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formen des Geistes berechneter Unterricht an sich bis zu einem gewissen Grade jedesmal auch ein Religionsunterricht, oder unterstützt diesen wenigstens, auch wenn in demselben kein Wort von Religion gesprochen wird: Denn obgleich man im Allgemeinen als diejenige Thätigkeitsform des Geistes, die zur Verwirklichung des Guten befähigt und zur Sittlichkeit führt, zunächst das Gemüth, und als den zur Bildung des Gemüthes ausdrücklich bestimmten Unterrichtsgegenstand die Religionslehre anzusehen pflegt, so ist dies doch nicht so zu verstehen, als ob das Gemüth ein von den übrigen Thätigkeitsformen des Geistes, nämlich dem Verstande und der Einbildungskraft, getrenntes, unabhängiges Vermögen sei, und als ob eine normale Ausbildung des Verstandes und der Einbildungskraft keinen Einfluss auf die Ausbildung des Gemüthes habe. Vielmehr zeigt sich, sowie jene Lebensäusserungen des einheitlichen Geistes sich gegenseitig berühren, ergänzen und unterstützen, so auch jeder Erfolg, den ein weise angelegter Unterricht in der Bildung des Verstandes und des Geschmackes aufzuweisen hat, zugleich auch in der Bildung des Gemüthes, also in der religiös-sittlichen Bildung.„Die richtige Beschäftigung der Verstandeskräfte hat auf den(sittlichen) Menschen denselben wohlthätigen Einfluss, welchen die Sonne auf die Natur ausübt: sie zerstreut die Nebel des Gemüthes, erwärmt, erleuchtet und erhebt den Geist zu einer kraftvollen Ruhe“. ¹) Und„ein reges und reines Gefühl für Schönheit kann auf das moralische Leben offenbar den glücklichsten Einfluss äussern. Der Geschmack, wenn er auch das Moralische nicht zu erzeugen vermag, kann dasselbe doch begünstigen. Wahre ästhetische Cultur stärkt die Vernunft und schwächt die Wahl der Versuchungen zum Unrecht. Denn der Geschmack fordert Mässigung und Anstand. Es widersteht ihm, was hart, gewaltsam, niedrig ist. Schon der civilisirte Mensch legt sich einen gewissen Zwang an und gewinnt dadurch Herrschaft über sich selbst. Noch mehr befreit der Geschmack das Gemüth von der Gewalt des Instincts. Die Versuchung zum Schlechten, Schädlichen, Niedrigen wird schon von dem Tribunale des Geschmackes abgewiesen, noch ehe sie vor das Forun der Vernunft kommt“. ²)
Wenn nun aber schon von einem Unterrichte, der sich mit der Bildung des Verstandes und des Geschmackes befasst, ein namhafter Gewinn für sittliche Veredlung und Kräftigung erwartet werden darf, weil eben keine der Thätigkeitsformen des Geistes einen Inhalt aufnimmt, ohne dass die übrigen in der einen oder anderen Art daran Theil nehmen, so gelangt im Besonderen jeder für seinen Beruf in der rechten Weise begeisterte Lehrer auf dem Wege durch sein Unterrichtsgebiet an gar manche Stellen, wo er unmittelbar zum Gemüthe zu reden Gelegenheit findet und an denen er unmöglich vorüber gehen kann, ohne die Aufmerksamkeit seiner Zöglinge auf die schönsten Blüthen und Früchte wahrhaftiger religiös-sittlicher Bildung hingelenkt zu haben. Indem er aber dieses thut, befindet er sich seinen Schülern gegenüber in einem anderen Verhältniss, als der Religionslehrer. Denn dieser hat es ausschlieslich mit Schülern einer und derselben Confession zu thun und einen confessionellen Religionsunterricht zu ertheilen, während jener sich in einem Schülerkreise bewegt, in welchem verschiedene Confessionen vertreten sein können, und schon aus diesem Grunde religiöse Dinge, zu deren Besprechung sich ihm Gelegenheit bietet, von einem allgemein
¹) W. v. Humboldt. ²) Schiller.


