hung immer empfänglicher zu werden. Der Privatfleiß iſt alſo eine frey gewählte Fortſetzung der öffentlichen libung der Selbſtkraft. Gegenſtände dieſer eben bezeichneten Thätigkeit kann nur die Schule oder der öffentlich beſtimmte Bildungs⸗ gang darbieten. Hier ſind Wiederholungen, Vorbereitungen, Ausarbeitungen diejenigen Gegenſtände, welchen der thätige Zögling ſeine Sorge und Anſtrengung und ſein Nachdenken ſchenkt und in welchen er ſeine Kraft verſucht, ſtärkt und bildet; und nach dieſen ernſten Studien werden übungen in den ſchönen Künſten, der Muſik, dem Zeichnen, und eine dem Alter gnügende und für Geiſt und Herz gewählte Lectüre den Sinn für alles Schöne beleben und veredeln. Dieſes wiſſen⸗ ſchaftliche Beſtreben und Eifern aller Zöglinge, ohne Rückſicht auf Auszeichnung durch Stand und Vermögen, iſt, ſo klein und unbedeutend es demjenigen, welcher die Jugend zu wenig liebt und achtet, um die Wichtigkeit ihrer ganzen Bildung zu würdigen, erſcheint, eine weſentliche Eigenſchaft eines edeln„ſchönen, ernſten Schulgeiſtes, welcher eine Schule hält und ihr Gedeihen verbürgt.
Denn eben dieſe Privatthätigkeit wird auch der öffentlichen Wirkſamkeit Liebe, Theilnahme und Eifer entgegen bringen. Wie ſollte wohl der Zögling, da er in ſeinen freyen Stunden keine Mühe ſcheut, den Kreis ſeiner Kenntniſſe zu erweitern und zu befeſtigen; da er mit freudigem Eifer der von ihm ſelbſt vorgeſchriebenen Ordnung folgt; da er einen hohen Werth darauf legt, ſeine übung durchzuſetzen und ihre Vollendung zu erkämpfen; da er mit Rührung und Begeiſterung das Schöne, Große und Edle, welches ihm ſeine Lectüre— zeigt, bewundert; wie könnte wohl dieſer Zögling in dem öffentlichen Bildungsgeſchäfte durch Leichtſinn, Kälte, Gleichgültigkeit, Unaufmerkſamkeit und Trägheit ſich herabwürdigen? Welchen unbeſchreiblich großen Einfluß auf die Bildung und Befeſtigung des gan⸗ zen Charakters dieſer ununterbrochene, ernſte, an Zeit und Ordnung gebundene Privatfleiß habe, zeigen die Beyſpiele vieler großen Männer in allen Zeiten; aber auch ohne dieſe Beyſpiele iſt dieſer Einfluß ja leicht zu erklären. Denn wie viel


