Aufsatz 
Gliederung des deutschen Sprachunterrichtes in der Elementarschule
Entstehung
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das Leben, nicht für den Gebrauch, wenn man deſſen bedarf.*) Und wenn ein Leſeſtück, an welches man dieſes oder jenes Grammatiſche anzuknüpfen gewohnt iſt, aus irgend einer Urſache in einem Jahrgang nicht vorgekommen iſt, oder bei der Prüfung nicht vorgenommen werden konnte, was dann? Welches Urtheil kann der Prüfende fällen? Zu beachten ſind: a. Schreibung der gedehnten Vokale; b. Sylbentrennung; c. Kenntniß einiger Vor⸗ und Nach⸗ ſylben, namentlich be, ge, er, ver; er, in, ig, chen, lein.

a. Folgt auf den Vokal der Hauptſylbe ein einfacher Konſonant, ſo wird der Vokal lang (gedehnt) ausgeſprochen, mit Ausnahme von: in, bin, man, um, mit, gib, ab, ob, weg. Für das gedehnte**) a wird meiſt einfaches a geſchrieben, zuweilen aa, das aber beim Umlaut ä wird, nicht ää, als: Aal, Saal, Aar, baar, Haar, Paar, paar, Staar, Aas(ECeiche), Aaß(Futter), Saat, Staat und mehrere Eigennamen, z. B. Aachen, Maas, Raab; vor l, m, n, r meiſt ah, z. B. Zahl, lahm, Bahn, Jahr, aber: ſchmal, Kram, Schwan, klar. Für das gedehnte e wird meiſt einfaches e geſchrieben, zuweilen ee, als: Klee, Schnee, See, Seele, Heer, leer, Meer, Speer, Beere, Beet; der Eigenname Spree und mehrere fremde, z. B. Kaffee, Thee; vor l, m, n, r meiſt eh, z. B. Mehl, nehmen, Lehne, Lehrer, aber: ſchel, bequem, wenig, ſchwer. Für das gedehnte i wird ſelten einfaches i geſchrieben, z. B. dir, mir, wir, Bibel, Fibel, Igel; zuweilen ih, z. B. ihm, ihn, ihr; ſehr oft ie, z. B. Knie, Sieb, Glied. Das wie gedehntes i lautende ieh ſteht in: fliehen, ziehen, ge⸗ diehen, geliehen, geſiehen, verziehen, ſiehe, Vieh, geſchieht, befiehlt, ſtiehlt. Für das gedehnte o wird meiſt einfaches o geſchrieben, zuweilen oo, das aber beim Umlaut ö wird, nicht öö, als: Boot, Moor, Moos; vor l, m, n, r neiſt oh, z. B. Sohle, Ohm, Bohne, Rohr, aber: holen, Strom, ſchonen, Sporen. Für das gedehnte u wird meiſt einfaches u geſchrieben: vor l, m, n, r neiſt uh, z. B. Stuhl, Ruhm, Huhn, Uhr aber: Schule, Blume, nun, Schnur.

b. Sylbe iſt ein artikulierter(gegliederter) Laut, der mit einer Öffnung des Mundes (mit einem Stimmabſatz) ausgeſprochen wird und entweder aus einem Vokal(Ei, Au e),

*) Auf die Zeit der Sprachdenklehre(Becker, Wurſt u. A.) folgte die Zeit des anle hnenden Sprachunterrichtes(Otto, Kellner, Schulz, Grube u. A.), der aber auch ſeine Gegner fand(Wackernagel, Völter, Burgwardt u. A.). Mit der Einführung einer beſonderen Grammatik hat man zu viel, mit der bloßen An⸗ lehnung ans Leſebuch hat man zu wenig Grammatiſches, und dies oft noch ohne allen inneren Zuſammen⸗ hang, in der Volksſchule vorgenommen. In Bezug auf beide Wege ſagt C. G. Firnhaber(Das naſſau. Schulweſen in ſeiner geſchichtlichen Entwicklung und gegenwärtigen Geſtaltung. Gotha 1864. S. 16):Die Beſtimmung der(naſſau.) Schulordnung(von 1817), daß ein vollſtändiges Sprachgebäude nicht in die Volks⸗ ſchule gehöre, wuroe nicht beachtet, als Wurſt u. A. zur Geltung gelangten; ſeitdem aber der ſogenannte anlehnende Sprachunterricht zu faſt allgemeiner Anerkennung gekommen iſt, wird häufig vergeſſen, daß auch ein Minimum von grammatiſcher Erkenntniß in einem ſtreng geordneten Gang zur Bearbeitung kommen muß.

**) Organiſche Länge und unorganiſche(erſt allmählich eingetretene) Dehnung, organiſches und unor⸗ ganiſches i, ie, h werden hier nicht unterſchieden, da es ſich bloß um leichtere Erlernung der Schreibung für Kinder handelt.