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wie dieſe Interpunktionszeichen als Pauſe⸗ und Tonzeichen zu beachten ſind, wobei er aber wenigſtens einen Abſchnitt, wenn nicht das ganze Stück auf einmal leſen muß, weil nur dann der Punkt und das Fragezeichen, die immer am Ende eines Satzes ſtehen, in Bezug auf Pauſe wie auf Senkung oder Hebung der Stimme beachtet werden können.— Dem Chorleſen und dem lauten Pauſezählen(beim Komma eins, beim Semikolon eins, zwei, beim Punkt eins, zwei, drei) kann ich nach meinen Erfahrungen das Wort nicht unbedingt reden, am wenigſten in einer mehrklaſſigen Schule, da mindeſtens die⸗ Aufmerkſamkeit der andern nicht mitleſenden und mitzählenden Kinder dadurch geſtört wird. Die leſenden und zählenden Kin⸗ der ſelbſt achten mehr auf die Pauſezeichen, als auf das Verſtändniß des Inhaltes. Dazu kommt, daß unſere Interpunktionszeichen nicht lauter Pauſezeichen ſind, ſondern zum Theil Tonzeichen(!—), zum Theil ſogar Pauſe und Ton zugleich betreffen, was durch Inhalt und Form des Satzes bedingt iſt. Der Nutzen des Chorleſens iſt für das Leſenlernen im Ganzen gering, dagegen empfiehlt ſich eine mäßige Anwendung desſelben im zweiten und dritten Jahrgang, um ſchüchterne und ſchwache Kinder zu ermuthigen, um ſolche, welche zum Schnell⸗ leſen geneigt ſind, zu zügeln, um bei allgemeiner Erſchlaffung wieder Leben in die Kinder zu bringen, wie wir Ähnliches z. B. bei marſchierenden Soldaten ſehen, denen die von Zeit zu Zeit ertönende Muſik Takt, Ordnung und Leben gibt.
3. Die Erklärung iſt vorzugsweiſe eine ſachliche, d. h. ſie beachtet in ſprachlicher Hin⸗ ſicht nur jene Wörter, von deren Verſtändniß das Verſtändniß des Inhaltes abhängt, ſie kann ſich darum meiſt auf die Setzung eines ſinnverwandten, den Kindern verſtändlichen(wenn ſelbſt der Volksſprache angehörigen oder undeutſchen) Wortes beſchränken, z. B. diesjährig für heuerig, bequem für kommlich, juſt für geheuer, Fliegenſtecher, Plattmönch, Baͤſchert, Datſch, Grashitſchel, Grasmiſch, Graſemütſche für Grasmücke.— Durch verſchiedene Fragen(nur nicht: Habt ihrs verſtanden?) wie aus der Inhaltsangabe durch die Kinder hat der Lehrer ſich zu überzeugen, ob das Leſeſtück im Ganzen wie in ſeinen einzelnen Theilen, nach den darin behandelten Sachen und Perſonen, nach der Lehre u. ſ. w. richtig verſtanden iſt: ein Verfahren, das von nun an durch alle folgenden Jahrgänge gilt.— Das mündliche Wiedergeben des Inhaltes muß von nun an immer gewandter werden, hat aber vorzugsweiſe erzählende Leſeſtücke zu beachten. Es bedarf kaum der Erinnerung, daß Leſeſtücke, welche aus mehreren Theilen beſtehen, zuerſt nach den einzelnen Theilen(von ver⸗ ſchiedenen Kindern), und dann erſt im Ganzen wiederzugeben ſind.
4. Das Einzelne aus der Grammatik, das dieſem und dem folgenden Jahrgange zuge— wieſen iſt, muß vorzugsweiſe durch übung gewonnen werden, wobei einzelné die praktiſche Gewandtheit fördernde und ſichernde Regeln nicht ausgeſchloſſen ſind. Die Übungen, bei denen die mündlichen immer den ſchriftlichen vorausgehen müſſen, können an Leſeſtücke, an ſchriftliche Aufgaben angeknüpft, auch beſonders vorgenommen werden. Der erfahrene Lehrer wird das jedesmal Paſſende zu finden wiſſen, ihm ſollen keine Dreſſurfeſſeln angelegt werden. Am wenigſtens iſt es zu billigen, wenn man gewiſſe grammatiſche Regeln und Übungen, z. B. Steigerung, Verkleinerung u. ſ. w. nur an geviſſe Leſeſtücke anknüpfen zu müſſen oder zu können glaubt, und nun bei allen andern Leſeſtücken und ſchriftlichen Aufgaben davon ſchweigt. Das heißt Sprachliches nur für die Sprachſtunde lernen und wiſſen, aber nicht für


