Aufsatz 
Die Aufgabe des deutschen Gymnasiums in Ansehung der religiös-sittlichen, geistigen und nationalen Bildung der Jugend / Keller
Entstehung
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übernachten im Lager, stehen mit Verband und Wunden auf dem Walle, indess junge Bursche, der niedrigsten Lust ergeben, ohne alle Gefahr in der Stadt weilen. Wo es etwas zu thun gibt, da sind die Besten aufgefordert.

Nichts kommt mir beklagenswerther vor. als ein Mensch, dem nie eine Widerwärtigkeit zugestossen ist. Denn es ist ihm nicht geworden, sich kennen zu lernen. Mag ihm auch Alles nach Wunsch gegangen oder seinen Wünschen vorausgeeilt sein: die Götter haben doch nichts Gutes von ihm gehalten. Er hat ihnen nicht werth geschienen, einmal ein Unglück zu überwinden, das gerade vor den feigsten Menschen sich zurückzieht, als spräche es: Was soll ich mir den zum Gegner nehmen? Der wird bald die Waffen strecken, gegen den bedarf es nicht meiner ganzen Macht. eine kleine Drohung wird ihn zurücktreiben. Er kann meinen Blick nicht aushalten; nach einem andern will ich mich umsehen, mit dem ich mich in Kampf einlassen kann. Es ist eine Schande, sich einem Menschen gegenüber zu stellen, der bereit ist, sich besiegen zu lassen. Das Geschick sucht sich immer die Stärksten aus, die ihm gewachsen sind; an Manchen geht es mit Ekel vorüber. Stets greift es die Tapfersten und am meisten aufrecht Stehenden an, auf dass es seine Kraft gegen sie anstrenge. Das Missgeschick und die Schrecken der Sterblichen zu überwältigen ist grossen Männern vorbehalten. Mit Feuer ward Mucius Scävola, mit der Armuth Fabricius, mit Foltern Regulus, mit Gift Sokrates, mit dem Tode Cato geprüft.

Es kann mich nicht Wunder nehmen, wenn die Götter zuweilen eine Lust anwandelt, grosse Männer im Kampfe mit irgend einem Missgeschick zu sehen. Macht es uns doch zu Zeiten Vergnügen. wenn ein Jüngling von festem Muthe ein anrennendes Thier mit dem Jagdspiesse auffängt, wenn er den Anlauf eines Löwen unerschrocken aushält, und der Anblick ist um so erfreulicher, je ehrenwerther der Mann ist, der solches ausführt. Aber ein Schauspiel, werth, dass ein in sein Werk vertiefter Gott darauf hinschaue, siehe. ein der Gottheit würdiges Paar: das ist ein kräftiger Mann im Kampfe mit einem bösen Geschick, zumal wenn er es selbst herausgefordert hat.

Und die Gottheit theilt in ihrer hohen Liebe zu den Guten, und weil sie dieselben zum höchsten Grade von Tugend und Vortrefflichkeit bringen will, ein Geschick zu, dem gegenüber sie geübt werden sollen. Ohne Gegner erschlafft die Tugend, und unangefochtenes Glück hält keinen Schlag aus. Aber wo man mit Widerwärtigkeiten beständigen Kampf hat, da gewinnt man für die Schläge eine harte Haut und gibt keinem Uebel nach.

Dass ein Mann in die Welt trete, den man im strengsten Sinne so nennen kann, dazu bedarf es eines kräftigen Geschickes. Er wird nicht einen ebnen Weg haben; bergauf und bergab muss es gehen, hin und her muss er geworfen werden, sein Schiff in Stürmen regieren. Gegen das wechselnde Geschick muss er seine Bahn behaupten. Viel Hartes, viel Rauhes wird kommen, aber er hat es schlicht und eben zu machen. Feuer erprobt das Gold, Elend und Ungemach kräftige Männer. Der Niedrige und Träge geht der Sicherheit nach, auf steilen Höhen wandelt die Tugend.

Eine der schönsten und schätzenswerthesten Seiten des unter dem Einflusse einer vernünftigen religiös-sittlichen Bildung geläuterten und erstarkten Willens ist ein guter,