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erheben vermag; da sind sie ihm allmächtige, allwissende, im Denken, Wollen und Handeln über alle menschliche Beschränktheit erhabene Wesen. Insbesondere ist es Zeus, der Beberrscher des Universums, der Vater der Götter und Menschen, der Ordner und Lenker aller Dinge, dem der Dichter das Attribut göttlicher Vollkommenheit zutheilt. Von dem Einflusse der Götter ist das Leben der Menschen von der Geburt bis zum Tode abhängig. Dem Frommen und Tugendhaften stehen sie in Noth und Gefahr als Tröster, Helfer und Retter zur Seite und schmücken sein Leben aus mit Gaben und Wohlthaten jeglicher Art; dem Frevler bestimmen sie Strafe, die entweder unmittelbar auf das Verbrechen folgt, oder erst spät, aber sicher, sich einstellt. Erwartet darum der Mensch von den Göttern ein günstiges Geschick, so anerkenne und verehre er ihre Macht, erforsche und befolge ihren Willen.- Hat aber einmal ein Sterblicher den Willen der Götter missachtet, die von ihnen eingesetzte ewige Weltordnung verletzt, dann suche er durch Reue und Sühnopfer Gnade und Vergebung sich zu erwirken und so ein schweres Geschick von seinem Haupte abzulenken. „Denn die Götter wissen Alles und vermögen Alles, sie sind heilig und gerecht, sie haben ihr Wohlgefallen an dem Frommen und Tugendhaften, hassen und verfolgen den Frevler“.
Wenn nun der Dichter Menschen, die von einem solchen religiösen Glauben erfüllt sind, an heilige Orte sich begeben, daselbst in ergreifender Weise unter Gebet und Opfer ihre Anliegen einer Gottheit vortragen, die rechte Erkenntniss in zweifelhaften Fällen, Hilfe in der Noth, Rettung aus der Gefahr erflehen lässt: sollte dieses den empfänglichen Leser nicht ergreifen, nicht auffordern, sie zu begleiten, sich im Geiste ihnen an die Seite zu stellen, mit ihnen zu fühlen und zu empfinden? Und sollte diese Stimmung seiner Seele nicht von gutem Einflusse auf seinen religiös-sittlichen Zustand sein können, wiewohl dieser auf einem wesentlich verschiedenen Fundamente des religiösen Glaubens beruht?
Aber der Gymnasiast lernt durch die Lektüre der alten Classiker kennen, wie die Griechen und Römer bei diesem Götterglauben nicht stehen blieben, wie vielmehr mit dem ersten Erwachen der philosophischen Idee zugleich der Anfang der Bekäümpfung des Glaubens an eine Vielheit von Gottheiten gemacht war, wie sich neben dem philosophischen Betrachten jener Glaube nicht zu halten vermochte, wie ein Jahrhundert die Resultate seiner Forschung dem zunächst folgenden überlieferte, und wie das Bild eines absolut einigen Wesens als des Urgrundes aller Dinge, das mit Allmacht, Weisheit, Gerechtigkeit und Güte sein Werk, das Weltganze, bewacht und regiert, aus den Schatten alter Anschauungsweisen allmählig deutlicher und lieblicher hervortrat. Er begreift, dass der menschliche Geist in jenem Zeitraum auf dem Gebiete der philosophischen Forschung eine wahrhaft grossartige, der höchsten Anerkennung und Bewunderung aller Jahrhunderte würdige Arbeit zu Tage gefördert habe. Er verkehrt mit einer Anzahl von Geistern erster Grösse, erkennt in ihnen wahre Religionsstifter, grosse Wohlthäter der Menschheit. begeisterte Lehrer der Weisheit und Tugend, treue Freunde und zuverlässige Führer durchs Leben. Er vernimmt aus ihrem Munde so reine und richtige Begriffe von dem Wesen der Gottheit, von der Abkunft, Hoheit und Bestimmung der menschlichen Seele, von dem Verhältnisse der Gottheit zu dem Menschen, von dem Werthe der Tugend, dass seine Betrachtung von einem unwiderstehlichen Reize festgehalten wird. Ausserdem sieht er vor sich ausgebreitet einen unerschöpflichen Reichthum


