Aufsatz 
Gliederung des deutschen Sprachunterrichtes in der Elementarschule
Entstehung
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Auge die richtige Form der Wörter erfaßt*); c.(gegen Ende des Jahres) Schreiben ein⸗ und zweiſylbiger Wörter aus dem Anſchauungsunterricht und nach Diktat, wobei der Lehrer ſehr langſam und deutlich zu ſprechen und beſonders ſolche Wörter zu wählen hat, bei denen Aus⸗ ſprache(Laut) und Schreibung miteinander möglichſt genau übereinſtimmen. Die vom Lehrer vorgeſprochenen Wörter werden wenigſtens anfangs von den Kindern nachgeſprochen, lautiert, buchſtabiert und dann geſchrieben. Ein ganzes Sätzchen, deſſen Inhalt den Kindern verſtändlich ſein muß, wird auf einmal diktiert, von den Kindern im Chor oder einzeln wiederholt und dann auf die angegebene Art geſchrieben. Zum Behufe des Buchſtabierens müſſen die Kinder die Buchſtaben nicht nur nach ihrem Laut, ſondern auch(wenigſtens in der 2. Hälfte des 1. Jahres) nach ihrem Namen und ihrer Reihenfolge im Alphabet kennen. Wenn die Kinder die großen Buchſtaben ſchreiben können, ſo mag ihnen geſagt werden, daß das erſte Wort eines Satzes(mehrfache Sätze kommen hier noch nicht vor) und die Namen der Dinge und Perſonen mit einem großen Anfangsbuchſtaben geſchrieben werden. Die Kinder ſind an⸗ zuhalten, nach jeden Satz einen Punkt zu machen.

II. Jahrgang, ſiebenjährige Kinder. Anſchauungsunterricht und Sprechübungen. Leſen.

Erklären und mündliches Wiedergeben des Geleſenen. Schreiben.

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Erläuterungen.

1. Der Anſchauungsunterricht hat auch hier noch beſonders den Stoff zu den Sprech⸗ übungen zu liefern, doch müſſen die Sätze in Bezug auf Subjekt und Prädikat(Satzgegenſtand und Satzausſage) eine mehr beſtimmte Form annehmen. Faſt alle im erſten Jahr⸗ gang genannten Wörter können hier wieder vorkonmmen. Bei der Vergleichung der verſchie⸗ denen Dinge kann die Steigerung der Adjektive(Beiwörter, Eigenſchaftswörter) praktiſch geübt werden. Bei der Angabe der Zuſtände und Thätigkeiten kann auf Perſon, Zahl und Zeit (beſonders durch Beifügung der Wörter heute, geſtern, morgen), gegen Ende des Jahres auch auf den Modus(Redeweiſe) des Verbums(Zeitwortes), beſonders auf Indikativ und Im⸗ perativ Rückſicht genommen werden, aber nur durch praktiſche Übungen, nicht durch Regeln. Da der Kreis der in Betrachtung zu ziehenden Gegenſtände allmählich erweitert wird, viele Gegenſtände(Thiere, Pflanzen, Geräthe) aber in der Volksſprache anders benannt werden als

*¹) ImSchulfreund von Schmitz 20. Jahrg. 1864 S. 257 meint Th. Wolf:Das wird man mir einräumen müſſen, daß das Abſchreiben in der Elementarklaſſe nur eine gedankenloſe Buchſtabenkopirung iſt und darum ein wirklicher Nutzen für das Rechtſchreiben nicht erwächſt. S. 260 ſagt er:Enthielten die (zu diktierenden) Sätze Wörter wie Vieh und Moos, ſo würde, ließen wir Vi= Vi, Mos= Nos elementiren und ſchreiben, demgemäß eine falſche Schreibung folgen müſſen, was dedhalb zu verwerſen iſt, weil das Auge in dieſem Falle leicht an falſche Wortbilder ſich gewöhnen möchte. Wenn demnach das Auge hier ſich an falſche Wortbilder gewöhnen kann, ſo kann es ſich, wird die oben geſtellte Forderung erfüllt, auch an die richtigen Wortbilder gewöhnen: alſo Abſchreiben, aber mit Maß!