Aufsatz 
Über deutsche Orthographie / Joseph Kehrein
Entstehung
[Giessen] [2019]
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(§K. 17). Man ſchreibt richtiger beredt(vgl. älternhd. beſchwätzt= redefertig, gewandt im Schwätzen), aber beſſer beredſam als beredtſam, da es durchſam von bereden (wie bedeutſam von bedeut-en), nicht vom Partic. beredt gebildet iſt. In handieren, hantieren, handthieren iſt an eine Zuſammenſetzung nicht zu denken. Das Wort iſt von Hand gebildet, wie auch Handel, handeln, und verlangt nach neuerer Schreibung die Form handieren, nach älterer aber hantieren.

Anm. Alternhd. handieren, hantieren, handtiren, von Hand, mhd. hant, pl. hende. Man hat

an eine Bildung aus dem franz. hanter(oft beſuchen) gedacht, welches Wort Nap. Landais(franz. Wörterb. Paris 1849) eher paſſend vom deutſchen hantieren leitet.

§. 34. th iſt goth. Aſpirata und ſteht an⸗, in⸗ und auslautend. Dieſer Aſpirata ent⸗ ſpricht hochdeutſch d(Bruder, goth. brôthar), das ahd. und mhd. hier und da mit th ausge⸗ drückt wird. Nhd. iſt th wieder in Gebrauch gekommen, aber nicht für das goth. th, ſondern (wenigſtens in vielen Wörtern) wahrſcheinlich daher, daß ein dehnendes h(§. 27) ſeine Stelle gewechſelt hat und zu t getreten iſt. Schon im 12. Jahrh. findet ſich roht, teht u. a.; im 14 15., Jahrh. Taht und That u. a.; im 15 17. Jahrh. nimmt der Gebrauch zu, es finden ſich Wörter, in denen wir heute kein th mehr ſchreiben, z. B. Thunder(Donner), Thunſt(Dunſt), Thanne(Tanne), Leuthe, Vather, Arth, Garthen, Thiſch⸗ thuch u. a. In neueſter Zeit zeigt ſich ein Streben, das einfache t wieder zurückzuführen, das in den deutlichen Ableitungen Armut, Heimat, Monat(§K. 8), in den zweifelhaften Ableitungen Wermut und Zierat(oder Zierrath, wie Hausratho), in dem ſcharf ge⸗ ſprochenen Wirt(wie Hirte) und in den fremden Bismut, Wismut, Pate, Partei, Abenteuer, Komtur, Kartauſe, Lazaret zunächſt ſtatt th ſich feſtſetzen, im Anlaut am ſpäteſten dem th weichen wird, etwa das halbfremde Thurm ausgenommen. Maut, Blüte, Brut, Flut und Glut verdienen den Vorzug. Geſchichtlich richtiger wären Drat und Nat, heute aber gebräuchlicher ſind Draht und Naht, minder Drath und Nath. Thon und Ton, Thau und Tau werden nach der Bedeutung unterſchieden.

Anm. Armut iſt ahd. armuoti, aramuoti, mhd. armuote, armuot, armote, armôt. Heimat iſt ahd. heimuoti, heimôti, mhd. heimuot, heimuote, heimòte, heimôt. Wexmut iſt ahd. werimuota, weri- muote, werimuothi, wermuothe, werimuot, wermuot, wermôta, wormôta, wormiôta, mhd. wermuote, angelſächſ. vermod, engl. wormwood. Für Zierat hat Ziemann das mhd.(ſichere?) zierödt. Thurm iſt mhd. turm, turn, ahd. turn, turri, lat. turris. Maut iſt mhd. muote, mute. Blut, Brut, Glut, mhd. bluot, bruot, gluot kommen zunächſt von blüejen, briejen, gliiejen, nicht von den nhd. Formen blühen, brühen, glühen, wie auch Drat und Nat, aràt, nat, von draejen, naejen, ſ.§. 27. Flut iſt mhd. vluot, ahd. fluot.

§. 35. Duzen iſt richtiger als(das nordd.) dutzen. Spazieren, nicht ſpatzie⸗ ren, ergibt der Urſprung aus dem latein. spatiari. Nach einem Diphthong iſt tz unſtatthaft, alſo nicht Kreutzer, heitzen(neben Hitze). Statt des hier und da vorkommenden Lanz⸗ knecht iſt Landsknecht zu ſchreiben, da die Landsknechte Fremde aus verſchiedener Herren Ländern waren, aber in der Regel keine Lanzen trugen.

§. 36. s und ſ werden ſchwankend gebraucht. In erkennbaren Zuſammenſetzungen iſt sſ, st, nicht ſſ, ſt zu ſchreiben, alſo dasſelbe, Dienstag, Donnerstag, Samstag, auch das abgeleitete ſechste iſt beſſer als ſechſte. Die Verbindungen ſt und ſp ſind deutſch, auch in der Sylbentrennung zuſammenzulaſſen, darum auch ſt, ſp, nicht st, sp zu ſchreiben, alſo Weſte, Knoſpe, liſpeln, nicht Weste, Knospe, lispeln. Die Verbindung sk iſt fremd und auch ſo zu ſchreiben, alſo Maske, Muskel, Floskel. In den deutlichen Zu⸗ ſammenſetzungen ſchreibt man darnach, alſo Diskuſſion, deſkriptiv, Reſkript. Das⸗ ſelbe gilt von Island, Islam, Israel, Ismael. Die Schreibung liest, löst für lieſt, löſt hat nichts für ſich.