Aufsatz 
Cicero und Panätius im zweiten Buche über die Pflichten
Entstehung
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4 Eine andere zusammenfassende Bezeichnung für sie findet sich in dem Satze(II, 18): quorum studiis ea, quae natura desiderat, expleta cumulataque habeamus. Die Worte:ea, quae natura desiderat sind aber eine Ubersetzung des stoischen zard Guout. ¹) Wenn es also das Thema unseres Buches ist, die Aufgaben zu bestimmen, die beim Erwerb und bei der Verwendung Aâuſserer Güter zu erfüllen sind, so heifst das, es soll hier über die 21oy* 1c nard göoo gehandelt werden, über die verständige und sorgfältige Benutzung aller rechtmäſsigen Mittel zur Erhaltung des Lebens und der Gesundheit und zum Erwerb auſserer Güter. Diese aber gehört nach stoischer Auffassung so gut wie das tugendhafte Handeln im engeren Sinne zur sittlichen Lebensaufgabe des Menschen, solange sie vernunft- gemäaſs ist. ²) Wenn also das von der Vernunft geregelte Streben nach äuſseren Gütern sittlich oder naturgemäſs ist, so gehört es eben zur Tugend und bewirkt wie diese Glück- seligkeit, nur ist der Begriff Tugend etwas weiter gefaſst als in der gewöhnlichen Denk- weise und in der Umgangssprache. Panätius nun nahm zwischen der stoischen Lehre einerseits und Plato und Aristoteles andererseits einen vermittelnden Standpunkt ein. Plato aber bezeichnete zwar Gesundheit, Kraft, Schönheit und Reichtum als Güter, aber doch nur bei vernünftigem Gebrauch. ²) Auch nach Aristoteles gehört zur Glückseligkeit neben dem ununterbrochenen tugendhaften Handeln eine hinlängliche Ausstattung mit äufseren Gütern. ¹) Aber das wesentlich entscheidende und bestimmende Moment der Glückseligkeit liegt auch für ihn in der tugendhaften Tätigkeit. ⁵5) Alle andern Güter, die zur Glück- seligkeit gehören, sind durch das tugendhafte Handeln teils hervorgebracht, teils sind sie ihrer Natur nach Hilfs- und Förderungsmittel,) gleichsam Werkzeuge desselben. Es war nicht schwer, vom stoischen Standpunkte aus zu dem der beiden Philosophen eine Brücke zu schlagen. Panätius brauchte nur darauf hinzuweisen, daſs nach stoischer Ansicht zum sittlichen Handeln nicht nur die dgerh im engeren Sinne, sondern auch die nloyh ατ⁴ puow gehöre und daſs diese natürlich ein Vorhandensein äuſserer Güter voraussetze. Dann konnte er, um die Ubereinstimmung der stoischen Lehre mit Plato und Aristoteles festzu- stellen, wohl sagen, daſs auch für ihn, den Stoiker, die Tugend, wie sie die Umgangssprache versteht, nicht genüge, sondern äuſserer Güter als Voraussetzung der nloyn ναd †öou bedürfe. Ebenso natürlich war es aber, daſs ein Satz, in dem neben der Tugend auſsere Güter als Elemente der Glückseligkeit genannt werden, als ein Widerspruch gegen die stoische Lehre erschien.*) Man kann also recht wohl annehmen, dafſs die Nachricht bei

¹) Nach A. Bonhöffer, Die Ethik des Stoikers Epiktet S. 170 flg. ist zwischen Phrrrä, déiov goyra, NOονεμνα und rd zard pöow ein erheblicher Unterschied bei den Stoikern nicht vorhanden. ²) Vgl. A. Bonhöffer a. a. O. Excurs. III, S. 203. ³²) Vgl. hierüber Hirzel a. a. O. II. S. 337. ½) Aristoteles, Eth. Nic. Ic. 11, S. 1101 a Z. 14 flgg.) Aristoteles Eth. Nic. I c. 11, S. 1100 b. Z. 7 flg.) Eth. Nic. I c. 10 S. 1099 b. Z. 27 flg. ¹) In etwas anderer Weise hat A. Schmekel(Die Philosophie der mittleren Stoa in ihrem geschichtlichen Zusammen- hange. Berlin 1892, S. 222 flg.) die Nachricht des Diogenes erklärt. Die vernünftige Pflege des Körpers, so führt er aus, ist nach Panätius naturgemäß; ihr Zwéck ist die Gesundheit, und die Mittel für diese zu vorgen einmal der Besitz und dann besonders die Neigung der Mitmenschen. Diese Güter seien also nicht außerhalb der Tugend, sondern in gewisser Weise in sie eingeschlossen und demnach zur Verwirklichung der Glückseligkeit auch notwendig. Als Beweis dafür, daß sie zum Bereich der Tugend gehören, führt er off. II, 18 an.(S. 222 Anm. 5.)Die Nachricht bei Diogenes, sagt er(S. 223, Anm. 1),ist also nur insoweit ungenaa als sis Gesundheit, Ansehen und Besitz neben die Tugend und nicht in Abhängigkeit von ihr setzt, wie es nach Cicero notwendig ist. Nach Schmekel wären also Besitz und Ansehen nur die Mittel, um die Gesundheit zu gewinnen. Aber bei Diogenes erscheinen die drei Güter als gleichwertig neben einander, nach off. II, 18 muß man nach der Neigung der Mitmenschen trachten, damit alles andere einem zufällt, und in unserem gauzen zweiten Buche ist