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IV. Beigabe. Satd
Unſere Vorfahren. Rede, gehalten bei der Schlußfeier des Schuljahres 1876/77, am Vorabende des Sedantages,
von
Dr. Jakob Keller,
Großh. Reallehrer.
Hochzuverehrende Anweſende!
Salve, magna parens frugum, Germania tellus, Magna virum; tibi res antiquae laudis et artis Ingredior.
Heil, Germania's Land, dir, herrliche Mutter der Früchte! Dir, o Mutter der Männer, beginn' ich Werke von alter, Löblicher Art.
Wenn wir Lehrer, der Pflicht unſeres Lehrberufes wohl eingedenk, die Elemente der Bildung ſichten, die wir in die empfänglichen Herzen der Jugend zu ſtreuen berufen ſind, ſo erſcheint es uns nicht genug, der Jugend ein gewiſſes Maß thatſächlichen Wiſſens darzureichen, ſie anzuregen zur Entfaltung des Thätigkeitstriebes im freien Spiele lebendiger, ſchaffender Kräfte, ſondern ſie auch zugleich theilhaftig zu machen einer ſittlichen und nationalen Erziehung. Wie dieſe Gemüths⸗ erziehung, zumal die Erziehung des Willens, am erfolgreichſten gefördert werde, darüber kann man ſtreiten. Der eine vermeint auf dieſem, der andere auf jenem Wege am ſicherſten zum Ziele zu kommen, und es hat dies jeder mit ſeinem eigenen Gewiſſen abzumachen.
Doch da es dem Lehrer vor allem darauf ankommen muß, in Wahrheit das zu ſein, was der Name ſagt, ſo muß auch die ſittliche Erziehung mit dem Lehren, d. h. der Mittheilung von Kennt⸗ niſſen, organiſch und untrennbar verbunden ſein.
Und gerade hierfür liefert ein treffliches Rüſtzeug der Unterricht in der Geſchichte, insbeſondere der Geſchichte unſeres, des deutſchen, Volkes. Woher ſollte auch die Jugend Alles, was lauter und erhaben, was wahr und edel, was echt menſchlich iſt, in reicherer Fülle und freudiger ſchöpfen, denn aus dem unverſiegbaren Borne der Geſchichte, der unentbehrlichen Lehrerin menſchlichen Lebens und Strebens? Woher ſollte der Jugend die hingebende Begeiſterung für das Vaterland mächtiger er⸗ wachſen, als aus der Kenntniß von dem Werdegange unſeres Volkes, von ſeinen Freuden und Leiden, Irrgängen und Fortſchritten, ſeinen Hoffnungen und Zukunftsträumen? Woran ſollte ſich ernſtes Streben nach menſchlicher Vollkommenheit reiner entzünden und vollkräftiger nähren, denn an den Vorbildern von Männern, die eines Stammes, eines Blutes mit uns, den Beſten ihrer Zeit genug


