ohne ſich dabei verwerflicher Gewaltsmaßregeln ſchuldig zu machen. Zu ſei⸗ ner eigenen religiöſen Fortbildung wie zum Unterrichte ſeiner Kinder und zur Verkündigung der katholiſchen Lehre ließ er zwei Jeſuiten(Joh. Ri ngelius aus Coblenz und Heinrich Brack) nach Hadamar kommen. Die Erziehung der Jugend lag ihm überhaupt ſehr am Herzen. Er entwarf ſelbſt einen Plan zum Unterrichte ſeiner Söhne und ließ ſie, zur Belebung ihres Eifers, mit andern wohlbegabten Kindern(der Adeligen an ſeinem Hofe, und auch fremden) unterrichten. Im Sommer mußten ſie um 5, im Winter um 6 Uhr aufſtehen. Die erſte Stunde war ihnen zum Ankleiden und Beten ge⸗ ſtattet, hierauf begann der Unterricht. Eine Stunde darauf wohnten ſie der beiligen Meſſe bei, in welcher die Prinzen ſelbſt miniſtrierten. Dann wurde das Frühſtück genommen. So wechſelten die Stunden mit Unterricht und Er⸗ holung bis 8 Uhr Abends, wo die Kinder nach vollendetem Gebet zu Bette giengen. Am Sonntag begleitete der Fürſt ſelbſt ſeine Söhne in die Pfarrkirche, wo ſie, wie andere Schüler, ihre aufgegebenen Lectionen aus dem Gedächtniß herſagten und die geſtellten Fragen beantworteten.
Was ſo im Kleinen geleiſtet wurde, wünſchte Johann Ludwig ins Große ausgedehnt. Er trat darum bald nach ſeiner Zurückkunft von Wien mit dem Kaiſer Ferdinand II., dem Pabſt Urban VIII., dem Kurfürſten Lothar von Trier und dem Jeſuitengeneral Mutius Vitellescus in Unterhandlung, um in Hadamar ein Jeſuitenkloſter(eine Jeſuiten reſidenz, wie dergleichen Anſtal⸗ ten genannt wurden) zu errichten. Unter andern Urſachen führt eine(deutſch und lateiniſch vorhandene) Denkſchrift aus damaliger Zeit an:„Bevorab zum dritten, dießen orthen nit geringer nutz vndt Frücht, alß anderßwo zu verhoffen ſtündte 1) inn anführung der jugent zum wenigſten auff die drey vnderſte ſchulen ³), 2) im predigen vndt Kinderlehren bey denen weit vnd breit vmbgelegenen ör⸗ thern.“
Die vom Kaiſer unter dem 26. Auguſt 1630 erfolgte Einwilligung, die vom Pabſt unter dem 12. April 1631 gegen die Einwendungen des Kurfür⸗
Ludwig gebaut, der jetzige Kirchhof am 28. Juli 1628 eingeſegnet. Der erſte lutheriſch ge⸗ ſinnte Pfarrer war Gerhard Lorrich, der 1546 ſeinen Abſchied erhielt und nun Lutheraner wurde. Anhänger der lutheriſchen Lehre waren ſeine Nachfolger Joh. Stein(1546—64) und Peter Daub(geſt. 1591). Letzterem folgte noch vor ſeinem Tode Konrad Wenken⸗ bach von Marburg(1575— 1613), der erſte reformierte Pfarrer. Sein Sohn und Nach⸗ folger Gottfried wurde 1629 von Johann Ludwig entlaſſen.
*) In erudiendo pueritiam in tribus minimum grammatices classibus heißt es in
der lateiniſchen Denkſchrift.


