Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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politischen Rücksichten leiten liess, ist bei Dio Kleopatra die Bevorzugte, alles andere sind nur Scheinmassregeln. Die thatsächlichen Verhältnisse machten allerdings Kleopatra zur Allein- herrscherin, da ihr Bruder noch ein Kind war(Dio a. a. O., Strab. XVII, 1, 11), aber dies ändert nichts an der Tendenz, die in Dios Darstellung hervortritt.

Cäsar selbst schweigt in seinen Kommentarien geflissentlich von seinem Verhältnis zu Kleopatra(vgl. S. 9 f.), dasselbe Verfahren hat der Verfasser des b. Al. eingeschlagen ¹). Wir haben ferner oben(S. 9 f.) gesehen, dass alle Nachrichten, die über Cäsar und Kleopatra auf uns gekommen sind, auf Livius zurückgeführt werden können. Daraus folgt, dass auch die Nachricht, Cäsar habe zwar Kleopatra und Ptolemäus als Regenten eingesetzt, aber doch Kleopatra bevorzugt, ebenfalls livianischen Ursprungs ist. Abgesehen von Suetons allgemeinem Bericht Caes. 35 Regnum Aegypti viclor Cleopatrae fratrique eius minori permisit(vgl. Strab. XVII, 1, 11), heben wie Dio Kleopatra als die alleinige Empfängerin von Agypten hervor: Eutrop. VI, 22, 3 Caesar Alexandria politus regnum Cleopatrae dedit Ptolemaei sorori und Oros. VI, 16, 2 regnumque Aegupti Cleopatrae dedit. Dies wäre nicht geschehen, wenn die Epitomatoren es nicht schon in ihrer Vorlage, Livius, vorgefunden hätten. Denselben livianischen Geist wie Dio zeigen auch Plut. Caes. 49 Karadird, de i KAord οαά εαideuνοvday Aiyunros dονμσυάν(Kalcxo) ard vofac und App. 90 azcdl&ς ατα dεᷣroi‿ςννσασνꝙαάν(Kaioxo) ies sus, 1⁶ν½ ο mMůεοαπσπα‿ οαασ art de. αoleuνen Aiyunrov.

Von den militärischen Massregeln, die Cäsar, wie das b. Al. berichtet, im Interesse der neuen Regenten und der Würde des römischen Staates anordnete, erzählen uns die anderen Quellen nichts, wohl aber überliefern sie, dass sich Cäsar nach der Herstellung des Friedens der ungestörten Ruhe hingegeben hat. Man vergleiche App. c. 90 mit Suet. c. 52. Dio erwähnt davon c. 44, 2 und 4 und Plutarch weist am Schluss von Kap. 49 darauf hin. Dass Livius von dem Verkehr Cäsars mit Kleopatra gesprochen hat, beweisen Eutrop. VI, 22, 3 und Aur. Vict. c. 86. Demnach können Dio und Plutarch wie die sonstigen Nachrichten über Cäsar und Kleopatra so auch diese dem Livius entlehnt haben. Im Zusammenhang mit ihr steht die Erzählung von der Nilfahrt, die folglich Appian und Sueton ebenfalls der livianischen Tradition entnommen haben können.

Nach App. 90 zal& ανα dε̈roε‿ςαρσααν αάuᷣ(Kaiααο) uννes srvsa betrug Cäsars Aufent- halt in Xgypten 9 Monate. Am 2. Oktober 48 v. Chr. erschien Cäsar vor Alexandria(S. 4), am 27. März 47 ergab sich die Stadt, der Krieg hatte also rund 6 Monate gedauert, die übrigen 3 wurden zu politischen Anordnungen, Nilfahrt etc. verwandt. Gegen Ende des Monats Juni musste Cäsar nach Appian Alexandria verlassen haben. Um die Zeit seiner Abreise näher zu bestimmen, sind aus Ciceros Briefen drei Daten hervorzuheben: 1. nach ad Att. XI, 23 war Philotimus am 28. Mai mit einem Briefe Cäsars an Cicero nach Rhodus gekommen; diesen Brief muss Cäsar noch in Agypten geschrieben haben, denn nach App. a. a. O. hat er sich im Monat Mai noch dort aufgehalten²); 2. nach ad Att. XI, 20 war C. Trebonius am 18. Juli von Seleucia Pieria (Syrien) abgereist, er hatte aber vorher Cäsar in Antiochia gesehen, also muss Cäsar schon vor dem 18. Juli in Antiochia gewesen sein; 3. nach ad Att. XI, 25 bestand am 5. Juli in Brundisium das unbestimmte Gerücht, Cäsar habe Alexandria verlassen, sämtliche späteren(postea) Nachrichten haben es bestätigt, also kannte man nach dem 5. Juli in Brundisium bestimmt die Abreise

¹) Die Worte 33, 2 Cleopatrae, quae manserat in Jide praesidiisque eius(Caesaris) beziehen sich nicht auf das persönliche, sondern politische Verhältnis der Königin zu Cäsar(vgl. b. c. III, 107, 2).

²) Vgl. auch Sternkopf, Zur Chronologie und Erklärung der Briefe Ciceros aus den Jahren 48 nnd 47. Progr. Dortmund 1891, S. 41.