Aufsatz 
Caesar in Aegypten (48/47 v. Chr.). Historisch kritische Untersuchung / Heinrich Jung
Entstehung
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Wie örtllich, so zog Dio auch zeitlich die Vorgänge zusammen. Nach ihm ist Cäsar vorsς aufgebrochen, i⸗*τ τν ε stiess er auf die Agypter. Die nächstliegende Annahme wäre die, dass dieserMorgen der auf die angegebene Nacht unmittelbar folgende gewesen sei. Da die Entfernung vom Kap Chersonnes allein bis zum nächsten Punkte des kanobischen Nilarmes 75 Kilometer beträgt, also einen Marsch von zwei Tagen umfasst, so kann jene Annahme nicht richtig sein ¹). Die weitere Darstellungsweise Dios ist derart, dass sie den Eindruck macht, als wenn auch die Friedensunterhandlungen, die doch die kriegerischen Bewegungen unterbrechen mussten, und die Schlacht auf denselben Tag, an dem Câsar zum ersten Mal auf die Agypter stiess, fielen. Wie Dio also alle Begebenheiten an den Hauptort verlegte, so rückte er sie auch auf einen Pag zusammen, den Tag des Entscheidungskampfes, der nach b. Al. 30, 3 aller Wahr- scheinlichkeit nach in der Frühe begonnen hat. Aus dieser Methode erklärt es sich auch, dass Dio Einzelheiten auslässt; so erwähnt er nicht den Kampf der Römer um den Übergang über den Kanal(b. Al. 29, 2 5) ²).

Es dürfte vielleicht angebracht sein, die Ereignisse noch einmal zusammenzufassen, wie sie sich nach der oben gegebenen Erklärung der Berichte des b. Al., des Josephus und des Dio abgespielt haben. Mithridates marschierte von Pelusium aus um das Delta herum. Unterwegs gewann er Anhänger für Cäsars Sache. Als er sich dem vom kanobischen uud bolbitischen Nilarm gebildeten Delta näherte, traten ihm, bevor er den kanobischen Arm überschreiten konnte, ägyptische Truppen entgegen, da inzwischen Ptolemäus von dem Anmarsch des Pergameners unterrichtet worden war. Nachdem Mithridates den ersten Angriff erfolgreich abgewiesen hatte, wurde er in seinem Lager westlich vom kanobischen Arm belagert. Ptolemäus und Cäsar, von der Sachlage gleichzeitig benachrichtigt, brachen gleichzeitig auf, der erstere fuhr auf dem kanobischen Nilarm aufwärts, der andere täuschte zuerst die Alexandriner durch seine östliche Seefahrt, drehte dann und fuhr nach Westen bis zur Chersonnes, landete seine Soldaten, umging die Mareotis und konnte sich noch rechtzeitig westlich vom kanobischen Arm mit Mithridates vereinigen. Von den Agyptern wurden Friedensunterhandlungen angeboten, die aber Cäsar zurückwies. Inzwischen nahm Ptolemäus in der Nähe von Hermopolis oder Naukratis auf der rechten Uferseite des kanobischen Nil eine gedeckte Position ein. Gegen diese rückte nun Cäsar(nachdem er den Nil überschritten) an: am ersten Tage erzwang er den Ubergang über den Kanal, am zweiten nahm er das feindliche Lager und trieb die Gegner in den Fluss, wo der König Ptolemäus umkam.

Dass der König auf der Flucht im Nil ertrank, indem sein Boot, das durch Fliehende überfüllt wurde, sank, wird in allen Quellen(b. Al. 31, 6, Dio 43, 4, Liv. CXII, Eutrop. VI, 22, 2, Oros. VI, 16, 2, Plut. Pomp. 80, Caes. 49, App. V, 9), nur mit verschiedener Deutlichkeit berichtet; besonders stimmen b. Al. und Oros. überein. Drei Quellen aber bringen dazu etwas Neues: Flor. II, 13, p. 101(Jahn), Eutrop. a. a. O. und Oros. a. a. O. erzählen, der Leichnam des Königs sei wieder gefunden worden, man habe ihn an dem goldenen Panzer wieder erkannt. Diese Notiz kann nur auf Livius zurückgehen; durch sie unterscheidet sich die Darstellung des Livius von der im b. Al. Diesem Berichte scheint Plutarch zu widersprechen, wenn er Caes. 49 schreibt: απτο τον τϑαeσ‿εᷣοσσ

Judeich Strab. XVII, p. 888 g& 46G αἀ τοoυαν, wodurch Hügel im Delta nachgewiesen werden, während er doch einen Beleg braucht für die Existenz von Hügeln ausserhalb und zwar westlich des Delta. Die Vermutung Mahmud-Beys, die Entscheidungsschlacht habe in der Nähe von Ilkam, also westlich vom kanobischen Nilarm(vgl. Stoffel, pl. 18), stattgefunden, wird schon von Stoffel II., S. 268 f. beanstandet.

¹) Stoffel, S. 267.

²) Vgl. S. 44, Anm. 1 dieser Abhandlung.