Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Hadamar : 1. Teil
Entstehung
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für moraliſche Vorleſungen verwendet. Am Sonntage wird Morgens und Nachmitags Gottesdienſt gehalten, nebſt dieſem noch Morgens von 1011 Religionsunterricht gegeben, und Abends von 56 werden deutſche Vor⸗ leſungen aus guten und nützlichen Schriftſtellern gehalten.

Lehrgegenſtände und Lehrmethode.

1) Religion. In der Glaubenslehre wird ein beſtändiger Unterricht mit Verbindung der Moral gegeben. Die Beweiſe von der Wahrheit der chriſtlichen Religion werden deſto ausführlicher vorgetragen, damit diejenigen, welche nach der Zeit auf Akademien weiter nichts von der Theologie hören, deſto feſter in der Religion begründet werden. Der Religionsunterricht wird, als der wichtigſte und weſentlichſte, mit aller erforderlichen Sorgfalt, Ge⸗ nauigkeit und Ausführlichkeit gehalten. Die Glaubenslehren werden nicht blos dem Gedächtniſſe anvertraut, ſondern ſo vorgetragen, daß der Verſtand überzeugt, Herz und Wille gebeſſert werden. Vorzügliche Rückſicht nimmt man, die Jünglinge vom Daſein Gottes, den göttlichen Vollkommenheiten und den Verhältniſſen des Menſchen mit ſeinem Schöpfer zu belehren. Be⸗ ſeelt der Glaube an einen Gott, Schöpfer, Weltregierer, Vergelter des Guten und Böſen, Vater und Freund der Menſchen das Herz des Jünglings, ſo wird er durch keine günſtige oder ungünſtige Ereigniſſe, die ihm begegnen, in der Tugend erſchüttert und in ſeinem Glauben irre gemacht werden. Vor allen ſucht man ſie mit dem wahren Geiſte des Chriſtenthums bekannt zu machen. Frühe muß die Jugend auf das Urbild aller Heiligkeit, auf die Thaten Jeſu und ſeine Lehren aufmerkſam gemacht werden; frühe von dem wahren Zwecke der Sendung dieſes himmliſchen Lehrers, von der Vortreff⸗ lichkeit, Heiligkeit, Wohlthätigkeit, Vernunftmäßigkeit ſeiner Lehren und den allerwichtigſten Gründen, auf welchen er ſein evangeliſches Lehrgebäude auf⸗ führte, überzeugt werden, wenn nicht frühe, ſtatt reiner Gottes⸗ und Men⸗ ſchenliebe, Gleichgiltigkeit gegen Gott, Ewigkeit, Tugend, Religion in ihren Herzen entſtehen ſoll.

2) Lateiniſche Sprache. Man iſt bei dem Unterricht in den alten Sprachen vorzüglich darauf bedacht, daß ſie nicht bloß als Sprachen, ſon⸗ dern mit ihnen zugleich Sachen begriffen, und die gemeinen Kenntniſſe, die unſer erſtes Nachdenken erwecken und ſchärfen können, beigebracht werden, und daß ſich Jünglinge aus der Erklärung alter Klaſſiker zugleich mannigfaltige Einſichten, Urtheil, Materialien hiſtoriſcher und philoſophiſcher Art, Grund⸗ ſätze der Moral und Weltklugheit, und ſelbſt eine Art von Erfahrung ſam⸗ meln können. Auf dieſe Art ſucht man den Unterricht in der lateiniſchen Sprache und die Erklärung der Schriftſteller ſo einzurichten, daß das Ge⸗