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kriechen, riechen, klieben, ſchieben, ſchnieben(ſchnauben), ſtieben, kieſen, frie⸗ ren, verlieren, biegen, fliegen, fliehen, ziehen.
Anm. Dienstag hat ſeinen Namen nicht vom alten Gotte Odin, ſondern von Ziu und lautet mitteldeutſch Diestag, an der Rhön Diestik, niederſächſ. Tiesdag, altfrieſ. tysdei, tiesdei, angelſächſ. tivesdäg, altnord. tysdagr vom altnord. Tyr, ahd. Zio, woher dieſer Tag in oberdeutſch. Form Ziſtag, alemann.(bei Hebel) Ziſtig, ahd ziestac heißt. Letztere Form wurde im ſpätern Hochdeutſch nicht gel⸗ tend, ſondern die niederdeutſche mit eingeſchobenem n; ſchon in niederdeutſchen Urkunden von 1261 und 1332 dinsdag, dinsedagh.
3. ie ſteht organiſch im Präteritum der ſtarken Verba: fallen, halten, ſchlafen, braten, rathen, blaſen, laſſen, heißen, hauen, laufen, rufen, ſtoßen, alſo fiel, hielt u. ſ. w. Zu ihnen gehören auch fangen, hangen, gehen(ahd. gangan, mhd. gangen, gan, gén), deren Präterita fing, hing, ging zunächſt der norddeutſchen Aus⸗ ſprache ihr Entſtehen verdanken, aber minder berechtigt ſind als fieng, hieng, gieng, die wieder immer mehr durchdringen, wie ſie früher allein gebraucht wurden.
4. ie ſteht für mhd. ei im Präteritum der ſtarken Verba: ſchreien, ſp eien, ſchei⸗ nen, bleiben, reiben, ſchreiben, treiben, meiden, ſcheiden, preiſen, weiſen, ſchweigen, ſteigen, gedeihen, leihen, ſeihen, zeihen, aus dem es Einige jetzt, hoffentlich ohne Erfolg, zu verdrängen ſuchen.— Bei dieſen Verben iſt im Präſens ei ſtatt des mhd. 1 eingetreten. Im Präteritum Sing. hatten ſie mhd. ei, Plur. i(ich grife, ich greik, wir griften); älternhd. ſuchte man dem Sing. und Plur. gleichen Ablaut zu geben, was aber erſt nach langem Schwanken gelang. In jenen Verben, die auf eine Tenuis oder Aſpirata auslauten, drang das kurze i des Plur. auch in den Sing.(greifen, ſtreiten, reißen, gleichen ec.); in den andern drang der lange Vokal des Sing. in den Plur. ein, ſchwankte aber lange zwiſchen ai, ei, i, y, bis zuletzt ie den Sieg errang(er ſchain, ſchein, ſchin, ſchyn).
5. ie ſteht in den deutſchen Wörtern Beiſpiel und Mieder für andere Vokale nun feſt; das noch ſchwankende liederlich iſt beſſer als lüderlich. In verſchiedenen Fremd⸗ wörtern ſteht ie nun feſt: Koketterie, Kavallerie, Brief, Siegel, Spiegel, Tie⸗ gel, Ziegel, Fieber, Stiefel, Fiedel; in einigen ſchwankt ie und ei: Paradies Paradeis, Litanie Litanei, Melodie Melodei, Pedanterie Pedanterei. Partie und Partei unterſcheidet die jetzige Sprache; doch ſteht Partie mitunter für Par⸗ tei, nicht aber Partei für Partie.
Anm. Beiſpiel iſt mhd. bispél Beirede, von goth. spill, ahd. mhd. spél Rede, Erzählung, goth. spillôn, ahd. spöllön, mhd. spéllen erzählen, verkündigen, plaudern; vgl. weſterwäld. ſpillen gehen d. i. plaudern gehen.— Mieder iſt mhd. muoder, mder, oberd. Müder.— Liederlich taucht erſt um 1400 auf, liederlich= leicht in Wuchs, Bewegung ꝛc.; dann unwichtig, geringfügig, als unwerth geachtet; dann leichthin, überlegungslos; aber ſchon wenigſtens 1429 leicht zum Geben, freigebig. Aus letzterer Be⸗ deutung iſt die heutige entſtanden, wobei das Wort immerhin an luoder Schlemmerei, Lotterleben ange⸗ lehnt ſein mag.— Paxradies, griech. paradeisos(αα⁴⁶σέ⁶ος), iſt vom ſanſkr. pära= hoch und désa = Land.
6. ie ſteht in den fremden und deutſchen Ableitungen auf—ier,— ieren, wo es übrigens Einige noch nicht überall dulden wollen, dabei aber in argen Widerſpruch mit Bar⸗ bier, Juwelier, Klavier, Manier, Regierung u. a. gerathen. Dieſe Ableitungs⸗ form, goth. und ahd. nicht vorhanden, findet ſich erſt in der zweiten Hälfte des 12. Jahrh. und zwar in fremden(franzöſiſchen) Wörtern in der höfiſchen Poeſie, die aus altfranzöſiſcher Quelle ſchöpfte, indem man in roher Auffaſſung der ausländiſchen Wortgeſtalt das infinitiviſche Zeichen(altfranz.— ier, das eigentlich nur aus dem lat. Infinitiv— iare oder— igare gebil⸗ det iſt und ſich dann auch auf andere Infinitive erſtreckt) charakteriſtiſch durch die ganze Bie⸗
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