Aufsatz 
Über den Privatfleiß der Zöglinge auf öffentlichen gelehrten Schulen
Entstehung
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vermag frühe Gewöhnung an ſtrenge, geregelte, nützliche Beſchäftigung? Könnte wohl Jemand zweifeln, daß auch der Jüngling, welchen als Knaben, in dem Kreiſe ſeiner gelehrten Elementarbildung Privatfleiß auszeichnete, mit eben der Liebe und eben dem feurigen Eifer dem Ziele ſeiner Bildung auf höheren Schu⸗ len entgegenſtreben werde? Wie ſteht dieſer Jüngling geſichert da gegen die um ihn her herrſchende Arbeitsſcheu, gegen alle die Zeit, die Sitten und den Geſchmack an dem Wahren, Schönen und Erhabenen tödtende Vereitelung und die in Thor⸗ heiten ſich gefallende Prahlerey! Wie wird dieſer thätige Jüngling, ſchon früh an Selbſtübung gewöhnt und mit dem ſchweren Kampfe und ſüßen Lohne der Selbſtüberwindung in jedem mühevollen Streben vertraut, mit Muth und That⸗ kraft gerüſtet, mit edelm Vertrauen zu ſeinem Willen, ſeiner künftigen Beſtim mung als Gelehrter, Staatsdiener und Geſchäftsmann entgegenreifen!

Nicht verhehlen darf es ſich aus einer weichlichen Selbſtzufriedenheit der öffent liche Lehrer, Andern nicht verſchweigen aus einer gefallſüchtigen Schmeicheley, daß dieſem ſo bezeichneten und ſo nöthigen Privatfleiße zunächſt Vorurtheile, welche in einer unrichtigen Anſicht von öffentlichen, gelehrten Elementarſchulen und ihrem Wirkungskreiſe und in der Unkunde eines feſten Bildungsganges gegründet ſind, entgegen ſtehen. Unſere Jugend, ſo hört man ſagen, iſt ſchon durch den erwei terten Lehrplan zu ſehr öffentlich beſchäftigt, als daß ſie die wenigen freyen Stun⸗ den der fortgeſetzten, ernſten Beſchäftigung aufopfern ſollte; ſie bedarf Erholung, frohe Spiele und eine erheiternde Zerſtreuung, daß ſie nicht über dem ſteten Lernen alle Lebensluſt und Freyheit einbüßt und in das männliche Alter Kälte, Gleichgül tigkeit und einen ſteifen Mechanismus überträgt: überdieß, wie kann man von dem jungen, zarten Alter, das noch ſo eben im väterlichen Hauſe oder in einem Privat⸗ inſtitute leicht und angenehm und nach eigenem Gutdünken ſich fortbildend bewegte, dieſe ernſte Privatanſtrengung fodern? Endlich ſind ja eben die öffentlichen Schu len in ihrer gegenwärtigen Art und Ausdehnung ſo eingerichtet, daß der öffentliche