Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Hadamar : 1. Teil
Entstehung
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torik wurde der Sinn für das Schöne in den redenden Künſten geübt: die verſchiedenen Gattungen des Styls in Poeſie und Proſa wurden an Muſtern gezeigt und durch eigene Verſuche zur tieferen Anſchauung gebracht. Die red⸗ neriſche Bildung war ganz eigentlich das Ziel, auf welches der ganze Unter⸗ richt in den ſchönen Wiſſenſchaften berechnet war. Der Lehre von der Be⸗ redſamkeit im engeren Sinne des Wortes wurde gewöhnlich ein volles Jahr (die Claſſe der Rhetorik) gewidmet; alle Erklärung der Schriftſteller, ganz beſonders der Redner, diente dieſem Zwecke.

Um die Erziehung zu fördern, was jedenfalls durch eine genaue Kenntniß der geiſtigen Eigenſchaften, der Gemüthsart, der Neigungen, Ge⸗ wohnheiten ꝛc. der Schüler ſehr erleichtert wird, hatten die Jeſuiten das in unſern Tagen einerſeits verworfene, andererſeits angeprieſene Claſſenſyſtem eingeführt, und zwar in ſo umfaſſendem Sinne, daß(wie auch das unten folgende Lehrerverzeichniß zeigt) ein Lehrer ſeine Schüler gewöhnlich durch mehrere Claſſen, nicht ſelten durch die ganze Anſtalt begleitete.

In Bezug auf Zucht und religiöſe Bildung ſagt Karl, deſſen Worte durch einzelne Notizen aus den vor mir liegenden Actenſtücken, wie durch die Vorſchriften im Lehrplan der Jeſuiten beſtätigt werden, a. a. O. S. 29 und 64:Ehemals legte man auf die Zucht ſehr großen Werth und gab ihr daher auch eine große Ausdehnung. Sie beſtimmte nicht nur die Ordnung in der Schule, ſämmtliche Arbeiten und Uebungen, ſie ſchrieb auch die Zeit, die Dauer und die Art des Gottesdienſtes und mancher Andachts⸗ übungen vor; regelte das Studium außer der Schulzeit; wachte über das Aeußere der einzelnen Zöglinge und der ganzen Anſtalt; aber mit beſonderer Sorgfalt ſuchte ſie die ſittlichen Gefahren von der Jugend abzuwenden. Zu dieſem Zwecke hatte ſie ſtrenge Regeln für die Aufnahme und die Entlaſſung; geſtattete nicht in jeder Familie zu wohnen, noch auch öftere Beſuche abzu⸗ ſtatten; wachte über den Umgang und die vertraulichen Bekanntſchaften, ganz beſonders aber über die Lectüre der Jugend; duldete keine Gelegenheit zur Spiel- und Trinkſucht, und erlaubte nur aus beſondern Gründen, die Woh⸗ nung zur Nachtzeit zu verlaſſen und ſich von der Stadt weiter als bei ge⸗ wöhnlichen Spaziergängen zu entfernen... An Sonn⸗ und Feiertagen hatten die Studenten außer ihrem beſondern Gottesdienſte eine Predigt oder geiſt⸗ liche Leſung, und ein Theil derſelben die Andachtsübungen der geiſtlichen Con⸗ gregationen. In der Woche wurden ſie vor oder nach der Schule in die heilige Meſſe geführt; die Schule ſelbſt wurde mit Gebet angefangen und be⸗ ſchloſſen; einmal in der Woche hielt jeder Lehrer eine Ermahnungsrede; auſ⸗ ſerdem war ihm vorgeſchrieben, bei paſſender Gelegenheit während des Un⸗ terrichts und in Geſprächen außerhalb der Schule die frommen Geſinnungen