Die Ortsnamen des Kreiſes Hanau. Von Dr. Wilhelm Rellner.
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AUeber die Ortsnamen des ehemaligen Kurheſſen, zu welchem der Kreis Hanau als ein Theil der ehemaligen Grafſchaft Hanau gehört, iſt noch keine umfaſſende Unter⸗ ſuchung vorhanden. Zwar finden ſich ſchon im 1. Band der Zeitſchrift des Vereins für heſſiſche Geſchichte und Landeskunde 1837 3 Verſuche und Anläufe zu jener Unter⸗ ſuchung.1) in dem Abſchnitt: Andeutungen und Hülfsquellen der Landesgeſchichte, welche weder zur gedruckten noch unge⸗ druckten Literatur gehören von Dr. Chr. von Rommel S. 99 in§. 6: Ortsnamen in etymologiſcher Hinſicht; 2) S. 237 in einem Auſſatz: Die Ortsnamen in Kurheſſen. Ein grammatiſches Fragment von dem Gymnaſialdirector Dr. Vilmar u. 3) S. 283 dem Aufſatz: Die Ortsnamen in der Provinz Niederheſſen. Ein Beitrag zur älteren Landes⸗ und Ortsgeſchichte von Dr. F. C. Th. Piderit, Haupt⸗ pfarrer zu Rinteln— allein dieſe Arbeiten, ſo verdienſtlich ſie ſind, liefern, wie ihr Titel ſchon anzeigt, theils nur allge⸗ meine Richtung gebende Andeutungen, theils erſtrecken ſie
ſich blos auf einzelne Theile des Landes, und von den V Hanauiſchen Ortsnamen hat in dem erwähnten Aufſatze Dr. Vilmar nur 6 berührt: Buchen(Mittelbuchen 263), Rückingen, Preungesheim, Dörnigheim, Hochſtadt und Dor⸗ felden, während Dr. Piderit, der nur die Ortsnamen
Niederheſſens behandelt, lediglich der Analogie halber ein⸗ mal auf Hanau, das andremal auf Erbſtatt zu ſprechen kommt. Endlich geht eine kurze Abhandlung von Jakob
Grimm: Ueber heſſiſche Ortsnamen(II. Bd. der Ztſchrift f. heſſ. Geſch. ꝛc. S. 132— 155) nur auf einige im alten Heſſen vorkommende und vorzugsweiſe menſchliche Wohn⸗
ſtätten nicht bezeichnende Namen.
Mehr Beſonderes von Hanauer Ortsnamen enthält ſchon die Geſchichte und Topographie des Main⸗Gebiets und Speſſart unter den Römern(nur mit beſonderer Rück⸗ ſicht auf Reſte römiſchen Alterthums) von Hofrath Dr. Steiner, Darmſtadt 1834, und noch mehr umfaßt das 1859 erſchienene Altdeutſche Namenbuch von Dr. Ernſt Förſtemann. II. Band Ortsnamen(Nordhauſen), in welcher Arbeit der Verfaſſer ſich namentlich ſtützt auf die oben erwähnte Abhandlung Vilmars, ferner auf Dronke Codex diplomaticus Fuldensis, deſſelben Traditiones et antiquitates Fuldens., Landau's Beſchreibung des Gaues
Wettereiba, Schannat corpus traditionum Fuldens., Wenck's Heſſiſche Landesgeſchichte, Weigand Oberheſſ.
Ortsnamen u. A. Aber auch bei ihm vermißt man die Behandlung unſeres Hanau ſelbſt, ferner unſeres Biſchofs⸗ heim, Enkheim, Eſchersheim, Fechenheim, Preungesheim, Rüdigheim, Tezelnheim⸗Windecken, Kinsdorf, Kenzheim oder Kinzigheimer Hof, Köbel, Rückingen, Erbſtatt, Keſſelſtadt, Kilianſtetten, Selbold, Krotzenburg, Naumburg, Ravolzhauſen, Dottenfelder Hof, Beiersrode, Groſchlag u. ſ. w.
Aus dem Jahr 1860 datirt ſodann eine„Urkundliche Geſchichte der allmäligen Vergrößerung der Grafſchaft Hanau von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ausſterben des gräflichen Hauſes i. J. 1736 ꝛc.“ von Dr. Dommerich (in Mittheilungen des Hanauer Bezirkvereins f. Heſſ. Geſch. u. Landeskde Nr. 1 u. 2 Hanau. Fr. König), welche noch einiges. Material bietet. Ich ſelbſt verſuchte mich zum Erſtenmale in einer Unterſuchung über altheſſiſche Ortsnamen im J. 1868 in der Ztſchrift f. Heſſ. Geſch. u. Landeskde im II. Bd. Neue Folge in„Etymologiſche Spaziergänge
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