Lehrplan für den Unterricht im Deutschen.
A. Zahl der Lehrstunden.
Die Zahl der Lehrstunden beträgt für die Klassen Sexta, Quinta, Quarta je vier, für die Klassen Tertia, Secunda, Prima je drei wöchentlich.
B. Lehrbücher.
Hopf und Paulsieck: Deutsches Lesebuch für Gymnasien, Roal- und höhere Bürger- schulen. Berlin, Grote'sche Verlagsbuchhandlung. Abteilungen für Sexta, Quinta, Quarta, Tertia.— Ausserdem: Regeln und Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung zum Gebrauch in den preussischen Schulen, herausgegeben im Auftrage des Königl. Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten. Berlin, Weidmann'sche Buchhandlung.
C. Lehrziel.— Behandlung und Verteilung des Lehrstoffs.
An der Aufgabe der Realschule, ihren Schülern für den künftigen Beruf im bürgerlichen Leben eine allgemeine höhere Vorbildung zu gewähren, ist der deutsche Unterricht in hervor- ragendem Grade beteiligt. Derselbe soll dem Schüler die Formen und Gesetze der Muttersprache zum Bewusstsein bringen, er soll ihn einführen in das reiche Gebiet der vaterländischen Litteratur und ihm einen Teil ihrer besten Erzeugnisse zum unverlierbaren Eigentum machen, er soll ihn endlich befähigen, sich der Muttersprache zu einem richtigen und klaren Ausdruck der eigenen Gedanken zu bedienen. Verstand und Urteil, Phantasie und Geschmack, Willenskraft und Be- geisterung für die Tugenden und idealen Güter unseres Volkes: all' diese Kräfte und Regungen des Geistes sollen durch den deutschen Unterricht geweckt und entwickelt werden. Und während die übrigen Fächer die Aufgabe haben, innerhalb bestimmt begrenzter Gebiete die thatsächlichen Kenntnisse zu vermitteln, so soll der deutsche Unterricht gewissermassen die Summe dieser Kenntnisse ziehen und dieselben dem höheren Gesichtspunkt einer allgemeinen Geistesbildung ein- und unterzuordnen suchen.
Mit der Höhe und Vielseitigkeit dieser Aufgabe wächst aber auch die Schwierigkeit ihrer gedeihlichen Lösung. Für den Unterricht im Deutschen wird ebenso wenig wie für denjenigen in der Religion ein Lehrer genügen, dem bei aller Kenntnis der Sache und selbst der Methode die Fähigkeit mangelt, den Weg, wie zu dem Verstande, so zu dem Herzen der Jugend zu finden. Wahrhaftigkeit des Denkens und Wollens, Wärme der Empfindung und sittlichen Ernst vermag nur derjenige zu wecken, der durch seine eigene Rede und That der Jugend ein leben-


