43
Auch in der Art des Kampfes unterscheidet sich deutlich Josephus von den beiden anderen Schriftstellern. Während im b. Al. und bei Dio Mithridates in seinem Lager bestürmt wird, lässt Josephus eine förmliche Schlacht liefern, die Antipater allein günstig wendet. Prinnern wir uns dazu des Widerspruchs in der lokalen Anordnung der Begebenheiten, so muss uns schon aus sachlichen Gründen die Darstellung des Josephus verdächtig vorkommen. Dieser Verdacht wird durch die offen zu Tag tretende Tendenz, die Josephus in seiner Erzählung verfolgt, noch vermehrt: Josephus will zeigen, däss die Juden dem Cäsar grosse Dienste geleistet haben, deshalb schreibt er alles Verdienst dem Antipater auf Kosten des Pergameners zu, deshalb lässt er jenen nur dahin marschieren, wo Juden wohnen, die sich Cäsar willfährig zeigen. Mit einer allgemeinen Phrase schliesst er seinen Bericht ab: Cäsar verwende den Antipater während des ganzen Krieges zu den gefährlichsten Unternehmungen. Insofern unter diesem„Kriege“ nach dem Zusammenhange nur der ägyptische gemeint sein kann, ist jene Bemerkung deshalb auffallend, weil jetzt nur noch ein gefährliches Unternehmen stattfand, die Entscheidungsschlacht zwischen Cäsar und Ptolemäus; welche Rolle Antipater in dieser gespielt hat, erzählt uns Josephus nicht.
Josephus folgte im XIV. Buche als Hauptquelle dem Nicolaus Damascenus ¹). Ueber Dios Quelle lässt sich hier nichts sagen.
Wir haben nunmehr die Nachrichten über die Entscheidungsschlacht zwischen Cäsar und Ptolemäus zu behandeln. Das b. Al. 28, 3—4 und 29, 1 beschreibt den Ort, an dem der ägyptische König Stellung genommen hatte. Dieser Ort ragte über eine nach allen Richtungen hin angrenzende Ebene empor und war nach drei Seiten gedeckt ²): auf der einen durch den Nil, auf der anderen durch eine Anhöhe, die ein Teil des Lagers einnahm, auf der dritten durch einen Sumpf; eine Seite blieb offen und war daher besonders für den Angriff geeignet(30, 5). Zwischen der Stellung des Königs und der Marschlinie des Cäsar floss ein Kanal, ein lumen angustum altissimis ripis(29, 1), 7000 Schritte vom ägyptischen Lager entfernt. Nach der Auseinandersetzung auf S. 40 wurde Mithridates westlich vom kanobischen Arm, also noch ausserhalb des kleinen Deltas, angegriffen, Cäsar befreite ihn aus seiner Lage, wo, wird nicht gesagt, doch jedenfalls in der Nähe des Ortes, wo Mithridates sein Lager hatte. Nun versteht der Verfasser des b. Al. in der Regel unter lumen Nilus den kanobischen Arm(vgl. 28, 2 und S. 39), also wird auch 28, 4 der kanobische Arm, auf dem ja auch der König herangefahren war, anzunehmen sein. An diesen Nilarm hatte nunmehr der König Ptolemäus sein Lager angelehnt, aber innerhalb des kleinen Delta. Um ihn zu erreichen, musste daher Cäsar zunächst das kleine Delta betreten, d. h. von dem linken auf das rechte Ufer des kanobischen Armes marschieren. Die im b. Al. sonst noch angegebenen Punkte sind also zwischen dem kanobischen und bolbitischen Arm zu suchen. In der That berichtet Strabo XVII, 1, 4, dass die menschlichen Ansiedelungen des Delta&mπ ρααρν ατορναιν errichtet gewesen seien, es hat also im Delta natürliche Hügel gegeben und giebt es deren noch heute, auch in der Gegend zwischen dem kanobischen und bolbitischen Nilarm ³). Ein Sumpf(man braucht durchaus nicht an den heutigen See von Edkou zu denken) und ein Kanal, der in den Nil mündete, sind für diese Gegend ohne weiteres anzunehmen. Darnach muss sich die Stellung des Königs auf der Ostseite des kanobischen Armes, etwa in der Nähe von Hermopolis oder Naukratis befunden haben. Mehr als dies
¹) Vgl. u. a. Destinon, Die Quellen des Fl. J. I(Leipzig 1882), S. 103 f. ²) 28, 4 ist wohl variorum generum zu lesen, indem rarium durch falsche Beziehung auf lateribus leicht zu
nariÖs werden konnte. ³) S. Stoffel, pl. 18.
6*½


