Um das Gedächtniß zu ſtärken, um einen Schatz von Wörtern und Redensarten zu ſammeln, um ſchöne Gedanken im ſchöner Form ſich eigen zu machen, wurde in allen Claſſen viel auswendig gelernt, und jeden Sams⸗ tag das in der Woche Durchgenommene wiederholt. Täglich wurden ſchrift⸗ liche Uebungen in der lateiniſchen, griechiſchen und meiſtens auch in der Mutterſprache ¹5), ſehr oft(wenn auch nicht täglich) mündliche in der latei⸗ niſchen und in der Mutterſprache in der Schule und bei öffentlichen Feier⸗ lichkeiten durch alle Claſſen vorgenommen. Daran reiheten ſich eigentliche Diſputierübungen, redneriſche Wettkämpfe, in denen die Schüler einer Claſſe bald unter ſich, bald im Beiſein einer höheren Claſſe Proben ihres Fleißes und ihrer Fortſchritte ablegten. Dazu kamen die ſogenannten Schulakade⸗ mien d. h. Vereine der beſſeren Schüler höherer Claſſen, die in ihren Zu⸗ ſammenkünften außer der Schulzeit ſchriftliche und mündliche Uebungen aller Art anſtellten, oder Gedichte und redneriſche Aufſätze zur Prüfung vorlegten.
Geſchichte, Geographie, Mythologie(Archäologie) und Mathematik ſtan⸗ den zwar dem Sprachunterricht nach, wurden jedoch in allen Claſſen gelehrt. Bei der Auswahl der lateiniſchen und griechiſchen Schriftſteller ſtanden, wie billig, die heidniſchen Claſſiker oben an, ſie wurden jedoch meiſt in ſo ge⸗ nannten purgierten Ausgaben, d. h. mit Weglaſſung der anſtößigen, die Sittlichkeit untergrabenden Stellen geleſen. Daneben griff man auch zu Ab⸗ ſchnitten aus der heiligen Schrift ſo wie zu den Werken der Kirchenväter Chry⸗ ſoſtomus, Baſilius, Gregorius von Nazianz, Hieronymus u. A.
Die drei bis vier erſten Jahre waren ganz beſonders dem Sprachſtudium gewidmet. In den folgenden zwei Claſſen, Poetik(auch Humanität) und Rhe⸗
recte atque ordine procedendi in literis humanioribus aetati tenerae tradendis, do- centium et discentium commoditati atque utilitati conscripta.(Aus den dreißiger Jah⸗ ren des 18. Jahrhunderts.) Der Societät Jeſu Lehr⸗ und Erziehungsplan, treu dargeſtellt und mit Bemerkungen begleitet von dem Verfaſſer der Grundprincipien eines Schul⸗ und Erziehungsplanes. Landshut 1833—1836. 3 Bde. 8. J. M. Karl: Ueber die alten und die neuen Schulen. Mainz 1846. 8. Raumer, Geſchichte der Pädagogik.
¹⁵) Daß die deutſche Sprache nicht in allen(wenn auch vielleicht in einigen) Jeſuiten⸗ ſchulen unſeres Vaterlandes vernachläſſigt worden ſei, was man hier und da behaupten hört, ergibt ſich aus der Biographie des Jeſuiten Mich. Denis in den Hiſtor. polit. Blättern, Bd. 16. S. 394 f.— Die Reg. 5. des Lehrplanes ſagt in dieſer Beziehung:„Wenn die Inter⸗ pretation in der Mutterſprache geſchieht, ſo muß man ſorgen, daß ſie aufs ſchönſte und ge⸗ ſchmackvollſte gegeben werde; denn auch das Studium der Mutterſprache ſoll in der Schule auf keine Weiſe vernachläſſiget werde.“


