Aufsatz 
Geschichte des Gymnasiums zu Hadamar : 1. Teil
Entstehung
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1638) und verlegte ſeine Reſidenz von Dillenburg nach Hadamar, wo das junge Fürſtenpaar mit lautem Jubel empfangen wurde.

Auf ſeinen verſchiedenen Reiſen hatte Johann Ludwig mehrfach Gelegen⸗ heit, die katholiſche Religion und ihren Cultus kennen zu lernen. Er fühlte ſich davon angezogen und ſuchte, als redlicher Forſcher, immer tiefer einzu⸗ dringen. Sein, ſchon im Jahre 1626 in einem Brief an ſeine Verwandten geäußerter Wunſch, von der reformierten zur katholiſchen Religion überzutreten, ſollte jedoch erſt ſpäter in Erfüllung gehen, und zwar bei folgender Gelegen⸗ heit.

Die durch Tapferkeit und Heldenmuth, zwei ihrem Hauſe erbliche Tu⸗

enden, ausgezeichneten Grafen von Naſſau) hatten durch ihre Unterſtützung Friedrichs V. von der Pfalz den Zorn des Kaiſers Ferdinand II. auf ſich geladen. Der Kaiſer rüſtete ſich, die Kühnen zu ſtrafen. Um die drohende Gefahr abzuleiten, wurde der gewandte Fürſt Johann Ludwig, der ſpäter als ruhmgekrönter Meiſter ſeine diplomatiſche Kunſt bei Abſchließung des weſt⸗ fäliſchen Friedens(1648) bewährte, nach Wien geſandt, wo er im Juli 1629 ankam. Durch die mitgebrachten Empfehlungen von Dr. Reinhard Ziegler, dem Beichtvater des Mainzer Kurfürſten Georg Friedrich von Greiffenklau (für den er im Jahre 1627 in Nom das Pallium holte), an Dr. Lamer⸗ maini, den Beichtvater des Kaiſers und andere dem Kaiſer werthe Perſonen, durch den Eindruck, den ſeine eigene körperliche und geiſtige Perſönlichkeit machte, gelang der Zweck ſeiner Sendung. Die religiöſen Belehrungen der Jeſuiten Lamermaini und Wiltheim bereiteten ihn weiter vor zu dem wichtigen Schritte einer Religionsänderung, die in Wien erfolgte(8. Sept. 1629).

Nach ſeiner Rückkehr(in der zweiten Hälfte Decembers 1629) wirkte

Johann Ludwig für die Ausbreitung der katholiſchen Lehre in ſeinem Lande,)

) Die Grafen der Ottoniſchen Linie in Deutſchland: Johann Ludwig und ſeine Brüder Ernſt Kaſimir von Diez(geſt. 25. Mai 1632), Johann der Mittlere von Siegen(geſt. 17. September 1623), Wilhelm Ludwig von Dillenburg(geſt. 31. Mai 1620), Georg von Beil⸗ ſtein und Dillenburg(geſt. 9. Auguſt 1623), ſo wie einige ihrer Söhne.

¹) Zum näheren Verſtändniß des Geſchichtlichen möge Folgendes dienen. Als älteſte Kirche in Hadamar iſt aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts(1320 25) die dem Kloſter Eberbach gehöreude Kapelle auf dem Ägidienberg(Mönch⸗, Franciscanerberg) zu nennen. Bald darauf bauete Jacob von Freyſa auf ſeinem Eigenthum auf dem Agidienberg eine Kirche, deren erſter Pfarrer er ſelbſt war(135872). Dieſe Kirche blieb die Pfarrkirche bis ins 16. Jahrhundert, wo die(um 1440 gebauete)Kirche unſerer lieben Frauen im Thal (die jetzige Todtenkirche) Pfarrkirche wurde. Die Gruft darin wurde 1623 von Johann