10
gung des Verbums beſtehen ließ. Im 14. Jahrh. finden ſich ſchon einzelne deutſche Wörter mit dieſer Ableitung, z. B. halbieren, hofieren, ſtolzieren. Die Ableitungsform iſt eine fremde, das fremde und deutſche Wort wird am Stamm, nicht an der Schreibung mit —iren oder—iteren erkannt: allen gebührt darum— ieren.
d. Der Apoſtroph.
§. 19. Der Apoſtroph, der dem Streben nach Deutlichkeit für das Auge ſeine Einfüh⸗ rung verdankt, iſt der früheren deutſchen Sprache fremd. Ich habe ihn zuerſt gefunden in der Pſalmenüberſetzung von Ulenberg(1582), wo er an zwei Stellen(S. 212. 412) ſteht: „wirſt' auffnemen; der heiden gött' an allen enden.“ Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrh. verbreitete er ſich immer mehr und wurde zuletzt ganz ſinnlos, indem die Weglaſſung mehrerer Buchſtaben, ja ganzer Flexionsſylben dadurch vertreten werden ſollte: ne Vorhut, Kön'g', Plautus' Komödien. Am beſten wird man mit den meiſten neueren Sprachforſchern den Apo⸗ ſtroph weglaſſen, ſich aber vor Sprachverſtümmelungen hüten. Entſchuldigt mag der Apoſtroph werden in da's, die's, wie's zum Unterſchied von das, dies, wies und im Präteritum ſchwacher Verba zum Unterſchied vom Präſens: er liebt', redet'.— Bei Eigennamen darf verlangt werden, daß der Deutſche die Namen ſeiner berühmten Männer kennt, und alſo bei Klopſtocks, Göthes, Schillers u. a. nicht im Zweifel iſt. Wo durch die Genitivendung der Eigenname einem andern im Nominativ gleich wird, und man Verwechſelung fürchten muß, da mag aus demſelben Grunde der Deutlichkeit der Apoſtroph geſetzt werden: Adam's, Adams, Jacob's Jacobs, Peter's Peters, Henke's Henkes. Anm. Formen, wie Vater's, Engel's, zu'r, zu'm, ſind ganz unerträglich, und nun gar i'm! Denn ſo müßte bei einiger Folgerichtigkeit doch geſchrieben werden.
II. Konſonanten.
§. 20. In Bezug auf Schwankungen in der Orthographie kommen nicht alle Konſo⸗ nanten in Betracht.
a. Lippenbuchſtaben.
§. 21. b und f ſchwanken in den hochdeutſchen, aber heute mehr der gewöhnlichen Um⸗ gangsſprache überlaſſenen Wörtern Haber und Hube und den mehr niederdeutſchen Hafer und Hufe. Schwefel hat über das heute mehr den ſüddeutſchen Mundarten angehörige Schwebel den Sieg davon getragen. Für Zwiebel hört man oft die vornehmer ſein ſol⸗ lende Form Zwiefel.
Anm. Haber iſt ahd. habaro, mhd. habere, altſ. havoro, holländ. haver; Hube iſt ahd. huoba und hôöba, mhd. huobe, altſ. höva; Schwefel iſt goth. svibls, ahd. suéuel, suéual, suöbal, suébil, suébel, swöbel, mhd. swébel, agſ. svöful; Zwiebel iſt ahd. zwibollo, zwivolle, mhd. zwipol. §. 22. b und p ſchwanken in Barchent, Bausbacke, Bickelhaube, birſchen,
Wildbret neben den minder richtigen Parchent, Pausbacke, Pickelhaube, pir⸗ ſchen, Wildpret. Das von Platen, K. Preſer u. e. A. wieder eingeführte Haubt iſt nicht allgemein geworden ſtatt des richtigeren Haupt. Die fremden(latein.) Pabſt und


