Aufsatz 
Über deutsche Orthographie / Joseph Kehrein
Entstehung
[Giessen] [2019]
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Anm. Manch iſt goth. manags, ahd. manac, manag, mhd. manec, manic, mittelniederd. mannich und mannig, altfrieſ. manich, manch, auch ſchon kurz nach 1100 hochd. manech. Käfig iſt ahd. chevja, chevia, mhd. kevje, älternhd. keffig, kefich aus lat. cavea. Werch iſt ahd. wérich, wérch, wöre, mhd. wérch, wérc, wérk. Das älternhd. verſeyen, verſeigen, verſiegen(das mit ſiech, goth. siuks, ahd. sioch, mhd. siech§. 18 nichts gemein hat) iſt gebildet vom mhd. Participium gesigen, das zu den nach Form und Bedeutung verwandten Verben sihen(ſeihen) und sigen(ſinken) gehört. §. 26. g und j ſchwanken in gähe und jähe und gäten und jäten; in ſüdd. Aus⸗

ſprache überwiegen gähe, gäten, in nordd. jähe, jäten.

Anm. Ahd. gaähi, kahi, gétan, jétan, myd. gaehe, géten, jöten. §. 27. h iſt in neuerer Zeit vielfach angefochten worden, wobei manches wurzelhafte h

als dehnendes betrachtet(namentlich vor l, m, n, r) und ausgeſtoßen wurde. Unſere in- und auslautenden h zerfallen in 3 Klaſſen: 1) dehnendes h; 2) h für andere frühere Buchſtaben; 3) wurzelhaftes hed. i. ſolche, die ſchon in der älteſten Zeit vorkommen. Von der 1. Klaſſe braucht hier keine Rede zu ſein; die Wörter aus den beiden andern Klaſſen ſollen vollſtändi aufgezählt werden, da ſie bei einer ſehr zu wünſchenden Vereinfachung der Orthographie ihr 3 nicht ausſtoßen dürfen.

In mehreren Wörtern ſteht heute in- und auslautendeh für früheres j oder w: weh, froh, früh, roh, Stroh, Kuh, Uhn, Krähe, Ehe, Reiher, Weiher, bähen, blähen, krähen, mähen, nähen, drehen, wehen, drohen, blühen, brühen,

lühen, mühen, ſprühen, ruhen. In dem mit ruhen nicht verwandten geruhen ſteht h fürch(älternhd. geruochen, geruohen, geruechen, geruchen, mhd. geruochen = ſorgen, berückſichtigen), in Geweih für g(mhd. gewige).

Wurzelhaft iſt hin folgenden Wörtern: nah, gähe, zäh, feh(buntfarbig), Reh, Vieh, Floh, Schuh, Rahe(oft Raa), Schlehe, Sprehe, Zehe, Lohe(Flamme), Höhe, Truhe, Fluhe(Felswand), Reihe(Zeile und Fußtheil), Weihe(Vogel), fahen (davon fähig), ſchmähen, ſpähen, flehen, geſchehen, ſehen, gedeihen, leihen, reihen, ſeihen, weihen(Adj. weih, Weihnachten), zeihen, fliehen, ziehen, wiehern, Heher, Schweher, Gemahl, Mahlſchatz, Hahl(Keſſelhaken), Stahl, Sahlweide, Befehl, Dohle, Bühl(Bühel), Quehle(Handtuch), prahlen, nach⸗ ahmen, Ohm(Oheim), Böhmen, Lahn, zehn, Föhn(Wind), Mohn, Ahne(die), lehnen(Lehen), erwähnen, Ahre, Mähre(Pferd), Zähre, Fohre(Forelle), Föhre (Baum), Möhre(Rübe), Fehde. 1

Anm. Für die Partikel gilt ziemlich allgemein die Schreibung wol, für das Adjektiv dagegen wohl, welcher Unterſchied beizubehalten ſein möchte, obgleich Wolluſt feſt ſteht. Die Schreibung gahr für das Adjektiv, gar für die Partikel(von Radlof verlangt) iſt nicht durchgedrungen: beide Wörter werden heute gar geſchrieben. §. 28. k, c, ch ſchwanken in fremden Wörtern. Hat das Fremdwort durch Abfall der

fremden Endung ſich dem deutſchen Sprachſtande mehr genähert, ſo ſchreibt man, um allem Schwanken ein Ende zu machen, bei harter Ausſprache am beſten k, z. B. Punkt, Partikel, Prädikat, Konjugation, Deklination; bei weicher Ausſprache ſteht im Auslaut z, im An⸗ und Inlaut noch ſchwankend z und c, z. B. Prinz, Provinz, Prozeß, Proceß, Zeremonie Ceremonie, doch ſcheint z mehr durchzudringen, je mehr das Wort ſich einbür⸗ gert. Das fremdeſch wird bald beibehalten, bald in k verwandelt, z. B. Chriſt, Charak⸗ ter, Karte; verſucht, aber nicht durchgedrungen ſind Kriſt, Karakter, Charte. Die deutſchen Eigennamen Karl, Konrad, Kunz und die Wörter Kurfürſt, Karfreitag (Karſamstag, Karwoche) ſind richtiger als Carl, Conrad, Cunz, Churfürſt, Char⸗ freitag, doch die beiden letzten alterthümlich⸗ehrwürdig.