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beschränkte Erkenntniss hindert, die Absichten seines Erziehers zu begreifen, und in die Versuchung führt, in den heilsamsten Mitteln harte und schwere Massregeln zu erkennen, so flösst ihm seine auf wahrer Grundlage beruhende religiöse Ueberzeugung alsbald wieder Vertrauen zur Gottheit ein und ruft die gute Meinung von ihr ihm in die Seele zurück. Er macht sich mit dem Schicksale vertraut, versucht im Kampfe mit demselben seine sittliche Kraft und erhebt sich zu jener Höhe der Erkenntniss Gottes und seines eignen Werthes, von welcher aus er harte Prüfungen nicht als Züchtigungen, sondern als Beweise der höchsten Auszeichnung ansieht, die nur kräftigen Naturen, Lieblingen der Götter, auferlegt werden. Das ist der religiös-sittliche Zustand, in welchem griechische und römische Dichter und Geschichtschreiber uns die heldenmässigsten Gestalten und nachahmungswürdigsten Muster vorführen; das ist jene feste, wohlgeordnete Verfassung des Gemüthes, welche von griechischen und römischen Philosophen als das suchenswertheste Ziel menschlichen Strebens gepriesen wird. Lassen wir auch hier wieder denjenigen, der die Ansichten der früheren Meister in so reizender und origineller Weise zu reproduciren und mundgerecht zu machen versteht, Einiges zu uns reden.
„Die Gottheit ist gegen die Besten am besten gesinnt. Zwischen der Gottheit und den Guten besteht eine Freundschaft, deren Band von der Tugend geknüpft ist; ja, ein inniges Verhältniss und eine Aehnlichkeit, weil der Gute nur der Zeit nach von der Gottheit verschieden ist: ihr Zögling und Nacheiferer und wahrhaftiger Abkömmling, den jener erhabene Vater, ein ernster Treiber zur Tugend, nach strenger Väter Art etwas hart erzieht. Wenn du also wahrnimmst, dass gute und den Göttern wohlgefällige Menschen in Mühe und Schweiss steile Pfade wandeln, schlechte aber schwelgen und in Wohlleben verweichlichen, so bedenke, wie ja auch uns an unsern Söhnen die Züchtigkeit ergötze, und nur an jungen Sclaven der Muthwille; wie unsere Söhne durch die ernste Zucht in Schranken gehalten, die jungen Sclaven dagegen in ihrer Keckheit bestärkt werden. Davon sollst du denn auch von der Gottheit überzeugt sein: den Guten verzürtelt sie nicht; sie prüft ihn, härtet ihn ab, bereitet ihn für sich zu. Siehst du nicht, wie ganz anders Väter, anders Mütter ihre älterliche Zärtlichkeit ausüben? Die Väter wollen, dass ihre Söhne frühzeitig angetrieben werden, sich der Arbeit zu unterziehen; auch an Feiertagen lassen sie dieselben nicht unbeschäftigt, pressen ihnen Schweiss, bisweilen Thränen aus. Die Mütter aber wollen sie im Schoosse hegen und im Schatten halten; nie sollen sie weinen, nie eine trübe Miene machen, nie angestrengt werden. Eines Vaters Sinn hat die Gottheit gegen die Guten, und liebt sie kräftig, und durch Arbeit, spricht sie, durch Schmerzen nnd Beschädigung sollen sie rüstig erhalten werden, damit sie die wahre Freiheit gewinnen“.„Die Götter beobachten bei tugendhaften Menschen die Grundsätze, die erfahrene Lehrer bei ihren Schülern befolgen: von denjenigen verlangen sie die meiste Arbeit, von welchen sie die. gegründetsten Hoffnungen hegen“.„Im Kriege wird das Gefahrvolle den Tapfersten anfgetragen. Die Auserlesenen schickt der Feldherr ab, dass sie im nächtlichen Hinterhalte die Feinde angreifen, oder den Weg recognosciren, oder einen Posten verjagen. Und keiner von denen, die so weggeschickt werden, wird sagen: der Feldherr hat mir eine schlechte Ehre angethan, sondern: er denkt gut von mir“.„Wenn das Vaterland in Gefahr ist, nehmen tapfere Männer die Waffen,


