Aufsatz 
Über deutsche Orthographie / Joseph Kehrein
Entstehung
[Giessen] [2019]
Einzelbild herunterladen

11

Papſt, Probſt und Propſt ſchwanken, doch überwiegen allmählich die Formen Papſt, Propſt, während Babſt, Bapſt, Brobſt, Bropſt wieder ganz außer Gebrauch ſind. Anm. Barchent iſt mhd. parchat, barkAàn, barragàn, im 15. Jahrh. parchant, barchen, aus mittellatein. parcänus, parchànus, eig. barracänus, vom arab. barcàn, barracan Art langen ſchwarzen Ge⸗ wandes. Bausbacke iſt älternhd. pfaußback, pfauſspack, von älternhd. pawſen ſtrotzen, aufgebla⸗ ſen ſein. Bickelhaube iſt mhd. bickel, béckel, béggelhübe. Birſchen iſt mhd. birsen, vom alt⸗ franz. berser, bercer, mittellatein. bersare, ital. berciare treffen, eig. durchbohren. Wildbret iſt mhd. wiltpràt, wiltpraete, wilpraet, wiltbraete, wiltbrat, überhaupt jagdbares Wild, ſowol lebendes als auch ge⸗ tödtetes und zerlegtes. Papſt iſt lat. papa, papas, ahd. päbes, bàbes, bäbist, mhd. bäbes, bäbest, bàpst. Propſt iſt lat. praepositus, ahd. prôbest, probist, prôbast, prövost, mhd. prôvost, pröbest, prôbst, brõbest. §. 23. ph ſteht nur in Fremdwörtern, in denen das heute hier und da beliebte f zu meiden iſt. Geografie, Filoſofie, Fiſik ſind nicht deutſch und nicht griechiſch, darum u verwerfen. In den deutſchen Wörtern Adolf, Ludolf, Rudolf, Weſtfalen verdient ſndan Vorzug, wird aber, weil es Eigennamen ſind, nicht ſobald durchdringen. Epheu lautet in manchen Gegenden Ep⸗heu. Anm. Adolf iſt ahd. Aqdalolf, gothiſchlatein. Ataulfus; jenes iſt Edelwolf, dieſes iſt im zweiten Theil Wolf, goth. vulfs, wobei Ata unerklärt bleibt, wenn nicht das ahd. abgeleitete adal, das goth. fehlt, in ſeiner Wurzel mit goth. at zuſammenhängt. Ludolf iſt ahd. Hludolf, altfränk. Chludulf, Chlodulf Ruhmwolf, Ruhmgieriger. Rudolf, ahd. Hruodolf bedeutet dasſelbe. Weſtfalen heißt ahd. Westfalun. Epheu, im 16. und 17. Jahrh. Ephew, Ebhew, mhd. das ebewe, ebowe, ebihewe, ephou, ebhowi. Das Wort iſt, wie das gleichbed. ahd. der ephi, epfi, epphi, ephfi, ephe, epfe, effe, ephih, ephich, epphich, mhd. epfich, eppe, nhd. Eppich, aus lat. apium, und die beiden entlehnten Namen wurden auf das Wintergrün(lat. hedera), für welches ſie z. B. Lonicerus( 1586) gleichgeltend hat, übergetragen. Hierbei aber ſuchte man den erſten Ausdruck durch die freilich ungeſchickte Anlehnung an Heu(Ep⸗hew) volks⸗ verſtändlich zu machen, und das ahd. epfih(Eppich) miſchte ſich mit dem zu ap in lat. apium lautverſchoben ſtimmenden ahd. öbah, 1469 mittelrhein. öbich, angelſächſ. iſig Wintergrün. Weigand. §. 24. f und v ſchwanken in Feſt(Kirchenfeſt) und Veſte, Veſtung: in beiden iſt f vorzuziehen. Alkofen ſcheint über Alkoven zu ſiegen. Das mehr der Volksſprache ange⸗ hörige Wort Viernſel(gewöhnlich der vierte Theil eines Malters, oberdeutſch Vierling) wird hier und da unrichtig Firnſel geſchrieben. Anm. Das Feſt iſt mhd. föst, aus lat. festum. Die Feſte iſt ahd. fasti, festi, mhd. feste, veste.

Alkofen im 18. Jahrh. aus franz. engl. alcove, ital. alcova, ſpan. alcoba, arab. algoba; altfranz. aucube d. i, alcube, daraus mhd. ékub, ékube.

*

b. Gaumenbuchſtaben.

§. 25. ig und ich ſchwanken heute nur in wenigen Wörtern. Unſer Eſſig, ade⸗ lig, billig, voöllig, unzählig, unzweifelig ſtehen nach der älteren Sprache für Eſſich u. ſ. w., haben ſich aber einmal mitig feſtgeſetzt und ſind auch forthin ſo zu ſchrei⸗ ben. Allmählich iſt einzig richtige Schreibung(ruhig, ohne Anſtrengung, ohne ſonderliche Empfindung, allgemächlich), nicht allmälig. Mannigfach, mannigfaltig verdie⸗ nen den Vorzug, dagegen iſt der Ausſprache wegen mancher, manchmal zu ſchreiben. Für mogte iſt das kurze mochte zu ſchreiben, obwol der Infinitiv mögen(mit langem ö) lau⸗ tet. Folgenden Subſtantiven gebührt nach der älteren Form ich, nicht das noch hier und da auftretendeig: Attich, Bottich, Eppich(§. 23 Anm.), Eſtrich(§. 12), Fittich, Lattich, Pfirſich, Rettich, Sittich(Papagei), Teppich, Zwillich und Drillich, oder Zwilch und Drilch. In Käfig(Käfich) und Werch(Werg, Werk) ſchwankt die Schreibung ſeit alter Zeit. Teig und Teich, Zwerg und zwerch ſind nach der Bedeu⸗ tung unterſchieden. Statt des richtigen verſiegen(vertrocknen) findet man zuweilen verſiechen.

2*