Aufsatz 
Über deutsche Orthographie / Joseph Kehrein
Entstehung
[Giessen] [2019]
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in mehreren Fremdwörtern: Allee, Armee, Fee, Idee, Kaffee, Livree, Moſchee, Thee u. a.; nicht mehr allgemein in ſchel, ſelig, Bere, Schere, Schmer, Sper, Herd, Herde. Anm. Die angeführten deutſchen Wörter ſind ahd.: cléo, snéo, séo, séola(goth. säivala), hari

und heri(goth. harjis), läri, mare, varherjon, betti(Bett und Beet); scélah(vgl. ſchilchen), sälig

(goth. sélis, gar nicht zu Seele gehörig, urſpr. ſ. v. a. beſitzend, habend, dann in chriſtlichem Sinn auf das

werthvollſte Gut angewendet), beri(goth. basi), scàri, der sméro(goth. smairthr), das spér, hört, hörta

(goth. hairda); mhd. klé, sné,, séle, her, laere, mer, verherjen und verhern, bette; schölch, saelec,

ber, schaere, smér, spér, hört, die hört.

§. 4. vo wird heute noch allgemein geſchrieben in: Moor, Moos und in dem aus England und Holland uns zugeführten Boot(engl. boat, holl. boot); nicht mehr allgemein in: Sole(Salzſole), Schoß(Schooß, Schoos), Loß(Loos) und dem niederdeutſchen Lotſe. Der Umlaut von oo wird ö geſchrieben, alſo Boot, Bötchen.

Anm. 1. Die angeführten deutſchen Wörter ſind ahd.: muor, mos; der scôz und die scôza(goth. der, das skauts), das hlôz und 10(goth. der hlauts); mhd.: muor, mos; sulhe und sul, der schôz und die schôze, das, zuweilen der 15.

1 unm. 2. Noch Haller(†⁸ 1777) hat die und der Schoß. Unſer Schoß(Steuer) iſt mhd. der schoz.

2. Schreibung einzelner Vokale.

a. Einfache Vokale.

.§. 5. a ſteht heute in der Schriftſprache feſt, ſchwankt nur in den Mundarten. Sein Übergang in o ſ.§. 8.

§. 6. e entſpricht heute dem früheren geſchloſſenen oder gebrochenen é und dem offenen, aus a umgelauteten e(§K. 12), z. B. der Regen und regen. Blutegel iſt richtiger, Blutigel dringt aber immer mehr ein.

Anm. Regen iſt goth. rigns, ahd. régan, mhd. régen; regen iſt mhd. regen, aus einem älteren ragjan. Blutegel iſt ahd. ögalâ, ékalã, mhd. égele, égel, älternhd. bei Stieler Eigel, Egel, Blut⸗ igel, Volksſpr. deute hier und da Blutil. Der Igel iſt ahd. igil, mhd. igel, bei Stieler Igel, Egel, Eigel, Volksſpr. Säuil(Sauigel). §. 7. i ſteht heute in der Schriftſprache feſt, wechſelt in dem eben(§. 6) angeführten

14.

Blutigel mit e und in einigen Wörtern mit ü, ſ.§ §. 8. o ſteht heute in der Schriftſprache feſt, mag es dem mhd. o oder ö entſprechen,

z. B. Korn, hoch, oder für andere mhd. Vokale, namentlich für à eingetreten ſein, z. B. ohne, Monat. Wir ſchreiben jedoch Wahn neben Argwohn, Athem neben Odem, Docht neben dem älteren Dacht(noch bei Göckingk, Thümmel, Leſſing).

Anm. Die angeführten Wörter ſind goth.: kaurn, häuhs, ménôths, véns, ahma; ahd.: chorn, höh, äno und aànu, màânôd, wan, arcwân, àâtum(ſt. Adum, urſpr. wol ahadum), das täht und däâht; mhd.: korn, hôch, aâne, maânet, wan, arcwaàn, àtem, tâht; älternhd.: Manet, Maneyd, Monet, Mont; Argwahn, Argwon; Tacht, Dacht. §. 9. u ſteht heute in der Schriftſprache feſt, mag es organiſch ſein oder unorganiſch,

z. B. in Furcht, Spur und demn ſehr entſtellten Zuber, der an zwei Ohren getragen wird, wie Eimer, der nur eine Handhabe hat.

Anm. Die angeführten Wörter ſind ahd.: forahta, forhta(goth. faúrhtei), spor, zuipar, einpar; mhd.: vorhte, vorht, spor, zuber, eimber.