Aufsatz 
Die grammatischen Kunstausdrücke
Entstehung
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9. Konjunktion.

Die Konjunktion, lat. conjunctio, griech. syndesmos(ονν˙οεςσμο) d. i. Verbindung, dient bald zur Verbindung der Worte zu einem einfachen Satze, bald der Sätze zu einem mehr⸗ fachen Satze. Darum nun zwei Klaſſen aufzuſtellen, wie man hier und da gethan hat, iſt nicht rathſam, weil einige Konjunktionen zu beiden Klaſſen gehören würden. Dieſer Redetheil heißt bei Schottel, Gueintz und Stieler Fügew., bei Schottel im Wörterbuch Bindew., von Gott⸗ ſched an bei den meiſten Grammatikern Bindew. Wagner hat Bindew. im bei⸗, Fügew. im untergeordneten Satze; Eiſenhofer verbindet einzelne Worte durch Füge⸗, einzelne Sätze durch Bindewörter; Joſt hat im einfachen Satze Binde⸗, im mehrfachen Satzfügewör⸗ ter; Edler hat Beziehungs⸗ oder Verbindungsbegriff, Wolke Satzverhältniſſer.

10. Interjektion.

Die Interjektion, lat. interjectio d. i. Zwiſchenwerfung, kann abgeriſſen und loſe überall in der Rede vorkommen, ohne eine beſtimmte Stelle im Satz einnehmen zu müſſen, daher ihr Name. Die Interj. iſt entweder leidenſchaftlicher Ausbruch der Empfindung(was meiſtens der Fall iſt), oder Nachahmung eines Naturlautes, oder endlich Lock- und Scheuchwort für Haust hiere. Einzelne Interj. laufen ineinander über, indem ihnen bald ein allgemeiner, bald ein beſonderer Sinn verliehen wird. Dieſer Redetheil heißt bei Schottel, Gottſched, Heynatz Zwiſchenw., bei Stieler Triebw., bei Klopſtock Ausruf, bei Reichelt Ausrufew., bei Hauſchild Ausrufsw., bei Götzinger Füllw., bei Löwe Schall⸗ und Empfindungsw., bei Edler Empfindungsbegriff, bei Adelung u. v. A. Empfinbungsw., bei Heinſius u. v. A Empfindungslaut.

III. Deklination. 1. Deklination.

Der griech. Name iſt klisis(½X⅜ε), der lat. declinatio: beide Namen bedeuten zunächſt ein ſinnliches Biegen, Neigen, Abweichen von der geraden Linie, Bewegen nach einem Orte hin und werden dann auf die Biegung des Nomens, in älteren Grammatiken auch auf die Biegung des Verbums übertragen. Schottel hat Abwandelung, Gottſched Abänderung, Klop⸗ ſtock Umendung, Heynatz Beugung, Heyſe Biegung, Fallbiegung, Fallwandelung, Schmitthenner Fallabwandelung, ¹) Deſaga Umwandelung, Weigand Namenbiegung, Reichelt Abbeugung. Von dieſen Namen iſt Biegung der verbreiteſte.

2. Numerus.

Die griech. Sprache hat drei, die lat. zwei Zahlen, die älteſte deutſche(goth.) zeigt noch Reſte des Duals(der Zweizahl.) Die griech. Namen für die Ein- und Mehrzahl ſind arithmos henikos, plethyntikos(dον⁸μς ενιακ, XnSvprxe), welche von den Römern genau durch numerus singularis, pluralis überſetzt wurden. Schottel und Stieler haben einzele (eintzele) und mehrere Zahl; Gueintz hat eintzige, einfache und mehrere, überein⸗

*) Wagner ſagt in ſeinem Uebungsbuch(1834) ſogar; Fallabwandelt jetzt folgende Hauptwörter.