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Aggredere, oh, magnos— aderit jam tempus— honores,
Cara deum suboles, magnum Jovis incrementum.
Schicke dich an— bald nahet die Zeit— zu erhabenen Thaten, Göttern theuerer Stamm, du, Jupiters herrlicher Nachwuchs!
Und gerade jene ſchwerſte aller Tugenden, die Forderung, die ſchon der alte Weiſe Griechen⸗ lands an uns Einzelne, wie an das Volk in ſeiner Geſammtheit richtet:„Lerne dich ſelbſt kennen“, die Selbſterkenntniß erwächſt uns aus der Geſchichte. Sie ſoll unſer Selbſtvertrauen ſtärken und berechtigtes Selbſtgefühl in uns nachhaltig wecken, das ſich nicht beugen noch brechen läßt. Dämpfen aber ſoll ſie überſchwellende Selbſtvergötterung, wuchernde Anmaßung mit unerbittlichem Meſſer zu⸗ rückſchneiden und hochfahrenden Dünkel, wo er ſich zeigt, mit der Wurzel ausrotten. Das wirkt die Geſchichte, indem ſie uns an dem Beiſpiele der Menſchen und der Völker die mannigfachen Schwächen und die Unzulänglichkeit unſeres ſterblichen Weſens vor die Seele führt und das Streben in uns entzündet, zu ringen nach menſchlicher Vollkommenheit. Dazu ermahnt ſie uns, fein beſcheiden zu ſein und da vom Eiſe zu bleiben, wo wir nicht tanzen können. Aus ſeiner Geſchichte ſoll ein Volk ſich ſelbſt erkennen, Alles prüfen und das Beſte behalten.
Nun liegt es aber in der Endlichkeit menſchlicher Natur begründet, daß wir keine beredteren Lobredner finden, als uns ſelbſt; und es ſteht die mit uns großgewachſene Liebe zu unſerer eigenen Perſon der Selbſterkenntniß bedenklich im Wege. Auch die Urtheile unſerer Freunde über uns wer⸗ den nicht vollen Anſpruch machen können auf unbedingte Zuverläſſigkeit. Anders die Urtheile unſerer Feinde. Muß auch, was ſie Ungünſtiges über uns berichten, weil von dem Verlangen, uns zu ſchaden, eingegeben, ſtets mit Vorſicht aufgenommen werden, ſo iſt doch, wenn unſer Lob aus ihrem Munde fließt, dieſes über jeden Zweifel erhaben. Denn es ſteht dann dieſe unſere Trefflichkeit auf ſo feſten Grund gebaut, daß ſelbſt hämiſche Tadelſucht daran nichts abzumarkten vermochte. So wird einem Geſchichtſchreiber unſeres Stammes die lebendige Gluth der Begeiſterung für deutſches Volksthum, für deutſche Art und Sitte die Feder führen, und ein Bild wird ſich geſtalten, das in allen Zügen das Lob unſerer Nation zurückſtrahlt. Was dagegen die Angehörigen eines Volkes ge⸗ ſchrieben, das Jahrhunderte lang mit den Deutſchen in einem Kampfe auf Tod und Leben gelegen, das verdient die ernſteſte Beachtung. Denn es muß dem Lobe, das ſolcher Quelle entſtrömt, um ſo mehr Giltigkeit beigemeſſen werden, je weniger Urſache jene Männer hatten, ihren Feinden gegenüber Schönfärberei zu treiben.
In dieſer Hinſicht ſind wir Deutſche von der Vorſehung glücklich bedacht worden. Ueber unſere Vorfahren nämlich, über die alten Deutſchen, haben wir keine zeitgenöſſiſchen Zeugniſſe von lands⸗ männiſcher Seite. Dagegen ſtammen die älteſten Nachrichten über die alten Germanen aus der Feder der geſchworenen Feinde unſerer Nation, der Römer, und zwar ſind ſie gefloſſen aus dem Munde der berufenſten Beurtheiler, deren Meinung in der römiſchen Welt unbedingt maßgebend ſein mußte. Ich nenne nur zwei Namen: den Beſieger Galliens, der ſelbſt mit den Deutſchen einen grim⸗ migen Strauß ausgefochten: C. Julius Caeſar, und das klaſſiſche Werk„Germania“ des Cornelius Tacitus. Daß aber die Römer in unſeren Vorfahren ihre ſchlimmſten Feinde haſſen mußten, das weiß jeder, dem bekannt iſt, daß ſeit den Tagen, wo die Cimbern und die Teutonen zum erſten Male mit der Spitze des Schwertes an die Pforten Roms gepocht, in beſtändigen Kriegen römiſches und deutſches Blut gefloſſen iſt, bis nach Jahrhunderten Roma, die Rieſin, in den Staub ſank vor der Schärfe unſerer Waffen. Unſterblich ſind über den ewigen Krieg zwiſchen Rom und Germanien die Worte des Tacitus im 37. Kapitel der Germania.„Sechshundert und vierzig Jahre“, ſo ſchreibt Tacitus,„zählte unſere Stadt, als man zum erſten Male von den Waffen der Cimbern hörte, unter


