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Annahme spricht entschieden die zuletzt besprochene Notiz des Orosius a. a. O. Denn nach dieser hat Cäsar die Alexandriner zunächst von der Niederlage und dem Tode ihres Königs benachrichtigt, indem er ihnen als augenscheinlichen Beweis den königlichen Panzer übersandte, er musste hoffen, sie dadurch zur Verzweiflung zu bringen. Alsdann suchte er sie selbst auf und traf sie auch bereits als supplices an. Die Aufeinanderfolge der Ereignisse ist, rückwärts gerechnet, etwa so zu denken: am 27. März ritt Cäsar nach Alexandria und nahm die Ubergabe der Stadt entgegen, am 26. Vormittags(denn die Sache spielte sich celerrime ab, b. Al. 32, 1) vernichtete er das ägyptische Heer und konnte noch im Laufe des Tages den Panzer des Ptolemäus nach Alexandria schicken, am 25. erzwang er sich den Ubergang über den Kanal. Die Vorgänge von Cäsars Aufbruch von Alexandria bis zu seiner Vereinigung mit Mithridates umfassten jedenfalls einen Zeitraum von mehreren Tagen.
Sobald Cäsar Herr von Alexandria war, konnte er daran gehen, die ägyptische Thronfolge endgültig zu regeln. Nach dem b. Al. 33 bildete dabei für ihn das Testament des Ptolemäus Auletes die Grundlage: da der ältere Sohn gefallen war, trat der jüngere an seine Stelle; Kleopatra. quae manserat in fide praesidiisque eius(Caesaris), behielt die Krone. Zum Schutze der neuen Regierung wurde Arsinoe entfernt, ferner blieben drei römische Legionen zurück ¹); letzteres geschah auch, um die Würde und den Vorteil der römischen Herrschaft zu wahren. Der Verfasser des b. Al. bleibt somit der Tendenz, die Cäsar selbst in seinen Kommentarien III, 107; 108, 3; 109, 1 ausgesprochen und verfolgt hat(vgl. S. 7 f.), vollkommen treu. Wie Cäsar nach seiner eigenen Darstellung auf dem Wege des Rechtes, welches ihm das zwischen Rom und Xgypten bestehende Societätsverhältnis und das Testament des Auletes an die Hand gegeben haben, die Wirren in Agypten als communis amicus atque arbiter von Anfang an hat beilegen wollen, so lässt ihn das b. Al. jetzt nach Beendigung des Krieges ganz nach dem Willen handeln, den Ptolemäus Auletes in seinem Testamente ausgesprochen hatte, einzig und allein nach dem Rechte, das ihm verbot, einem der königlichen Kinder in der Ordnung der Thronfolge den Vorzug zu geben. Und nicht bloss der Schutz der neuen Regenten, sondern auch das Interesse der römischen Herrschaft veranlassten ihn zu besonderen militärischen Massregeln. So das b. Al. Anders Dio c. 44, wo es heisst:(Kærαœαeς νν dνννετον) u* Katondro, ſanε Erεrk xx Srerroseεε,xst, 6xαοοαo. Die Worte o*παεκ εϋνεᷣα εεμοενεꝛ*ε sind nicht so aufzufassen, als ob nach Dio Kleopatra allein der Grund zum Kriege gewesen war, da Dio c. 34, 1—2 auch die übrigen Gründe angeführt hat(vgl. S. 8 f.), sie bedeuten nur, dass Kleopatra den Hauptgrund für den Krieg abgab. Cäsar schenkte also nach der Auffassung Dios a. a. O. Kgypten der Kleopatra und gab ihr zum Schein den Bruder als Gemahl und Mitregent 1. aus Furcht vor den Xgyptern, die sich gegen ein Frauenregiment auflehnen(vgl. 34, 2 und S. 8 f.), 2. aus Furcht vor den Römern, die an seinem Verhältnis zu Kleopatra Anstoss nehmen konnten(vgl. XLIII, 27, 3). Der Unterschied dieser Auffassung von der des b. Al. wird schon durch die Worte ˙*⁴ KAsoroe— exæoicæro gekennzeichnet: persönliche Gründe sind es, die Cäsar bei der Ordnung des ägyptischen Thronstreites im Anfang(vgl. S. 9) und am Ende des Krieges vor allem leiten. Während nach dem b. Al. Cäsar von dem Testamente des Ptolemäus Auletes ausging und Kleopatra wie deren Bruder gleichen Anteil an der Regierung gewährte, sich also nur von rechtlichen und
¹1) Suet Caes. 76 triam legionum, quas in Alexandria relinquebat. Mit der VI. und XXVII. Legion war Cäsar gekommen(vgl. S. 14); von diesen nahm er die erstere mit nach Syrien, die XXVII. und ebenso die im Verlauf des Krieges hinzugekommene XXXVII.(§. 27) liess er zurück. Die dritte Legion, die er zurückgelassen hat, muss eine neu formierte sein, nach von Domaszewski a. a O. S. 173 die XXXIX.


