einen Friedrich, Domherr zu Straßburg zu einem Bruder Rein⸗ hards II 1227 1280 und Heinrichs III von Hanau(dem unſern) geſtempelt und Retters Heſſ. Nachrichten 3. Sammlg. einen Ludwig und Hildeprandt von jenem elſaßiſchen Hagenowa zu den unſrigen in Beziehung gebracht; was indeß Schlereth a. a. O. zurückweiſt, wie denn auch Leh⸗ mann, Urkundl. Geſchichte der Grafſchaft Hanau Lichtenberg, Mannheim. J. Schneider, 1862 I, S. 39 darthut, daß erſt 1313 noch die Herrn v. Lichtenberg den Bürgern der ſelbſt⸗ ſtändigen Stadt Hagenau ihre Rechte und Freiheiten ge⸗ währleiſtend mit dieſer nur in loſem Zuſammenhang ſtehend erſcheinen u. ſ. w. So viel aber ſchließt man mit Recht aus gleichen Namen und Lage beider Orte, daß wie das Elſaßer im Hagenauer Forſte gelegen iſt, ſo unſer Hagenau von der Lage am Köbler Wald, der Buhlau u. ſ. w. ſo benannt worden iſt. Buhlau und Hagenau ſind auch viel⸗ leicht gegenſätzliche Bezeichnungen. Indem wir nun die älteſten Beziehungen der Hagenauer Gegenden am Main und Rhein(die erſte deutſche Schreibung findet ſich nach